Tatort Ostfriesland Krimi-Autor Klaus-Peter Wolf findet Figuren im Leben

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Osnabrück. Ein Platz auf der Bestsellerliste ist den Ostfriesen-Krimis von Klaus-Peter Wolf in den letzten Jahren immer sicher gewesen. Mit dem Roman „Ostfriesenschwur“ ist nun der zehnte Fall erschienen. Ein Interview mit Klaus-Peter Wolf.

Ann Kathrin Klaasen, Ermittlerin in Klaus-Peter Wolfs Ostfriesen-Krimis, wohnt wie der Autor selbst in Norden, sogar in derselben Straße. In seiner Wahlheimat, behauptet der Autor, tickten die Uhren ein bisschen anders. Wir sprechen mit dem Autor über ostfriesische Besonderheiten – auch darüber, warum er seine Bücher mit dem Füller schreibt.

Herr Wolf, Sie haben seit 2007 zehn Ostfriesen-Krimis geschrieben – woher kommt dieser ausgeprägte Hang zur Kriminalität?

Ich habe schon als Jugendlicher Kriminalromane geliebt. Hansjörg Martin zum Beispiel und die schwarze Reihe bei Rowohlt. Und ich war immer Simmel-Fan. Im Kriminalroman kann ich die Gesellschaft genau beschreiben. Der Riss, der durch die Gesellschaft geht, auch durch jede einzelne Person. Ich möchte wissen, wann eine Stelle erreicht ist, an der jemand kriminell wird, sodass er eine Grenze überschreitet. Es wird ja keiner geboren und sagt sich irgendwann: „Mensch, ich werde Gangster“. Im Kindergarten wollen die ja noch Tierarzt werden, und 15 Jahre später begehen sie ein schlimmes Verbrechen. Der Weg interessiert mich.

Wie zeichnen Sie diesen Weg?

Ich erzähle oft aus Täterperspektive und aus Opferperspektive. Ich versuche, das Verbrechen als intellektuellen Irrtum zu erzählen. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass die meisten, die etwas Böses tun, selbst davon ausgehen, dass sie etwas Böses tun. Das Böse ist die Perspektive der anderen, und da ist es nachvollziehbar das nackte Böse. Es entschuldigt überhaupt nichts, aber man kann es neutraler sehen. Ich finde, das sind spannende moralische und philosophische Fragen. Für mich sind Kriminalromane überhaupt nichts Triviales. Es reizt mich zu erzählen, was mit uns los ist im Hier und Jetzt.

Polizeidirektor Hans-Jürgen Bremer, Chef der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund, in dessen Revier Ihre Figuren morden und ermitteln, sagt, Ihre Krimis seien „verdammt nah dran an der Realität“. Es gäbe bei der Polizei sogar viele Fans von Klaus-Peter Wolf. Woher kommt diese Nähe?

Ich glaube, dass die Polizisten mitkriegen, dass ich versuche, sie zu verstehen. Sie kommen bei mir nicht als die doofen Bullen vor. Wenn ich schreibe, dass jemand viele Überstunden hat, die er nicht abfeiern kann und deshalb beim Kindergeburtstag fehlt, wird doch offenbar, dass das Verbrechen seiner Familie etwas schuldig ist. Wenn meine Kommissarin an einer bestimmten Stelle angekommen ist, frage ich Polizisten, was sie in der Situation tun würden, und ich erzähle ihnen, was ich meine Ermittler tun lassen möchte. Oft höre ich dann, dass meine Gesprächspartner auch gerne so handeln würden, wenn die Dienstvorschriften sie nicht daran hinderten. Genau diesen Widerspruch kann ich dann beschreiben - zwischen dem, was richtig wäre, und dem, was man darf. Bremer hat schon mal gesagt, er müsste manchmal gegen meine Kommissarin Ann Kathrin Klaasen ein Disziplinarverfahren einleiten.

Sie sagen, alle Orte und Personen in Ihren Geschichten seien real, lediglich Mörder, Opfer und Taten seien erfunden. Woher haben sie Rupert, Ihren mit derbem Humor gesegneten Hauptkommissar, der immer für einen frauenfeindlichen Spruch gut ist?

