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Joko und Klaas präsentieren Die beste Show der Welt: Wie gut war sie wirklich?


Berlin. „Die beste Show der Welt“: Mit seiner „Dürften wir Show“ besiegt Joko Winterscheidt den Kollegen Klaas Heufer-Umlauf. Wie gut war die Show wirklich? Alle acht Formate in der Einzelkritik.

In „Die beste Show der Welt“ führen Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf acht Show-Formate vor. Jokos „Dürften wir Show“ kriegt die größte Publikumszustimmung und holt den Titel. Wie gut war sie wirklich? Wir haben alle acht Shows rezensiert:

Die beste Show der Welt: Wie gut war die Gesamtleistung?

„Die beste Show der Welt“ ist eins der vielen Formate, mit denen sich Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf nach dem Raabschied noch mehr austoben dürfen als ohnehin schon. Auf der Haben-Seite steht dabei die schöne Idee einer Meta-Show, die alle Routinen der TV-Entertainments im Schnellverfahren durchhechelt: Fernsehhochzeit, Spielshow, Quiz und TV-Magie. Bei ihrem Streifzug durch die Genres hätten gerade Joko und Klaas allerdings ruhig noch parodistischer auftreten dürfen. Immer mehr wurde ihr Abend zur Nummern-Revue – „Formate“ wie „Game of Drones“ oder „Höhenangst – die Show“ unterschieden sich am Ende gar nicht mehr von Spielideen aus den Pro-Sieben-Shows „Schlag den Star“ und „Duell um die Welt“. Das ist besonders dort ärgerlich, wo Joko und Klaas das Privatleben ihrer Studiokandidaten verwursten. Es ist peinlich genug, wenn Eheschließungen oder verworrene Familienverhältnisse zu Fernsehunterhaltung werden. Wenn ihnen ein Wiedersehen lang getrennter Geschwister aber nur noch 20 Programm-Minuten im Samstagabend-Potpourri wert ist, wirken die Ironiker zynischer als die Moderatoren echter Reality-Shows. Eine der wenigen ernst gemeinten Innovationen ist die „Dürften wir Show“, die vom Publikum tatsächlich auch zum Siegerformat gewählt wird. Die Idee: Matthias Schweighöfer zerlegt vor laufender Kamera die Wohnung zweier Saal-Kandidaten. Schadenfreude hat bei Joko und Klaas noch immer funktioniert. (James Blunt singt Schmähkritiken auf Joko und Klaas: die Höhepunkte des „Circus HalliGalli“-Finales)

Ist Joko Winterscheidts „Yes or No Show“ die beste?

Das Ja-Wort als TV-Gag: Zu Beginn der „Yes or No Show“ nehmen Tom und Kerstin zum Quiz Platz – von dem zumindest Tom klar ist, dass was faul ist. Er weiß schließlich, dass die letzte Frage an Kerstin sein Heiratsantrag sein wird. Auch er wird dann allerdings überrascht, als hinter den Kulissen schon Familien, Freunde, der Sänger Bosse mit einem Hochzeitslied und die Nichte Lea mit den Ringen auftauchen. Auch eine „Glücksmarie“ ist als Standesbeamte zur Stelle und vollzieht die Trauung direkt auf der Bühne. Nach 25 Minuten Pro-Sieben-Show sind Tom und Kerstin verheiratet. Am Ende schließt Jokos „Yes or No Show“ mit 84 Prozent der Publikumsstimmen ab.

Ist die „Yes or No Show“ wirklich die beste Show der Welt? Dass man diese Nummer nur einmal durchziehen kann, sagt Joko Winterscheidt in der Abmoderation selbst. Das ist aber nicht das größte Problem der „Yes or No Show“. Viel schlimmer ist die Selbstverständlichkeit, mit der Pro Sieben hier per Überrumpelungstaktik das Privatleben der Zuschauer kapert. Einem Entertainer, der seine Kandidaten in „Mein bester Feind“ gegen Gewinnprämie tätowiert, wird es kaum noch auffallen – aber das Konzept ist übergriffig. (Kims Honey bei GNTM 2016: So absurd vermarktet Alex Keen sein Beziehungsaus)

Ist Klaas Heufer-Umlaufs „David Flame Show“ die beste?

Joko Winterscheidt inszeniert seine erste Show mit schriller Heiterkeit als Parodie; Klaas Heufer-Umlauf setzt bei der „David Flame Show“ auf das ungebrochene Plagiat: In der Titelrolle des Magiers David Flame zaubert er mit dem Brimborium eines echten Las-Vegas-Scharlatans Palina Rojinski und sich selbst in die Lüfte und verschwindet aus einer explodierenden Holzkiste. Als Jeannine Michaelsen das Publikum fragt, ob es geil war, wartet man immer noch auf einen alles über den Haufen werfenden Schluss-Gag, der nie allerdings kommt.

