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Die Radio-Legenden Günther Koch und Manfred Breuckmann zur Bundesligakonferenz „Tor in Bremen!“

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Osnabrück. Seit gestern Abend rollt er wieder: der Ball in der Ersten Bundesliga. Und wenn heute Hannover 96 auf 1899 Hoffenheim und Werder Bremen auf den 1. FC Kaiserslautern treffen, dann werden diese Spiele nicht nur Menschen vor die Fernseher locken, sondern auch vors Radio. Denn die ARD-Bundesligakonferenz gehört seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Sportsendungen im deutschen Radio.

„Tor in Hannover!“ Ertönt dieser Schrei, ist das Interesse des Zuhörers am Radio garantiert. Denn wer hat getroffen? 96 oder die gegnerische Mannschaft? Und was passiert eigentlich gerade im Weserstadion? „Die Konferenz ist das Größte. Und genau dieses Unmittelbare und Gleichzeitige macht ihren Reiz aus“, sagt Günther Koch im Gespräch mit unserer Zeitung. Der ehemalige Moderator des Bayerischen Rundfunks hat für sie von 1978 bis 2006 aus den Stadien berichtet.

Besonders am Samstagnachmittag gehört die Konferenz zum Pflichtprogramm vieler Fußballfans. Rund 9,7 Millionen hören laut ARD regelmäßig zu – und das, obwohl die Spiele zeitgleich auf dem Pay-TV-Sender Sky gezeigt werden, auf diversen Live-Tickern im Internet verfolgt werden können und die ARD-„Sportschau“ später Ausschnitte aus den Begegnungen zeigt.

„Es ist die letzte Domäne einer Live-Reportage im Radio, die es noch gibt“, erklärt sich Manfred „Manni“ Breuckmann den Erfolg der Sendung. „Zudem ist diese Dramaturgie einfach nicht zu toppen.“ Breuckmann gehörte wie Koch zu den beliebtesten und bekanntesten Sportmoderatoren in Deutschland. Geboren 1951 in Datteln, war er von 1982 bis Ende 2008 Reporter der Sendung.

Diese splittet sich in zwei Teile auf: die Halbzeitkonferenz, die samstags pünktlich um 16.08 Uhr startet, und die um 16.55 Uhr beginnende Schlusskonferenz. Übertragen wird sie deutschlandweit, unter anderem von NDR 2, WDR 2, Bremen Eins, Bayern 1, SWR 1 und MDR info.

Doch auch sonntags wird übertragen, wenn auch nicht auf allen Kanälen. Beginn ist dann um 18.12 Uhr oder 19.12 Uhr. Erfunden hat die Sendung der WDR-Hörfunk-Moderator Kurt Brumme pünktlich zum Start der deutschen Bundesliga 1963. Seitdem wird sie aus Köln gesteuert.

„Ein paar Tage vorher wird eine genaue Reihenfolge erstellt, wann welcher Reporter berichtet“, erklärt Breuckmann. In Köln steht ein Schaltpult, jedes Spiel hat einen eigenen Regler, und falls nichts auf dem Feld passiert, wird die Reihenfolge auch eingehalten. Ertönt dann jedoch „Tor in Bremen“, wird blitzschnell der Regler dieses Spiels hochgedreht. „Und dann wird es kniffelig, denn sowohl die Regie muss danach genau wissen, bei welchem Spiel es planmäßig weitergeht, genau wie der Reporter aus Bremen, der zum betreffenden Spiel überleiten soll“, sagt Breuckmann.

Im Gegensatz zu heute kamen früher nicht alle Spiele in die Konferenzschaltung, sondern nur vier. Bei den restlichen wurden die letzten vier Minuten auf Band aufgezeichnet und dann nacheinander abgespielt, erzählt Breuckmann „Dauerte das zu lang, wurde das Spiel dann von der Redaktion auch mal ausgeblendet mit Worten wie ,Es blieb beim 1:1‘.“

Die Begegnungen wurden in wichtige und weniger wichtige eingeteilt, Letztere kamen dann nicht in die Konferenzschaltung. „Problematisch wurde es, wenn Erstere sich als strunzlangweilig entpuppten und Letztere als dramatisch“, sagt Breuckmann und lacht. „Auch die Langeweile kann ihren Reiz haben“, findet hingegen Koch.

Die Reporter sind auch gehalten, sich kurz zu fassen, besonders, wenn ein Spiel entschieden ist. Aber das sei nicht jedem gelungen, bedauert Breuckmann. „Es gibt halt Profilneurotiker, die meinen, sie berichteten vom wichtigsten Spiel des Tages, und die den anderen dann im wahrsten Sinne des Wortes die Zeit stehlen.“ Und was tut man dagegen? „Nun, das Interesse wieder aufs eigene Spiel lenken, mit einem eingeworfenen ,Freistoß in Duisburg‘ oder ,Jetzt wird es aber gefährlich hier‘.“

Ähnliche Tipps hat auch Koch, der meint, dass „die Reporter aus Bayern es etwas schwerer haben. „Der WDR sitzt in Köln, und die Spiele aus dem Westen werden deshalb als wichtiger beurteilt.“ Er habe dann „auch mal die Regie überhört, wenn es die Situation verlangte“.

Doch wie ist sonst das Verhältnis der Moderatoren untereinander? „Es gibt einige, die habe ich nie persönlich kennengelernt“, erzählt Breuckmann. Doch einen hat er kennengelernt: Günther Koch. Seit dem gestrigen Saisonbeginn sind beide auch wieder Kollegen, jetzt jedoch beim Internet-Radio „90elf“. Hier werden nicht nur die letzten Minuten der Halbzeiten übertragen, sondern das gesamte Spiel. „Ich denke, dass auch die Bundesligakonferenz auf kurz oder lang dasselbe machen wird“, ist sich Koch sicher. Breuckmann sieht die Entwicklung ähnlich, denn „dieser Livefaktor gepaart mit der Zeit ermöglicht erst die ganz großen Fußball-Reportagen“.


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