Jan Böhmermann im „Neo Magazin Royale“ ZDF entfernt Erdogan-Schmähgedicht aus Mediathek

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Jan Böhmermanns Schmäh-Gedicht zum türkischen Präsidenten Erdogan aus dem „Neo Magazin Royale“ wurde aus der Mediathek des ZDF entfernt. Foto: dpa/Rolf VennenberndJan Böhmermanns Schmäh-Gedicht zum türkischen Präsidenten Erdogan aus dem „Neo Magazin Royale“ wurde aus der Mediathek des ZDF entfernt. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Osnabrück. Das ZDF hat die neueste Ausgabe des „Neo Magazin Royale“ mit Jan Böhmermann aus seiner Mediathek entfernt. Darin hatte Böhmermann ein Gedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vorgetragen und es als unerlaubte Schmähkritik ausgegeben.

Die Szene soll nun rausgeschnitten werden. So lange ist das Video nicht abrufbar.

Ist das noch Satire? Diese Frage hat sich das ZDF bei dem am Donnerstag erschienenen „Neo Magazin Royale“ gestellt. Jan Böhmermann nahm darin Bezug auf den Umgang des türkischen Präsidenten Erdogan mit dem Satirevideo der NDR-Sendung „extra 3“. Er wollte den Unterschied zwischen der in Deutschland erlaubten Satire und der nicht erlaubten Schmähkritik „an einem Beispiel“ erklären. (Weiterlesen: mit „Be Deutsch“ ist Böhmermann wieder ein viraler Hit gelungen.)

Beleidigungen gegen Erdogan – Böhmermann weist auf „Schmähkritik“ hin

Damit ist Böhmermann aus Sicht des Senders ZDF zu weit gegangen. Der Satiriker wollte auf den Zug mit der Diskussion um den Satire-Song „Erdowie, Erdowo, Erdogan“ von „extra 3“ aufspringen und hat ein Schmäh-Gedicht verfasst, in dem er den Präsidenten aufs Übelste beleidigt. „Sack doof, feige und verklemmt, ist Erdogan der Präsident“ heißt es zu Anfang. Danach folgen mehrere Beleidigungen unter der Gürtellinie. (Weiterlesen: Erdogan äußert sich im CNN-Interview zu „extra 3“.)

Zwischendurch weisen Böhmermann und sein Side-Kick Ralf Kabelka immer wieder darauf hin, dass dieses Gedicht „Schmähkritik“ sei, die auch in Deutschland unerlaubt sei – im Gegensatz zum satirischen Video von „extra 3“.

Gedicht „entspricht nicht den Ansprüchen an Qualität von Satire“

Das ZDF hat darauf am Freitag reagiert und die Ausgabe des „Neo Magazin Royale“ vorübergehend aus der Mediathek entfernt. „Die Parodie im NEO MAGAZIN ROYALE am 31. März zum Umgang des türkischen Präsidenten mit Satire entspricht nicht den Ansprüchen, die das ZDF an die Qualität von Satiresendungen stellt. Aus diesem Grund wurde die Passage aus der Sendung entfernt“, heißt es in der auf Twitter geteilten Erklärung des ZDF. (Weiterlesen: Grimme-Preis für Böhmermanns „Varoufake“.)

ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler äußerte sich gegenüber „Spiegel online“ zu der Löschung. Man habe zwar breite Schultern bei Satire-Formaten, aber es gebe auch Grenzen. „In diesem Fall wurden sie klar überschritten. Deswegen haben wir in Absprache mit Jan Böhmermann beschlossen, die Passage aus der Sendung herauszunehmen. Das betrifft das Sendungsvideo in der Mediathek, Clips auf Youtube, sowie Wiederholungen“, so Himmler weiter.

„Neo Magazin Royale“ wird gekürzt wieder online gestellt

Der Spartensender „ZDFneo“, auf dem die Satiresendung donnerstags zuerst im TV ausgestrahlt wird, äußerte sich ebenfalls via Twitter. Das „Neo Magazin“ stehe im Internet nicht mehr zur Verfügung, weil die betreffende Szene zunächst rausgeschnitten werden soll.

Im Laufe des Tages soll die Ausgabe der Sendung aber wieder im Internet zur Verfügung stehen – ohne das Gedicht. Im Hauptprogramm des ZDF wird das „Neo Magazin Royale“ immer in der Nacht von Freitag auf Samstag ausgestrahlt. Laut der ZDF-Twitterseite wird das auch heute passieren, aber nur in der gekürzten Version. DIe Ausstrahlung ist für 1.15 Uhr angesetzt.


Als Schmähung hat das Bundesverfassungsgericht 1990 eine herabsetzende Äußerung charakterisiert, „wenn in ihr nicht mehr die Auseinandersetzung in der Sache, sondern die Diffamierung der Person im Vordergrund steht.“ Eine solche Schmähkritik stünde dann nicht mehr unter dem Schutz der Meinungsfreiheit.

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