Fernsehpreis für Neo Magazin Royale Jan Böhmermann gewinnt mit #Varoufake den Grimme-Preis

Von Christopher Bredow

Jan Böhmermann hat mit seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ den Grimme-Preis 2016 für den „#Varoufake“ gewonnen. Foto: ZDF/Ben KnabeJan Böhmermann hat mit seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ den Grimme-Preis 2016 für den „#Varoufake“ gewonnen. Foto: ZDF/Ben Knabe

Osnabrück. Mit dem „#Varoufake“ aus seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ hat Jan Böhmermann den Grimme-Preis 2016 in der Kategorie Unterhaltung gewonnen. Mit dem scheinbar manipulierten Stinkefinger-Video des ehemaligen griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis hatte der Satiriker die Medienwelt im März 2015 in Aufruhr versetzt, sagt die Jury in ihrer Begründung.

Jan Böhmermann hat in seinem „Neo Magazin Royale“ im Jahr 2015 immer wieder für Aufmerksamkeit gesorgt. Einer seiner größten Streiche gelang ihm im März 2015. Damals tauchte ein Youtube-Video auf, in dem der inzwischen zurückgetretene griechische Finanzminister Yanis Varoufakis den Deutschen vermeintlich den Stinkefinger zeigt. Die Presse stürzte sich auf diese Story und auch Günther Jauch machte es in seiner Sonntagabend-Talkshow zum Top-Thema. Jan Böhmermann hielt den Redaktionen mit seinem #Varoufake den Spiegel vor. (Weiterlesen: Wer ist dieser Jan Böhmermann?)

Grimme-Preis für Jan Böhmermann: „Für eine Nacht ist nichts mehr klar“

„Er hat behauptet, seine Redaktion habe das Varoufakis-Video mit dem Stinkefinger erst erfunden, dann ins Netz geschmuggelt und schließlich beobachtet, wie sich die skandalhungrigen Medienverwerter gierig darauf stürzten und nur noch den Stinkefinger sehen wollten. Für eine Nacht ist gar nichts mehr klar“, schreibt die Jury des Grimme-Preises 2016. Diese hat Böhmermann für dessen Video jetzt den wichtigsten Fernsehpreis Deutschlands verliehen. In der Kategorie „Unterhaltung/Spezial/Innovation“ wurden neben der ZDFneo-Sendung auch „Schorsch Aigner“ (WDR) und „Streetphilosophy“ (RBB/Arte) ausgezeichnet. (Kommentar: Böhmermanns gelungene Medienkritik.)

Stinkefinger-Video ein Fake? #Varoufake verunsichert alle

Lange Zeit war nicht klar, ob das Stinkefinger-Video von Varoufakis nun ein vom „Neo Magazin Royale“ inszenierter Fake war oder tatsächlich stattgefunden hat. „Es weht ein ferner Hauch der Hitler-Tagebücher durch den Raum. Natürlich hat niemand die Echtheit des Videos überprüft. Natürlich? Leider. Auf einmal bricht in etlichen Redaktionen Panik aus. Verzweifelt versuchen die Nutzer, die Echtheit nachträglich zu beweisen, und kriegen es nicht hin. Eine Nacht lang tanzen bei vielen Verantwortlichen die Hormone Sirtaki“, schreibt die Grimme-Preis-Jury. Erst als das ZDF einen Tweet absetzte darüber nachzudenken, Jan Böhmermanns Sendung deutlicher als Satire zu kennzeichnen, lüftete sich langsam die Wahrheit. Böhmermann hat sich einen Scherz aus dem Video gemacht und mit dem #Varoufake alle verunsichert. (Weiterlesen: ZDF dementiert die Varoufakis-Manipulation.)

Neo Magazin Royale stoppt den Presse-Apparat

„Jan Böhmermann hat an diesem Mittwoch im März dem deutschen Journalismus einen riesigen Dienst erwiesen. Er hat mit unterhaltenden Mitteln auf die Wahrheit gedeutet, er hat die Branche innehalten lassen, er hat die Apparate für ein paar Stunden gestoppt“, heißt es am Ende der Jury-Begründung zur Verleihung des Grimme-Preises 2016 an das Neo Magazin Royale. Weitere Preisträger sind unter anderem „Deutschland 83“ (RTL) und „Weissensee“ (MDR) in der Kategorie Fiktion. Im Wettbewerb „Information & Kultur“ erhielt unter anderem „Marhaba – Ankommen in Deutschland“ (n-tv) einen Preis. Eine Auszeichnung im Wettbewerb „Kinder & Jugend“ bekam die VOX-Serie „Club der roten Bänder“. (Weiterlesen: Grimme-Preise für Olli Dittrich und „Deutschland 83“.)


Die Auszeichnungen im Überblick

Wettbewerb Fiktion/Spezial:

„Patong Girl“ (ZDF)

„Deutschland 83“ (RTL)

„Weissensee“ (MDR)

„Weinberg“ (TNT Serie)

Wettbewerb Information & Kultur/Spezial:

„Die Folgen der Tat“ (WDR/SWR/NDR)

„Göttliche Lage“ (WDR/Arte)

„Marhaba – Ankommen in Deutschland“ (n-tv)

„Tödliche Exporte“ (SWR/BR)

„Vom Ordnen der Dinge“ (ZDF/Arte)

Wettbewerb Unterhaltung/Spezial/Innovation:

#Varoufake der Sendung „Neo Magazin Royale“ (ZDFneo)

„Schorsch Aigner“ (WDR)

„Streetphilosophy“ (RBB/Arte)

Wettbewerb Kinder & Jugend / Innovation:

„Club der roten Bänder“ (Vox)

„ENE MENE BU“ (KiKA)

Publikumspreis der Marler Gruppe:

„Kunst und Verbrechen“ (ZDF/3sat)

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