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The First Avenger: Civil War Paul Bettany verrät seine Gage für „Captain America 3“


Berlin. The First Avenger – Civil War: Paul Bettany (Vision/Jarvis) verrät im Interview seine Marvel-Gage und erklärt, warum die Russos lustiger sind als Lars von Trier.

In vier Marvel-Filmen war Paul Bettany nur die Stimme von „Jarvis“. „The First Avenger: Civil War“ zeigt ihn nun zum zweiten Mal in der Rolle des Androiden Vision. Vor der Berliner Premiere hat er uns erklärt, was die Arbeit eines Marvel-Avengers für ihn so attraktiv macht: das Geld, aber nicht nur das! (Vielleicht der beste Marvel-Film? „The First Avenger: Civil War“ in der ehrlichen Kritik)

„The First Avenger: Civil War“ stellt die Frage, ob Superhelden von der UNO kontrolliert werden sollten. Sollten sie?

Ja. So große Macht ist eine gefährliche Sache, wenn sie unbeaufsichtigt eingesetzt wird.

In „The First Avenger: Civil War“ dreht sich alles um die Kollateralschäden der Superhelden-Kämpfe. Aber war die prächtige Zerstörung der Stadt Sokovia nicht gerade erst ein Grund dafür, sich „Avengers: Age of Ultron“ anzusehen?

Doch. Und das betrifft ganz viele Actionfilme. Aber schon als King Kong am Wolkenkratzer hochkletterte, habe ich gedacht: Oh, mein Gott, der Fuß zerstört gerade das ganze Appartement von irgendeinem New Yorker! Es macht Spaß, das in „Captain America“ jetzt so selbstbezüglich zu thematisieren.

(Wie war das noch mit Sokovia? Alles zu„Marvel’s Avengers: Age of Ultron“)

Spätestens seit Christopher Nolans „Dark Knight“-Filmen laden Superhelden-Blockbuster ihr Spektakel diskursiv auf. Sind die Action-Filme damit besser als in den 70ern?

Die Filme sind heute reicher. Ich mag aber auch die Superhelden, die ich als Kind gesehen haben. Wir hatten keine Comics, sondern nur Massenarbeitslosigkeit. Superhelden kannte ich nur aus den Wiederholungen der 60er-Jahre-Batman-Serie. Dass die Leute fliegen konnten, war großartig genug. Dass die Marvel-Welt schon damals ungeheuer reich war, konnte ich als Kind nicht abschätzen.

Ihre ersten vier Auftritte im Marvel-Universum haben sie nur als Stimme der künstlichen Intelligenz Jarvis absolviert. Waren sie traurig, ausgerechnet in der Superhelden-Welt körperlos zu sein?

Es ist schwer, enttäuscht zu sein, wenn man für 45 Minuten Arbeit einen großen Koffer voll Geld kriegt.

Hatte schon die Sprechrolle Auswirkungen auf Ihre Karriere?

Keine Ahnung. Ich weiß nicht, wie ich das messen sollte. Vielleicht sieht man das von außen besser.

(Gleicher Konflikt, schlechtere Film: Wieso fällt „Batman v Superman“ gegen „Civil War“ so ab?)

Haben die Leute Sie im Alltag an Ihrer Stimme erkannt?

Das ist wirklich manchmal passiert. Als Vision bin ich jetzt violett; und ich bin wirklich froh, dass ich nicht mit demselben Gesicht durchs Leben laufe, das ich im Film zeige. Ich habe das Beste aus beiden Welten erwischt.

Das Marvel-Universum wird expandieren, bis wir alle tot sind. Haben Sie Angst davor, bis zum Ende dabei zu sein?

Überhaupt nicht, ich bin sehr gern bei Marvel beschäftigt. Am Set arbeiten alle mit ungeheuer viel Vorstellungsvermögen und Kreativität an den Geschichten. Kleine Filme haben ihre eigenen Vorteile, aber bei Marvel kommt man mit großartigen Regisseuren und den besten Kameraleuten der Welt zusammen und kann unglaubliche Dinge tun.

(First Avenger? Worum geht‘s noch gleich im letzten Teil „The Return of the First Avenger“? Zur Kritik)

Die Comic-Welt von Marvel ist komplex, die Filme stecken voller Anspielungen und Vorausdeutungen. Verstehen Sie alles?

Ich kannte die Comics nicht. Man bekommt zur Vorbereitung aber exemplarische Hefte und dreht die Filme mit den Yodas der Marvel-Welt. Kevin Feige, der Präsident der Marvel-Studios, beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Superhelden. Wann immer ich Fragen hatte, war ich von Experten umzingelt.

Regisseure und Autoren müssen in einem Milliarden-Franchise wie den Marvel-Filmen vermutlich jede Entscheidung abstimmen. Hat man als Schauspieler dieselben Freiheiten wie bei kleinen Filmen?

