Website untersucht Darstellung Journalisten in Filmen: Vorbild Karla Kolumna?

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Die Unbestechlichen: Dustin Hoffman (links) und Robert Redford verkörpern in Alan Pakulas mehrfach ausgezeichnetem Film von 1976 den Inbegriff der investigativen Journalisten. Foto: dpaDie Unbestechlichen: Dustin Hoffman (links) und Robert Redford verkörpern in Alan Pakulas mehrfach ausgezeichnetem Film von 1976 den Inbegriff der investigativen Journalisten. Foto: dpa

Osnabrück. Schlagzeilenjäger, Ermittlungsverhinderer oder selbst Ermittler: Wenn Journalisten auf der Leinwand zu sehen sind, dann oft als Klischee. Patrick Torma, ebenfalls Journalist, widmet sich auf seiner Internetseite www.journalistenfilme.de der Darstellung von Pressevertretern in Filmen und Serien.

Freddy Lounds, daran besteht kein Zweifel, verkörpert alle schlimmen Vorurteilen, die es über Journalisten gibt. Der Reporter des fiktiven „Tattler“ ist im Übermaß eitel, penetrant, opportunistisch und amoralisch, Anstand und Regeln kümmern ihn nicht, und für eine gute Story würde er nicht nur seine Mutter, sondern gleich seine ganze Familie verkaufen. 

Für Patrick Torma war der Reporter aus dem Film „Roter Drache“ der Grund, warum er seit einigen Jahren ganz genau hinsieht, wenn Journalisten in Filmen vorkommen. „Ich habe damals meine ersten Meriten bei der Lokalzeitung verdient. Und als ich diesen Freddy Lounds gesehen habe, dachte ich: So sind Journalisten doch gar nicht!“

Dass Freddy Lounds Karriere als menschliche Fackel in einem Rollstuhl endet, soll hier auch noch erwähnt werden - denn schlimmer wurde wohl noch nie ein fiktiver Journalist für seine Arbeit bestraft.

Karla Kolumna: das Vorbild vieler Journalistinnen

Rund zehn Jahre nach der Konfrontation mit Ekelpaket Freddy Lounds hat Patrick Torma nun „Roter Drache“ und anderen Filmen, in denen Journalisten eine Rolle spielen, eine Internetseite gewidmet. 

Auf www.journalistenfilme.de analysiert der 31-Jährige, wie Pressevertreter in Filmen und Serien dargestellt werden. Motiviert wurde er dazu unter anderem durch eine Studie, nach der - man mag es kaum schreiben - Karla Kolumna für viele Frauen ein Grund war, in den Journalismus zu gehen. 

Für die wenigen Unkundigen: Karla Kolumna ist die rasende Reporterin aus der Hörspielreihe „Benjamin Blümchen“ , die es auch als Zeichentrickserie gibt. 

Meinungsmonopol in Neustadt

In einem herrlich zugespitzten und natürlich mit viel Ironie geschriebenen Text hat Patrick Torma vor Kurzem auch diese zweifelhafte Ikone des weiblichen Journalismus mal eben vom Sockel geholt. 

Im Gespräch mit unserer Redaktion fasst Torma seine wesentlichen Kritikpunkte noch mal zusammen. „Karla Kolumna hat das Meinungsmonopol in Neustadt, sie setzt dieses Monopol auch ein, um ihre private Meinung durchzusetzen - und als Benjamin Blümchen mal zwei Kinder aus einem Haus gerettet hat, macht sie 50 daraus.“ Fazit: Das sei kein sauberer Journalismus. 

Dass Patrick Torma auch die guten Seiten von Karla Kolumna würdigt, hat viele Leser nicht davon abgehalten, ihm für die teilweise Entzauberung eines Kindheitsidols böse Kommentare zu schreiben. 

„Die Unbestechlichen“: bester Journalistenfilm

Abseits von partiellen Witzfiguren wie Freddy Lounds und Karla Kolumna hat Patrick Torma festgestellt, dass Journalisten auffällig oft in Krimis oder Thrillern auftreten - und zwar entweder als Ermittlungsverhinderer oder als Ermittler. Das Bild könnte also gar nicht gegensätzlicher sein.

Der klassische und berühmteste Journalistenfilm „Die Unbestechlichen“, der auf den tatsächlichen Erfahrungen zweier Journalisten in der Watergate-Affäre basiert, ist für den Journalisten Patrick Torma auch der, der den Beruf am genauesten und besten zeigt. 

„Die wenigsten werden zwar in ihrer Laufbahn so einen Scoop haben. Aber der Film zeigt eben auch sehr gut, wie unglamourös der Beruf sein kann und wie viel knallharte Arbeit hinter vielen Artikeln steckt.“

Wechselnde Sicht auf den Journalismus

Über die vergangenen Jahrzehnte hat sich nach der Beobachtung von Patrick Torma die Darstellung des Journalismus in Filmen stark verändert. Vor den 70er-Jahren sei der Journalist meist der Detektiv gewesen, ab den 70er-Jahren hätten Filme dann vermehrt den Journalismus als solchen gezeigt.

In den 80er-Jahren entdeckte Hollywood den Kriegsreporter, zum Beispiel in „Ein Jahr in der Hölle“, den Patrick Torma zuletzt auf www.journalistenfilme.de analysiert hat. 

Etwa seit dem Jahr 2000 würde der Journalismus nun vor allem als Teil des Systems gezeigt werden. Die immer komplexer werdende Welt bildet sich auf der Leinwand ab, und auch die Medienproduzenten sind nun keine Inseln mehr. 

„Es wird ein Nischen-Angebot bleiben“

Eine für ihn überraschende und dabei wenig erbauliche Beobachtung hat Patrick Torma schließlich auch gemacht. „Journalistinnen in Nebenrollen sind ganz oft Figuren, die sich ihre Informationen besorgen, indem sie mit den Informationsgebern ins Bett gehen.“ Als Beispiele nennt Torma Filme wie „Nightcrawler“ oder „Thank you for smoking“. 

Dass seine Internetseite nie ein ganz großes Publikum finden wird, weil sich am Ende natürlich im Wesentlichen Journalisten selbst für ihre Darstellung in Filmen interessieren, ist Patrick Torma bewusst. „Es wird ein Nischen-Angebot bleiben, aber das ist für mich völlig in Ordnung.“


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