Hier irrt Llambi: Hull-Kolumne Let‘s Dance 2016: Hat Llambi den Maßstab verloren?


Berlin. Bei „Let‘s Dance 2016“ ist Joachim Llambi der kritischste Juror. Diesmal hat er übertrieben – findet Michael Hull, selbst ehemaliger „Let’s Dance“-Juror und mehrfacher Weltmeister aus Osnabrück.

Bei „Let‘s Dance 2016“ punktet Juror Llambi mit Pointen. Aber liegt er wirklich immer richtig? Wir lassen Michael Hull, den Osnabrücker Weltmeister und Ex-Juror von „Let‘s Dance“, für uns die aktuelle Show kommentieren. Dies sind seine Beobachtungen:

Eric und Oana

Der Tanz des Jahres 2016 in allen ADTV-Tanzschulen ist die Samba. Eric Stehfest und Oana Nechiti zeigen, wieso. Eric ist beweglich und und rhythmischer als einige anderen Kandidaten. Das harte Urteil, mit dem Joachim Llambi ihn abspeist, ist am Profi-Standard bemessen. Da ist Motsi Mabuses Urteil absolut besser und nachvollziehbarer! (Horror-Tänze für Jana und Eric: Hier geht‘s zur TV-Kritik von „Let‘s Dance“)

Massimo und Jana

Massimo Sinatò, der viel von seiner künstlerischen und musikalischen Vielfalt profitiert, kann sich mit seiner Partnerin Jana Pallaske völlig auslassen. Sie ist rhythmisch beweglich und freut sich am Tanz. Diese Sprache für beide verständlich. Sie werden uns ihre neue Art und einzigartige Herangehensweise noch lange vorführen. Wir brauchen es nur zu genießen! Ihre Art zu Tanzen ist auf Augenhöhe mit „Dancing with the Stars“, dem amerikanischen Ableger des Formats! Selbst im Sitzen nehmen Jorge Gonzalez und Motsi Mabuse zu den Meinungsäußerungen von Joachim Llambi immer mehr Abstand! Auch beim Wiener Walzer von Massimo und Jana. Verständlich. (Jana Pallaske und Massimo: Wilde Facebook-Posts)

Ulli und Kathrin

Manchmal müsste die Jury auch Schmerzensgeld erhalten. Ulli Potofski ist ein guter Reporter und auch ein sehr sozialer Mensch – aber Tanzen sollte er eher nicht! Für Kathrin Menzinger, als frisch gekürte Deutsche Meisterin 2015, ist es nicht einfach, sich tänzerisch zurückzuhalten. Potofski wird noch von Herrn Joachim Llambi sein Fett auf einem Tablett erhalten! Auch wenn viele Llambi nicht verstehen, nennt er doch einige bedenkenswerte Aspekte. Allerdings war Ulli Potofski nicht, wie Joachim betonte, schon nach dem vierten Takt raus, sondern erst im siebten, beim Chasse, kurz vor der Rechtsdrehung.

Thomas und Regina

Thomas Häßler und Regina Luca tanzen Contemporary. Und bis jetzt hat er sich nie besser bewegt, selbst im Liegen sah es gut aus! Jorge Gonzalez erwähnt, dass man beim Contemporary nicht so viele Regeln beachten müsse. Gerade hier sollten die Grundregeln keine Frage sein, um die Kunst deutlicher mit der Technik hervorbringen.

Alessandra & Sergiu

Alessandra und Sergiu möchten mehr und mehr – und sie hat es verstanden, ihren Ehrgeiz in rhythmische Bewegungen umzusetzen. Die Rumba der beiden war mit sehr vielen Grundbasics bereichert, die auch ohne viel Bim Bam und Schleif- oder Hebefiguren gut aussehen. Der Muskelkater wird sich bei Alessandra an Stellen bemerkbar machen, wo man gar keine Muskeln vermutet. (Barfüßige Verbeugung vor der eigenen Mutter: Erics Contemporary)

Victoria und Erich

Erich Klann und Frau Victoria Swarovski greifen an. Ihre Ausdrucksweise war dem Tanz sehr angemessen. Auch für die Zuschauer ist dieser Moment manchmal wichtiger, als die neu erlernten Leistungen. Das Jury-Urteil ist dann aus meiner Sicht ein denkwürdiger Moment, bei dem die Zuschauer Wetten abschließen, wer wohl für wen was für eine Wertung abgibt. Auch welche Aspekte erwähnt werden, muss dann nachzuvollziehen sein. Aus den eigenen Erfahrungen heraus die Bewegungsabläufe zu erklären – das macht Motsi Mabuse sehr gut.