Den Rupert gibt es eigentlich überall. Den hat jede Versicherung. Und alle Leute sagen, ich kenne den. Jetzt war ich gerade in der Schweiz für eine Lesung. In einem Schweizer Lehrerzimmer steht ein Lehrer am Kopierer, der nicht funktioniert, und da tritt er dagegen. Und schon sagt ein Lehrer zu mir: „Herr Wolf, das ist unser Rupert.“ Rupert ist der Mann, der uns eine Krise des männlichen Rollenbildes vorführt. Rupert sucht sich männliche Vorbilder, die nicht mehr funktionieren, er hat aber auch noch keine neuen. Es ist doch so, dass viele Rollen, die heute noch im Fernsehen angeboten werden, überhaupt nicht mehr funktionieren. Oft mündet das in Gewalt. Meine Ermittlerin Ann Kathrin und ihre ostfriesische Truppe sind mit einer gewissen Intelligenz im Leben unterwegs und suchen und gehen ganz andere Wege.

Ann Kathrin Klaasen zeigt ja viel mehr Persönliches und verrennt sich auch mal. Sie wohnt wie Sie in Norden, sogar in derselben Straße. Steckt ausgerechnet in ihr viel von Klaus-Peter Wolf?

Ja, ganz bestimmt. Sie ist auch zum selben Gymnasium in Gelsenkirchen gegangen wie ich. Sie hatte sogar die gleichen Lehrer. Sie ist geprägt durch eine Ruhrgebietskultur, die sie mit nach Ostfriesland genommen hat. Ins Ruhrgebiet sind ja viele Menschen gekommen, weil‘s da Arbeit gab. Das ist so ein Schmelztiegel. Im Bergbau war jeder auf den anderen angewiesen. Konkurrenz im Berufsleben funktioniert da nicht. Diese Art des Zusammenhalts, durch Außenbedingungen erwirkt, hat mich selbst auch geprägt. Diese Menschen würden nie nach unten treten, machen nie Witze nach unten. Dafür sind sie aber sehr hart mit denen da oben. Meine Hörbücher lese ich ja selbst im Studio ein. Ich liebe es dann, in diese Rollen zu schlüpfen.

Ihre Sympathie für Protagonisten, die sich nicht sklavisch an die Regeln halten, ist deutlich spürbar. Im wahren Leben würde das den Akteuren vermutlich jede Menge Ärger einbringen. Ist der Autor seinen Figuren da besonders nah?

Ja, genau so ist das. Regeln sind für Menschen gemacht, damit das Zusammenleben funktioniert. Aber manchmal entwickelt sich das Zusammenleben schneller als die Regeln. Alle Regeln, die wir hatten, waren zum Beispiel nicht aufs Internet ausgelegt. Jetzt kommen wir nicht mehr vorwärts mit den alten Regeln, sie hecheln der Wirklichkeit hinterher. Deshalb müssen wir sie manchmal überschreiten, wenn wir in ihrem Sinne handeln wollen, weil sie noch nicht angepasst sind an die neue uns umgebende Wirklichkeit. Zum Beispiel diese Geschichten im Internet, dass jeder anonym Rufmord begehen kann. Wenn man feststellen möchte, wer das war, stößt man schnell an die Grenzen der Datenschutzregeln. Das führt dazu, dass sich Täter verstecken können. Das wird nicht so bleiben, aber wir sind nicht so schnell. Genau da möchte ich ansetzen mit dem Erzählen. Autoren müssen ja nicht schon Antworten haben, aber Fragen stellen.

Haben angesichts der großen Nähe des Autors zu seinem Werk eigentlich schon mal Fans vor Ihrer Tür im Distelkamp in Norden gestanden?

Klar. Ich kann Ihnen immer sagen, wann in Nordrhein-Westfalen die Sommerferien begonnen haben. Meistens leihen sie sich Fahrräder aus, und dann gibt es sogar eine App, die sie zu den Schauplätzen meiner Krimis führt. Damit fahren die Leute rum. Natürlich kommen sie in den Distelkamp, und einige klingeln auch. Manche fotografieren das Haus. Andere haben ein Buch von mir in der Hand und fragen nach einem Autogramm. Und dann gehen die wieder. Das wird nicht lästig. Sie wollen ihren Autor halt mal sehen. Ich wollte immer ein Volksschriftsteller werden. Das war früher ein verpöntes Wort. Es gab ja Gruppen elitärer Autoren, die meinen, dass derjenige der beste ist, der am wenigsten gelesen wird. Wenn ich jetzt losgehe und mir eine Currywurst kaufe, und die Frau, die da arbeitet, sagt, ihr gefällt der Roman, finde ich das gut. Der alte Max von der Grün hat mal zu mir gesagt, es muss so sein, dass der Professor dich liest und seine Putzfrau kann ihm schon den Schluss erzählen vom Buch. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Sprache. Ich würde zum Beispiel nie „relevant“ schreiben, sondern ich schreibe „wichtig“. Wenn ich „relevant“ schreibe, will ich doch bloß sagen, dass ich gebildet bin. Ich will keine Bildung vorführen, ich will meine Leute unterhalten. Es gibt Autoren, die schreiben für ein paar Kritiker, ihren Deutschlehrer und ihre Mama. Dann wundern sie sich, dass das keiner liest. Da bleibt man doch auf der Seite fünf stecken und hat keine Lust mehr.

