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Alle 13 Folgen ab 18. März 2016 Marvel‘s Daredevil Staffel 2: Warum die Netflix-Serie so gut ist


Osnabrück. Der Teufel von Hell‘s Kitchen ist zurück: Ab dem heutigen Freitag, 18. März 2016, ist die komplette zweite Staffel von „Marvel‘s Daredevil“ auf Netflix abrufbar. Unsere Redaktion hat vorab ein paar Episoden zur Ansicht bekommen, hier ist die Kritik.

Superheld: Das klingt nach buntem Kostüm, übernatürlichen Kräften und ehrenvollen Heldentaten. „Daredevil“ ist anders. Menschlicher. Von Schuldgefühlen geplagt. Brutal. Der dunkle Rächer jagt und foltert die Verbrecher nachts im New Yorker Stadtteil Hell‘s Kitchen, tagsüber verteidigt er die Schwachen als blinder Anwalt vor Gericht.

Von der Kritik gefeiert

Die Comicverfilmung „Marvel’s Daredevil“, produziert vom Streaming-Portal Netflix, ist anders als alles, was Marvel in den vergangenen Jahren auf die Bildschirme gebracht hat. Radikal, mutig und düster. In den 13 Folgen der ersten Staffel wird die Geschichte des blinden Jungen Matt Murdock erzählt. In der zweiten Staffel, die ab dem heutigen Freitag komplett auf Netflix abrufbar ist, geht Daredevils Kampf weiter. Gegen eine neue Bedrohung und seine alte Schuld. (Weiterlesen: Alle Infos und Trailer zur zweiten Staffel von „Marvel‘s Daredevil“)

Offizielle Zahlen gibt es von Netflix zwar nicht, aber Daredevil war im vergangenen Jahr eine der am meisten raubkopierten Serien und die Kritiken waren überwiegend sehr positiv. Da die Serie zu den Marvel-Studios und Disney gehört, ist sie Teil des Marvel-Film-Universums an der Seite der „Avengers“. Dennoch hat sie ein Alleinstellungsmerkmal: die Brutalität. Nirgendwo werden bei Marvel und Disney so herausragende Kampfszenen filmisch umgesetzt und choreografiert, sie wirken wie martialische Tänze. Daher ist die Serie auch erst ab 18 Jahren, untypisch für den Familienkonzern Disney. (Wie hoch war Ihre Gage, Mr Bettany? Marvel‘s „Vision“ im Interview)

Sinistre Figuren

Der düstere Charakter der Daredevil-Comics von Frank Miller steht auch in der Serie im Mittelpunkt: Es gibt keine schicken Superhelden-Kostüme, edle Motive und witzigen Sprüche, kein Kampf zwischen Gut und Böse. Sondern nur den Kampf zwischen Überleben und Tod. Daredevil ist so erfolgreich, weil die Serie wie auch der Comic andere Wege geht. (Weiterlesen: Marvel‘s Daredevil: Seit wann wird bei Marvel gefoltert?)

Doch Staffel 2 muss anfangs sogar komplett ohne den einen großen Bösewicht auskommen. In dem rachsüchtigen und beängstigenden Frank Castle (Jon Bernthal) hat Matt Murdock aber einen würdigen Gegner gefunden: Der Punisher, wie ihn die Medien schnell nennen, greift ebenfalls zur Selbstjustiz, um Verbrecher zur Strecke zu bringen. Doch er geht mit militärischer Präzision vor und lässt niemanden am Leben. Matt Murdock gefällt das gar nicht, denn töten ist nicht sein Metier, er übergibt die bösen Buben der Justiz. (Weiterlesen: Marvel‘s Daredevil: Charlie Cox im Gewissenstest)

War Staffel 1 eine Mafia-Geschichte mit Superhelden-Elementen im Neo-Noir-Stil und exzellenten Kampfchoreografien, ist Staffel 2 mehr im rasanten Comic-Stil gehalten, in dem ein Kampf den nächsten jagt. Der Punisher wird mit der brachialen Gewalt eingeführt, für die ihn seine große Fangemeinde liebt. Er jagt wie eine Naturgewalt über die Gangs von Hell’s Kitchen hinweg, führt dabei aber mit Matt Murdock fein geschliffene Dialoge über Schuld und Selbstjustiz. (Weiterlesen: Wer ist der Punisher?)