Thomas, Wendler und Nastassja? Am Limit!

Die Körperhaltung erlaubt uns, die Befindlichkeit von Menschen einzusehen. Beim Tanzen ist sie nicht nur eine Position, die „steif“ eingehalten werden muss. Sie sollte immer noch in sich beweglich sein, gerade auch in den geschlossenen Tänzen. Sonst tanzt man in einem Sackgassen-Format, das niemals rhythmisch wirken kann! Thomas Häßler, Frau Kinski und Herr Michael Wendler? Bei denen ist das Limit schon erreicht. Man sah deutlich, dass die Spannungsgrenze bei Frau Kinski schon in der Hälfte des Tanzes erreicht wurde. Auch die Profis verlangen ein höheres Ziel von ihren Kandidaten – weil auch sie selbst ihre eigentliche Leistung zeigen wollen, gerade im Fernsehen. Das kann die Kandidaten mitunter erschrecken.

Sarah und Robert

Die meisten Körperaktionen sind vorbewusst. Sie finden statt, noch bevor der Verstand überhaupt aktiv werden kann. Sicherheitsgefühl oder Unsicherheitsgefühl? Für den Wertungsrichter sind die Augen der entscheidendste Kanal! Dabei muss man auch den Entwicklungsstand miteinbeziehen und das Paar ermutigen, anstatt die Lust im Keim zu ersticken. Wenn das Paar nicht die Leistung abrufen kann, die im Vergleich erforderlich wären, muss man bedenken, dass hier keine Profis tanzen. Zum Beispiel bei dem Paar Sarah Lombardi und Robert Beitsch. Die vorgeschriebene Fußhaltung der Rumba setzt hohe Spannungskraft in den Beinen voraus, die sie noch gar nicht erreicht hat! Da nutzt so ein Urteil noch gar nichts. Ein Dach kann ich erst aufbauen, wenn Keller und Etage stehen!

Sonja, Vadim und der Wendler

Dass Sonja Kirchberger beweglicher als Herr Joachim Llambi ist, ist keine Frage! Ich kenne ihn so nicht anders! Der Wendler-Quickstep war wie ein Polkagang in der Orthopädie. Isabel weiß schon, dass es bald nicht mehr weiter geht! Hier insgesamt elf Punkte zu geben, ist ganz schön hoch! Allerdings halte ich mehr von der Devise: „Lieber wenig korrekt, als viel erreicht, aber von Fehlern durchdrungen.“

Ein Lob an die „Let’s Dance“-Schneiderin!

Nicht zu vergessen sind die Kostüme, die ihren Teil zum Erfolg der Paare beitragen. Frau Katja Convents, die Schneiderin, versteht es sehr gut, innerhalb von Tagen typgemäße Kleidung zu schneidern. Auch bei einigen wohlgeformten Persönlichkeiten schafft sie es, die Tänzer schlank zu schneidern. Ich bewundere Katja, die es immer wieder schafft, das auch die Kleidung zum Stück passt und Teil der Story ist.

Alle Bestleistungen, Fehlurteile und Kuriositäten der Show lesen Sie in unserem Blog zu „Let‘s Dance 2016“.


Michael Hull holte zwei Jahrzehnte lang einen Weltmeistertitel nach dem anderen. In den ersten beiden Staffeln von „Let‘s Dance“ saß er als Juror neben Joachim Llambi auf dem Podium. Hull lebt in Osnabrück, wo der 56-Jährige an seiner Tanzschule sein Können weitergibt.

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