Sie sind mittlerweile Stammgast auf der „Spiegel“-Bestseller-Liste. Für Ihr neuestes Werk haben Sie Ihren Fans sogar eine Bestsellergarantie versprochen ...

Das war mein Verlag, das war ich nicht (lacht). Kann aber schon sein, dass sie da gewisse Hinweise durch die Vorbestellungen haben. Und sicher erinnern sie sich auch noch daran, dass wir beim letzten Buch mit einer Auflage von 120.000 gestartet sind und ein paar Tage später ziemlich aufwändig nachdrucken mussten. Vom ersten Krimi, dem „Ostfriesenkiller“, haben wir gerade mal 11.000 Exemplare verkauft. Bei jedem Buch hat sich dann die Auflage durch Flüsterpropaganda verdoppelt, und der sechste Krimi, „Ostfriesenangst“, startete dann auf Platz 10 der Bestseller-Liste. Dann erschien „Ostfriesenmoor“, der auf Platz 2 startete. Der nächste war „Ostfriesenfeuer“, der gleich auf 1 ging, dasselbe geschah mit „Ostfriesenwut“. Der neue Roman startet mit 180.000, da wird mir schon schwindlig.

Das war nicht immer so. Sie sollen als junger Familienvater auch schon mal aus Geldmangel Windeln und Babynahrung im Supermarkt geklaut haben...

Habe ich gemacht, das ist die ganze Wahrheit. Das waren keine schönen Zeiten. Ich hatte damals sogar mal eine Einladung zu einer Autorenlesung, nicht etwa, weil man mich haben wollte, sondern weil einer krank geworden war, für den ich einspringen sollte. Ich sollte 200 Mark dafür bekommen, ein irres Geld. Ich hatte aber keinen Sprit fürs Auto. Ich war verzweifelt. Ich habe dann den Präser-Automaten an einer Tankstelle geknackt und mit diesem Geld den Sprit bezahlt. Ich bin übrigens zu dieser Tankstelle zurückgekehrt und habe von meinem Honorar den Schaden beglichen. Ich habe gesagt, mir sei der Automat kaputtgegangen, und da sei mein Geld drin gewesen. Die haben mich schon ein bisschen komisch angeguckt.

Wie denken Sie heute darüber?

Die Phasen sind zum Glück vorbei. Aber heute profitiere ich davon, dass es so war. Ich weiß, wie sich einer fühlt, wenn es klingelt, und es soll gepfändet werden. Das hat mich bei der Erzählung meiner Figuren geprägt. Es sorgt dafür, dass man nicht abhebt und nicht den Respekt verliert vor Leuten, die am Boden sind. Ich war 26 Jahre alt und hatte 2,7 Millionen Mark Schulden, weil ich mit einem Verlag pleite gegangen bin. Ich habe da schon Serien für den Stern geschrieben, aber ich hatte kein Konto, auf das der Stern mir das Honorar hätte überweisen können. Ein bisschen gerettet hat mich, dass ich damals fürs Fernsehen Serien schreiben konnte. Ich habe bestimmt 150 Stunden Fernsehen produziert.

Sie haben ja insgesamt eine ziemlich bewegte Lebensgeschichte. Im Westerwald haben Sie einst Luftballons als Protest gegen militärische Tiefflüge steigen lassen und waren danach auf Einladung von Michael Gorbatschow beim Moskauer Friedensforum ....