Jon Bernthal überzeugt als Punisher

Jon Bernthal („The Walking Dead“, „Fury – Herz aus Stahl“) ist die perfekte Besetzung für den rachsüchtigen Frank Castle. Am stärksten ist Bernthal aber dann, wenn der Punisher überraschend emotional agiert. Wenn er von seiner Vergangenheit erzählt oder erklärt, dass unschuldige Menschen keine Angst vor ihm zu haben brauchen. Er bestraft nur die Schuldigen. „Castle ist auf einer Mission, nichts kann ihn davon abhalten“, erklärt US-Schauspieler Jon Bernthal im Gespräch mit unserer Zeitung. Entsprechend zielstrebig bekämpft er auch Daredevil, der ihn von seiner Mission abhalten will.

Frank Castle ist nur ein Puzzleteil

Doch etwas noch Dunkleres versteckt sich in Hell’s Kitchen, es ist nicht greifbar. Mit dem Punisher ist schnell ein Prügelknabe gefunden, aber so einfach ist die Geschichte nicht. Frank Castle ist nur ein Puzzleteil, die anderen enthüllen sich, wie in der ersten Staffel, erst nach und nach. Das ist die Stärke der Serie, dass sich die Zusammenhänge erst spät offenbaren. (Weiterlesen: Alle Planungen für das Marvel-Film-Universum im Überblick)

In Staffel 1 waren die Gegner abwechslungsreicher, Daredevils Kämpfe unterschiedlich, bis er Wilson Fisk gegenüberstand. In der zweiten Staffel hat er es gleich mit dem Punisher zu tun, sie müssen über mehrere Runden gehen, ehe eine neue Kämpferin den Ring betritt: Mit Elektra Natchios (Elodie Yung) bekommt Matt allerdings ganz andere Probleme. Sie hat eine gemeinsame Vergangenheit mit Matt und bittet ihn um Hilfe. Er zögert, denn Elektra schreckt nicht davor zurück, Menschen zu töten.

Was sind Elektras Motive?

Zwischen ihm und Elektra gibt es reichlich erotische Chemie, dennoch überzeugt die Figur der exotischen, schönen Kämpferin nicht ganz. Zu unsympathisch ist ihre Lust am Töten, zu sehr gibt sie das verwöhnte, reiche Mädchen, das alles bekommt, was es will. Untypisch für die Serie, fehlt es dieser recht wichtigen Figur an Tiefgang.

Karen Page und Foggy Nelson stehen treu zu Matt Murdock

Im Gegensatz zu Charlie Cox, der den blinden Helden mit Selbstsicherheit, Arroganz und Verletzlichkeit spielt. Der „Mann ohne Angst“ wird von Cox auch in der zweiten Staffel glaubhaft verkörpert, und die Nebenrollen mit Elden Henson (Foggy Nelson) und Deorah Ann Woll (Karen Page) als Matts Freunde sind ebenfalls hervorragend besetzt. Das Trio hat zwar seine Unbeschwertheit aus der ersten Staffel verloren, die Chemie stimmt aber weiter zwischen ihnen. Henson und Woll sind dabei nicht das Beiwerk von Cox, sondern brillieren in ihren Rollen, die sich unabhängig voneinander weiterentwickeln. Vor allem Deborah Ann Woll schafft es, Karen Page als loyale und gleichzeitig unabhängige Frau darzustellen, die sich ihrer Angst alleine stellt und nicht wartet, bis der Held sie rettet. (Vielleicht der beste Marvel-Film? „The First Avenger: Civil War“ in der ehrlichen Kritik)

Fazit: Staffel 2 von „Marvel‘s Daredevil“ überzeugt

Durch die Konzentration auf die Konflikte zwischen dem Punisher, Elektra und Daredevil sind gleich die ersten Folgen schwungvoll und actionreich. Auffällig gut sind die Cliffhanger, die in Staffel 1 nicht so zahlreich waren. Dennoch hatte ich als Zuschauerin das Gefühl, mit den ersten sieben Folgen einen stundenlangen Film zu sehen, der schnell Spannung aufbaut, sie aber auch nicht verliert. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie die Staffel weitergeht und endet.

Marvels schwarzer Ritter ist also zurück in Hell’s Kitchen: Wer Staffel 1 mochte, wird von Staffel 2 ebenfalls begeistert sein. Die düstere Charakterstudie zeigt aber dieses Mal noch mehr, wie eine Comicverfilmung geht: Rasant, aber nicht oberflächlich, spannend und innerlich zerrissen kämpft der Teufel von Hell’s Kitchen vor allem um sein eigenes Seelenheil. Wer mit Marvels Superhelden nichts anfangen kann, sollte Daredevil eine Chance geben, denn die Serie ist nicht nur eine von vielen Comicverfilmungen, sondern thematisiert die große Frage nach Gerechtigkeit. Mit einer guten Portion Action.


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