Ist die „David Flame Show“ die beste der Welt? Nein, das ist auch gar nicht möglich. Als 15-Minuten-Abklatsch kann sie nicht besser sein als die Shows von David Copperfield, Siegfried, Roy, Hans Klok und Vincent Raven. Das Publikum bleibt mit 79 Prozent Zustimmung milde. („Die beste Show der Welt“: Die Höhepunkte der zweiten Ausgabe)

Jokos „Dürften wir Show“ – die beste der Welt?

Joko Winterscheidt kündigt die „Dürften wir Show“ als höflichstes und zugleich grausamstes Format der Welt an. Aus dem Studio holt er dann die WG-Nachbarn Robert und Alina auf die Bühne. Die werden mit einer Live-Schalte von Matthias Schweighöfer konfrontiert, der gerade vor ihrer Wohnungstür steht. Joko bietet immer mehr 100-Euro-Scheine, mit denen er sich die Erlaubnis zum Vandalismus erkauft: Dürften wir für 200 Euro in eure Wohnung? Dürften wir Schafe und Ziege in euer Bad lassen? Im Flur grillen? Eure Tür vermauern? Die Wände schwarz anmalen? Am Ende ist die Wohnung ramponiert; und Robert und Alina dürften rechnen, ob der Schaden sich für die erspielten 2700 Euro beheben lässt. Mit 85 Prozent setzt die „Dürften wir Show“ sich an die Spitze – und wird bis zum Ende des Abends nicht mehr geschlagen.

Ist die „Dürften wir Show“ die beste der Welt? Wieder rückt Joko seinen Kandidaten auf die Pelle. Aber weil es hier um keine Lebensentscheidung wie die Ehe geht, hat die Show-Idee das Potenzial zum launigen Spiel mit Öffentlichem und Privatem. Wie gut das Konzept sein kann, sieht man, als Schweighöfer ein Kissen mit Stoff-Pimmel im Schrank von Robert findet. Ein großer, aber auch erfreulich harmloser Lacher. Es ist ein Jammer, dass Pro Sieben dem Balanceakt des Schlüsselloch-Blicks bald ausweicht und stattdessen auf brachiale Zerstörung setzt. Bei der Vernichtung fremden Eigentums hat man intuitiv Mitleid mit den Kandidaten und fragt beklommen nach rechtlichen Folgen für die Mieter. Hässliches i-Tüpfelchen ist, dass ausgerechnet Matthias Schweighöfer den Henker spielt. Der ständig über sich selbst lachende Joko-und-Klaas-Buddy wärmt sogar den Frettchen-Gag aus „Vaterfreuden“ auf und fragt launig: „Beißen Schafe eigentlich auch in die Eier?“ Verdient hätte er es.

Klaas präsentiert: „Der beste Preis der Welt“

Die Show „Der beste Preis der Welt“ ist eine Art Mini-„Schlag den Raab“; aber wie schon schon beim Hochzeitsquiz am Anfang handelt es sich bei dem Spiel nur um einen Vorwand für den emotionalen Schlussakt. Publikumskandidatin Katharina und Klaas Heufer-Umlauf stapeln Murmeln in schwimmende Glasschälchen und werfen Handys aus drei Metern Höhe. Wenn Kathi die Schale später versenkt und ihr Display nicht beschädigt, gewinnt sie „den besten Preis der Welt“: ein Wiedersehen mit ihrem vor Ewigkeiten in Südamerika verschwundenem Bruder. Verliert sie, wird der Bruder augenblicklich grußlos zurückgeflogen. Heißt es wenigstens. Joko Winterscheidt empört sich lautstark über diese Grausamkeit; als Klaas tatsächlich gewinnt, bricht der allerdings sein Wort und holt den Bruder trotzdem auf die Bühne. Alles weint. 82 Prozent des Saalpublikums finden das gut so.