Ja, und das hat übrigens funktioniert. Damals gab es ja keine E-Mail. Nach der Luftballon-Aktion bekam ich ein Telegramm von Michail Gorbatschow und dem Schriftsteller Tschingis Aitmatow. Ich glaube, es hatte 373 Worte. Die Postbotin aus unserer kleinen Filiale in dem Dorf im Westerwald kriegte aus Moskau einen Anruf, sie war ganz aufgeregt. Ich dachte, dass jemand, der mich kennt, gerade in Moskau ist und seine letzten Rubel für einen kleinen Scherz ausgibt. Ich habe als erstes Max von der Grün angerufen. Der hatte auch so ein Telegramm gekriegt. Günter Wallraff und Bernt Engelmann hatten es auch. Dann sind wir gemeinsam hingeflogen. Im Flugzeug waren noch Friedrich Dürrenmatt und Max Frisch. Das war zwei Jahre vor dem Fall der Mauer, aber da konnte man schon merken, das ist alles Schnee von gestern. Ich wurde nach der Rückkehr gefragt, wie wir angesichts der Mauer an so etwas teilnehmen könnten, da habe ich gesagt, „ach, die Mauer, die steht bald im Museum“. Mich haben daraufhin Schulen ausgeladen, weil sie meinten, dass ich so einen Blödsinn nicht mit deren Zehntklässlern diskutieren solle. Das waren Momente, in denen man gemerkt hat, dass die Welt nicht so bleibt, wie sie ist, und was passiert? Ich durfte am Gymnasium nicht mehr meine Bücher vorlesen.

Sie schreiben Ihre Romane mit der Hand in einen Block und nehmen für jedes Buch einen neuen Füller. Warum benutzen Sie keinen Computer?

E-Mails schreibe ich schon am Computer. Wenn ich aber Literatur mache, ist das ein Privileg. Man muss sich das als Glücksmoment vorstellen. Wenn es so weit ist, dass ich es tun kann, dann habe ich eine Tasse Tee dabei und ein bisschen Marzipan und eben den Block. Wie Kinder, die spielen, bin ich dann sehr glücklich. Nach einer Weile habe ich das Gefühl, ich schreibe das gar nicht mehr, sondern lese es mir selbst vor, der Füller schreibt. Ich habe das Gefühl, ich empfehle mir selbst eine spannende Geschichte. Wenn ich in eine andere Figur gehe oder die Perspektive wechsele, nehme ich manchmal eine andere Tinte oder wechsele den Füller. Der einzige Luxus, den ich mir beim Arbeiten sonst leiste, ist, dass ich seit 30 Jahren dieselbe Sekretärin habe. Annette Liebrenz schreibt das dann ab, sie organisiert auch meine Lesereisen.

Im „Ostfriesenschwur“ lassen Sie einen Journalisten und einen zwangsversetzten Polizeichef sagen, sie hätten längst kapiert, dass die Uhren in Ostfriesland anders ticken. Wie ticken sie denn?

Das Erste, was mir hier aufgefallen ist, war, dass die Ostfriesen so eine ruhige Gelassenheit an den Tag legen, was sich in dem Spruch gut fassen lässt: Hauptsache, der Deich hält. Vor diesem Problem wird alles andere klein. Und wenn man aufs Meer schaut, relativiert das manches. Dieses Unaufgeregte in diesen aufgeregten Zeiten, das gefällt mir. Man kennt sich hier. Diese Anonymität der Großstadt, von der so viele Krimis leben, gibt es hier nicht. Dadurch dass wir an der Küste leben und im Sommer so viele Touristen kommen, bleibt so eine Kerntruppe hier, die den Wahnsinn dieser Welt immer so ebbe- und flutmäßig über sich hereinbrechen und wieder weggehen sieht. Sie leben ja auch davon, bleiben aber in ihrer Ruhe. Und irgendwie ist auch alles weit weg: die Landeshauptstadt und Berlin, das findet hier nicht so direkt statt.

Sie pflegen einen engen Kontakt zu ihren Fans. Was hören Sie bei Lesungen am häufigsten?

Dass Leute Angst haben, dass ich bestimmtes Personal aus meinen Krimis umbringen werde. Mir schreiben Leser, dieser Rupert sei ja eine schreckliche Person, aber ich möge ihn bitte nicht umbringen, er mache meine Bücher so bunt. Als der Polizeichef Ubbo Heide ein Messer in den Rücken bekommt, schrieben mir hunderte Leser, er dürfe nicht aus der Reihe verschwinden. Da wurde mir klar, dass diese Person für sie der Vater ist, den sie gerne gehabt hätten, oder der Chef, den sie gerne hätten. Dann habe ich den zwar pensioniert, aber eine wirkliche Autorität verliert man ja nicht mit der Abgabe des Dienstausweises. Das heißt, die Figuren holen sich weiter von ihm Rat. Und dann gibt es eine Szene im Buch, in der er, obwohl er längst pensioniert ist, einen Polizei-Hubschrauber anfordert. Ich bin davon überzeugt, dass das bei einer solchen Persönlichkeit auch im wahren Leben funktionieren würde.