Die Voraussetzungen sind ganz andere; ein Independent-Film muss nicht auf der ganzen Welt verstanden werden. Aber Sie wären überrascht, wie oft ich mit Kevin Feige und den Autoren zusammensitze, wie intensiv die mich zu meiner Rolle befragen, wie wichtig es ist, in welche Richtung ich selbst mit meiner Figur will. Ich werde gehört. Mich hat zum Beispiel interessiert, wie Vision sich als Android das Menschliche erarbeitet. Vision funktioniert über Logik; wie begründet sich also seine Loyalität zu Iron Man? Weiß er, was Liebe und Sympathie sind? Oder müsste Vision zu Captain America überlaufen, wenn dessen Argumente besser sind? Diese Fragen haben erst mich beschäftigt, jetzt beschäftigen sie die Figur. Und am Ende reagiert Vision emotional und macht seinen ersten Fehler. Trotzdem wird er im Film zu einer moralischen Instanz, was für einen synthetischen Humanoiden beachtlich ist.

(Marvel-Wissen: Was passiert in „Avengers 2: Infinity War“?)

Ich habe in Ihrer Filmografie das am weitesten von den „Avengers“ entfernte Werk gesucht: Lars von Triers „Dogville“. Wie unterscheidet sich die Arbeit bei so einem Film?

Sie haben den Film ausgewählt, der nicht nur von „The First Avenger“ weit entfernt ist, sondern von allem, was ich je gemacht habe. Und das auf ganz andere Weise, als Sie es sich von einem kleinen Film vielleicht vorstellen. „Dogville“ war schwierig. Lars von Trier ist der Autor des ganzen Werks; er interessiert sich nicht im Geringsten für deine Meinung und er diskutiert auch nicht.

Beim 250-Millionen-Dollar-Filme waren Sie also freier als bei Lars von Trier?

Hundertprozentig. Man gibt Lars von Trier alles, aber es ist das Gegenteil eines organischen Prozesses. Er ruft nur: Spiel das lauter. Spiel das leiser, das nächste mach wütend. Er ist Jackson Pollock, und du mischst ihm auf Zuruf die Farben: Blau her! Violett! Er macht dann den Film daraus. Ich halte ihn für einen phänomenalen Filmemacher. Ich liebe seine Filme. Aber die Zusammenarbeit mit ihm ist nicht so aufregend – weil es ganz einfach keine Zusammenarbeit ist.

Immerhin ähnelt der Greenscreen im Marvel-Film der leeren Bühne, auf der „Dogville“ spielt.

Das ist die einzige Gemeinsamkeit. Übrigens finde ich die Arbeit vor dem Greenscreen nicht mehr schwierig. Vor zehn Jahren war ich überfordert, wenn ich mit Monstern kämpfen sollte, die nicht da waren. Inzwischen akzeptiere ich, dass diese außerordentlichen Dinge in irgendeiner Spelunke in Singapur passieren, wo überarbeitete Künstler dir Monster auf den Leib jagen.

Sie haben selbst einen Film gedreht. Was für ein Regisseur wollten Sie sein?

Früher kam man mit seinem Kater-Kaffee zum Set, sprach die Dialoge durch, und wenn sich alle einig waren, richteteman die Crew die Szene ein. Heute komme ich zu einem durchorganisierten Set, an dem alle meine Positionen schon markiert sind. Wozu komme ich da überhaupt noch? Schauspieler können Narzissten und Querulanten sein, selbstverliebt, eigennützig, kurzsichtig – aber jeder große Schauspieler ist auch ein großer Geschichtenerzähler. Ich wollte ihnen ihre Arbeit wiedergeben: Die Schauspieler sollten die Geschichte erzählen, die ich dann aufzeichne. Anthony Mackie und Jennifer (Paul Bettanys Frau und Hauptdarstellerin Jennifer Connelly, Anm. d. Red.) kamen immerzu mit guten Ideen, die meilenweit von meinen entfernt waren. Dann habe ich überlegt, ob meine Geschichte diese Version überlebt. Wenn ja, bin ich ihnen gefolgt.

(Marvel Cinematic Universe: das sind die aktuellen Pläne zu Iron Man, Thor und den anderen Avengers)

„Marvel’s Avengers: Age of Ultron“ endet mit einem Bild, das die Marvel-Helden als griechische Marmorskulptur zeigt. Was sagen Sie zu dem Vergleich des Marvel-Mythos mit der Antike?

Amerika ist ein sehr junges Land, das sich seine griechischen Götter selbst gemacht hat.

Disney maßt sich also keinen zu großen Vergleich an?

Darum geht es überhaupt nicht. Das Bild ist nur eine kulturelle Anspielung, die vermutlich stimmt. Viele Amerikaner werden Apollo nicht kennen – aber sie kennen Iron Man. Das Marvel-Universum ähnelt unserem eigenen, gleicht ihm aber nicht. Es gibt schließlich Superhelden. Es steht wie ein Puffer zwischen uns und der Wirklichkeit. „The First Avenger: Civil War“ muss als „Four-Quadrant-Movie“ Frauen, Männern, Alten und Jungen gefallen. Und trotzdem gelingt es diesem gigantischen Popcorn-Film, universelle Fragen anzusprechen: Dürfen Supermächte einseitig handeln? Wie viel Macht in der Hand eines einzelnen ist schädlich? Das finde ich interessant.


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