Ist „Der beste Preis der Welt“ die beste Show der Welt? Genau genommen ist er gar keine eigenständige Show, sondern eine aufgedonnerte Gefühlsnummer, die nur im Gesamtprogramm des heutigen Abends funktioniert. Klaas und Joko spielen„Wenn ich du wäre“ beim Sport1-Doppelpass

Jokos Japan-Import: „Der Schöne und der Dumme – Bijo to Baka“

Joko Winterscheidt reinszeniert das asiatische Format „Der Schöne und der Dumme: Bijo to Baka“ – angeblich ist die Show „das japanische ‚Wetten, dass ..?!‘“. Als Kandidaten zwingt er Klaas in ein rosa Plüschkostüm, in dem er sich zu Klingelton-Musik und Dauerkonfetti Folien aufs Gesicht drücken und Bambus-Stäbe gegens Schienbein schlagen lässt. Bemannte Kuscheltiere hopsen umher, ein überdrehter Entertainer redet schneller als Dieter Thomas Heck und das auf Japanisch . Keiner versteht ein Wort; die Show wird mangels Publikumsinteresse abgesetzt.

Ist „Bijo to Baka“ die beste Show der Welt? Falls ja, dann ist sie zumindest im deutschsprachigen Raum nicht anschlussfähig. Auch „Bijo to Baka“ bleibt eine nicht lebensfähige Nummer in der Show-Revue. In seinen wenigen Minuten leistet der Exzess aber einen interessanten Beitrag zur interkulturellen Medienbildung. (Captain America 3: Fünf Gründe, warum man Civil War sehen muss)

Klaas zwingt Joko in „Höhenangst – die Show“

Mit 65 Prozent der Zuschauerstimmen zählt „Höhenangst – die Show“ zu den Rohrkrepierern des Abends. Sie besteht nur aus der Idee, Joko über einen hallenhohen Kletterparcours zu jagen. Hier muss er für Jannick, den Mann aus dem Publikum, Schuhkartons voller Geld einsammeln.

Ist „Höhenangst – die Show“ ein Weltformat? Der Höhenweg ist eine Routine aus dem „Duell um die Welt“ – hat allerdings deutlich weniger Adrenalin als die suizidalen Mutprobem, mit denen Joko und Klaas sich sonst foltern. Um kurz vor elf legt „Die beste Show der Welt“ eine Ruhepause ein, nach der dann hoffentlich ein umso furioseres Finale folgt. (Lena vs. Lena: Wer siegt im Frauenduell bei „Schlag den Star“? Gercke oder Meyer-Landrut?)

Jokos Final-Show „Game of Drones“

In seiner letzten Show gibt Joko Winterscheidt noch mal alles: Beim „Game of Drones“ lässt er Computerspiele Wirklichkeit werden, und Gamer mit Virtual-Reality-Brillen echte Dronen durch die Studio-Halle steuern. Damit nicht genug: Vier Publikumskandidaten setzen auf die vier Pro-Sieben-Piloten privates Geld – und können den Einsatz im Idealfall verzehnfachen oder eben ganz verlieren. Der Mutigste setzt und verspielt 450 Euro; die Siegerin geht am Ende mit 1150 Euro nach Hause. Das ist in etwa die Größenordnung, in der Pro Sieben mit den verlorenen Einsätzen der anderen drei Kandidaten Gewinn gemacht hat. Zu den Verlierern gehört auch ein 15-Jähriger, den Joko nach Rücksprache mit der Regie sicherheitshalber noch durch seinen Erziehungsberechtigten ersetzt hat.

War „Game of Drones“ am besten? Am Konzept des persönlichen Wetteinsatzes muss noch gefeilt werden; das Dronenrennen an sich hat aber gute Aussichten, bei „Schlag den Star“ wiederaufzuerstehen.

„Kein Herz für Tiere“: Die Finalshow von Klaas

Die Show „Kein Herz für Tiere“ setzt Jorge Gonzalez, Rolf Scheider und Palina Rojinski als Promi-Kandidaten vor eine Plexi-Glas-Box, durch die goldige Kaninchen und Katzenbabys tapsen. Wer ihr unbeholfenes Herumstolpern 60 Sekunden lang ohne jede Gefühlregung betrachtet, gewinnt und holt den Titel Mr. oder Mrs. Herzlos.

Ist „Kein Herz für Tiere“ die beste Show der Welt? Auf jeden Fall ist die Variante der „HalliGalli“-Rubrik „Aushalten, nicht lachen!“ Ein Höhepunkt des Abends. Schon die flauschigen Worte, mit denen Klaas die Vorzüge seiner Tiere preist, sind klasse. Und das radikale Verbot, Tierkinder liebzuhaben, hat etwas wunderbar Abgründiges. Am Ende droht Jorge Gonzales einem Häschen damit, es mit der Schaufel zu streicheln. Ein Sender, der solche Bilder liefert, hat etwas richtig gemacht. Völlig unverständlicher Weise wird die Show vom Saalpublikum nicht angenommen – und vor ihrem Ende abgesetzt.


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