Ein abgetrennter Kopf in Cuxhaven, ein Rumpf auf Wangerooge, beides nicht von derselben Leiche. Sie gehen ganz schön zur Sache im „Ostfriesenschwur“. Wie kommen Sie auf so etwas?

Ja, das stimmt, da geht’s zur Sache. Ich gehe nicht von der Tat aus, ich gehe von den Figuren aus und versuche, sie unter den größtmöglichen Druck zu setzen. Wenn Sie eine Figur mögen, und sie gerät unter großen Druck, dann entsteht für den Leser Spannung. Ich muss mir immer was einfallen lassen, was zu der Figur passt. Der pensionierte Polizeichef wird nun mit den Fehlern der Vergangenheit konfrontiert. Und das beginnt eben mit einem Kopf auf seinem Frühstückstisch.

Ann Kathrin ermittelt im „Ostfriesenschwur“ auf Wangerooge und auf Langeoog. Wird Ostfriesland weitere Leichen bekommen?

Hinten im neuen Buch sind immer die ersten Seiten vom nächsten Roman. Das ist auch im Ostfriesenschwur so. Wenn ich den letzten Satz schreibe, werde ich traurig. Das ist so ein Gefühl, als sei die Party vorbei. Deshalb zögere ich den letzten Satz immer so lange heraus, bis ich den Anfang der neuen Geschichte weiß, und liefere das auch so im Verlag ab. Die drucken dann auch die ersten fünf bis zehn Seiten vom neuen Roman. Ich muss den dann auch schreiben. Ein Versprechen an meine Leser und an mich selbst.

Wohin geht’s im nächsten Krimi?

Ich bleibe natürlich in Ostfriesland. Langeoog spielt eine Rolle, und noch eine andere Insel, wo ich mich noch nicht so richtig entschieden habe. Eine Figur spielt mit, die von sich sagt, sie sei inselsüchtig. Das Wort gefällt mir. Die Inseln freuen sich, wenn sie vorkommen. Oje, jetzt reden wir schon über „Ostfriesentod“, dabei ist „Ostfriesenschwur“ gerade erst erschienen.

Klaus-Peter Wolf

wird am 12. Januar 1954 als Kind einer Friseurin und eines Lkw-Fahrers in Gelsenkirchen geboren und wächst dort auch auf. Schon mit acht Jahren will er Schriftsteller werden und veröffentlicht bereits als Schüler seine Geschichten. Seit 2003 lebt der freie Schriftsteller und Drehbuchautor in Norden (Ostfriesland). Dort wendet er sich seiner Leidenschaft, dem Kriminalroman zu. Seinen Fans gilt die zehn Romane umfassende Ostfriesen-Krimi-Reihe (Fischer Verlag) als Kult. Bücher von Klaus-Peter Wolf werden in 24 Sprachen übersetzt und über zehn Millionen Mal verkauft.

Für sein Drehbuch zum Fernsehfilm „Svens Geheimnis“ erhält Wolf 1996 den Rocky Award für best made TV-movies (Kanada) und den Erich-Kästner-Preis (Berlin-Babelsberg) sowie zwei Jahre später den Magnolia Award Shanghai für das beste internationale Drehbuch. Den Anne-Frank-Preis bekommt er 1985 für Buch und Film „Die Abschiebung“ (Amsterdam). Wolf ist da gerade in Nicaragua, um zur Zeit des Contra-Kriegs am Aufbau einer Druckerei zu arbeiten. Er gehört zum Erneuererflügel der DKP, aus der er 1986 enttäuscht austritt.

Fürs Fernsehen schreibt Wolf Psychothriller und Kriminalfilme, unter anderem für „Tatort“ und „Polizeiruf 110“. Bei seinen Lesungen schlüpft Wolf in die Rollen seiner Akteure und inszeniert sie. Wolf ist mit der Liedermacherin Bettina Göschl verheiratet. Mit ihr und einer seiner beiden Töchter aus erster Ehe, Maxi Wolf, produziert Wolf CDs für Kinder.


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