TV-Programm heute Abend Neuer Zürich-Krimi mit Christian Kohlund in der ARD

Von Joachim Schmitz


Aus den Traumhotels der Welt zurück in die alte Heimat: Christian Kohlund kehrt mit dem Zürich-Krimi der ARD heute Abend in die Schweiz zurück, wo er vor über 65 Jahren geboren wurde und zum ersten Mal auf der Bühne und vor einer Kamera stand.

Es ist ein sonderbarer Typ, dieser Anwalt Thomas Borchert, den Kohlund da verkörpert. Er trauert am Grab eines Toten, dessen Witwe ihn beschimpft. Schreitet ein, als eine philippinische Haushaltshilfe auf dem Markt beim Brotklau ertappt und verhaftet wird – und landet selbst hinter Gittern (so rabiat sind die Schweizer Gesetze?). Er ist nach langen Jahren in Südamerika in seine Heimatstadt Zürich zurückgekehrt und hat offenbar ein paar dunkle Geheimnisse im Gepäck. Sein alter Freund Reto Zanger will die Verteidigung des Anwalts nicht übernehmen und tritt den Fall an seine Tochter Dominique (Kathrin Bauerfeind) ab. Und dann wird auch noch das Kind entführt, um das sich die Haushaltshilfe kümmerte. Hier geht‘s zum Trailer.

Halsbrecherisch

Mein lieber Schwan. Der erste Zürich-Krimi „Borcherts Fall“ macht es seinen Zuschauern wahrlich nicht leicht. Die Geschichte ist halsbrecherisch zusammengeschrieben, manch ein Handlungsfaden bedrohlich dünn, die Kindesentführung inszeniert wie ein Bauerntheater. Und schließlich wartet der Film viel zu lang, bis er – im zweiten Teil – endlich Borcherts Geheimnis lüftet.

Wer „Borcherts Fall“ einigermaßen über die Runden rettet, ist sein Hauptdarsteller – der Mann, dessen sonore Stimme in den Zürich-Krimi mindestens so gut passt wie einst ins „Traumhotel“. Vermutlich ist Christian Kohlund so überzeugend, weil er großen Gefallen an der Figur gefunden hat: „Im Gegensatz zu mir trinkt er ganz gerne, beschreibt er den eigenwilligen Anwalt im Gespräch mit unserer Redaktion. „Er ist ein sehr einsamer Wolf, desillusioniert, aber immer noch mit einem Funken Hoffnung in sich, zurückzukehren zu einer Art von Unschuld, zum Idealismus und zur Gerechtigkeit. Er will aufräumen in seinem Leben, steht aber auch zu dem, was er gemacht hat. Ich mag solche Typen, sie erinnern mich ein bisschen an Chandler-Figuren oder das Cinema noir.“ Weiterlesen: Hier gibt‘s das ausführliche Interview mit Christian Kohlund.

Erst der zweite Teil ist gut

Und tatsächlich: Wer den ersten Teil ausgesessen hat, wird mit einem absolut sehenswerten zweiten belohnt, bei dem sich manch ein Zuschauer die Augenreiben wird: Die nicht gerade kleine Rolle der Dominique spielt nun nicht mehr Kathrin Bauerfeind, sondern Ina Paule Klink („Wilsberg“). Angeblich aus Termingründen, was nicht gerade auf durchdachte Planung deutet. Weiterlesen: Katrin Bauerfeind liest am 20. Mai in Osnabrück.

Aber sonst passt es: In „Borcherts Abrechnung“ (5. Mai, 20.15 Uhr) nimmt der Zürich-Krimi Fahrt auf, überzeugt die Geschichte, verschwindet mach überflüssige Figur. Das sieht Christian Kohlund ganz ähnlich: „Keine Frage, der zweite Teil ist klarer und intensiver.“ Man könnte auch sagen: Wer erst mit dem zweiten Teil einsteigt, hat nichts verpasst und kommt dennoch gut rein in den Stoff.

Fortsetzung folgt?

Spätestens jetzt ist Kohlund aus dem langen Schatten des „Traumhotel“-Managers Markus Winter getreten und ganz der Thomas Borchert, den man in seiner etwas schrulligen, gerechtigkeitsliebenden Art mag. „Dass Borchert Fehler gemacht hat, die er als Belastung mit sich herumträgt,“ gefällt seinem Darsteller. „Das sind Dinge, die man von sich selber kennt, wenn man sich sagen muss, dass man etwas in den Sand gesetzt hat oder sich wünscht, man hätte sich anders entschieden und anders verhalten.“

Kein Wunder, dass dem Schauspieler eine Fortsetzung am Herzen liegt: „Ich wünsche mir so viele Zuschauer, dass wir anschließend weitermachen dürfen. Ich glaube, es wäre ein gutes Format, wenn wir auf der besonderen Schiene bleiben und nicht so sehr zu einem ganz normalen Krimi mutieren. Gerade die Schweiz ist doch prädestiniert für etwas diffizilere, verstecktere Fälle.“ Da hat er wohl Recht.

Der Zürich-Krimi: Borcherts Fall, ARD, Donnerstag, 28. April, 20.15 Uhr (Teil 2 am Donnerstag, 5. Mai, 20.15 Uhr)


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