Kärnten-Krimi bei Arte Arte zeigt starken österreichischen Landkrimi

Wollen den Fall lösen:
               Chefinspektor Heinrich Plöschberger (Simon Hatzl) und Susanne Kert (Ines Honsel), die Leiterin eines Heims für Schwererziehbare. Foto: ARTE/ORF/Graf Film/Toni MuhrWollen den Fall lösen: Chefinspektor Heinrich Plöschberger (Simon Hatzl) und Susanne Kert (Ines Honsel), die Leiterin eines Heims für Schwererziehbare. Foto: ARTE/ORF/Graf Film/Toni Muhr

Osnabrück. Im deutschen Fernsehen ist der Regionalkrimi längst zu einem beliebten Subgenre geworden. Auch der ORF ist erfolgreich mit dem „Landkrimi“. Arte zeigt mit „Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist“ eine Perle der österreichischen Reihe. Darsteller Simon Hatzl sprach mit unserer Redaktion über den Film.

„Ein guter Polizist hat keine Freunde.“ So lautet das Motto von Chefinspektor Plöschberger aus Klagenfurt. Er wird nach Hüttenberg im Bundesland Kärnten gerufen, als dort die Leiche der Dorfschönheit Renate Prantl in einem Schacht gefunden wird. Für die ortsansässigen Polizisten ist er sogleich das Arschloch aus der Stadt mit dem Diktiergerät in der Hand, das den Dorfdeppen erst einmal zeigt, wie man ordentlich ermittelt.

„Bei der Figur Plöschberger hat mir gefallen, dass er seinen Job wahnsinnig gern macht“, erzählt Schauspieler Simon Hatzl. „Der will niemanden fertigmachen, sondern das passiert automatisch, weil er das Dorf auf den Kopf stellt und unter jedes gehäkelte Deckchen schaut auf der Suche nach einem Puzzlestück zur Lösung des Falles.“

Beim ersten Casting sprach Hatzl noch nicht dezidiert für diese Rolle vor. Es ging eher um die Frage, ob er als gebürtiger Steirer den Kärnter Dialekt gut genug beherrscht, denn die „Landkrimi“-Reihe lebt vorrangig vom Lokalkolorit der Episoden.

Ohne hochdeutsche Untertitel

„Ich hatte das Kärntnerisch von einigen Theaterproduktionen dort noch im Ohr, hatte mir aber nie angemaßt, das nachzuäffen, denn das hat ein Dialekt nicht verdient“, findet Hatzl. „Zwei Tage vorm Casting habe ich mit einem Freund aus Kärnten geübt und vor dem Dreh noch einmal mit Sprachcoach Susi Stach.“

Im Gegensatz zu manchen Produktionen aus der Schweiz etwa zeigt Arte „Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist“ ohne hochdeutsche Untertitel – trotzdem dürften Nicht-Kärntner problemlos in der Lage sein der Handlung zu folgen. Im Mittelpunkt steht Dorfpolizist Muck, dem es geradezu körperliche Schmerzen zu bereiten scheint, gegen seine Freunde zu ermitteln. Aber, wie Plöschberger ihm einschärft: Ein guter Polizist hat keine Freunde. Stilistisch besticht Andreas Prochaskas Film vor allem durch die schrulligen, aber nicht überzogenen Charaktere und die tollen Landschaftsaufnahmen.

„Das Bundesland Kärnten ist so gut wie pleite“, erzählt Simon Hatzl über den Drehort. „Zu Hüttenbergs Blütezeit wurde dort Erz abgebaut. Mittlerweile ist das ein Ort, der dir vor den Augen zerfällt - übrigens der Geburtsort von Bergsteiger Heinrich Harrer, was aber auch nicht hilft den Tourismus anzukurbeln. Vielleicht trägt ja unser Film dazu bei.“

Typisch deutsch, typisch österreichisch

Hatzl selbst lebt bereits seit einigen Jahren in Hamburg und hat in zahlreichen Produktionen in Deutschland und Österreich mitgespielt. Gibt es typische Eigenheiten hier und dort? Hatzl ist vorsichtig mit solchen Klischees:

„Ich möchte das nicht gegeneinander ausspielen. Sagen wir mal so: Eine deutsche Produktion ist straffer organisiert - wenn da etwas so ist, dann ist das auch so. Die ‚österreichische Lösung‘ hat eine größere Durchlässigkeit im Drehplan und in der künstlerischen Arbeit. Beides hat Vor- und Nachteile.“

Künstlerisch ist „Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist“ in der Tat sehenswert. Simon Hatzl ist aber auch gespannt auf die französisch synchronisierte Fassung, die bei Arte France gezeigt wird: „Der Trailer, den ich gesehen habe funktioniert erstaunlich gut,“ berichtet er. Bei allem Lokalkolorit ist der „Landkrimi“ eben auch ein Krimi und damit universell verständlich.

Vom Streifenpolizisten zum Major

Zur Zeit dreht Hatzl wieder für eine Krimireihe, SOKO Donau . „Ich habe schon sehr viele Polizisten gespielt,“ lacht er. „Vom Streifenpolizisten habe ich mich bis zum Major ‚hochgearbeitet‘.“ Auf der Berlinale im Februar ist zudem „Agonie“ mit ihm zu sehen, der Debütfilm des Nachwuchsregisseurs David Clay Diaz.

„Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist“ zeigt Arte heute um 20.15 Uhr, Wiederholung Dienstag, 26. Januar, um 1.05 Uhr. Die bisherigen, mit Josef Hader, Franziska Weisz oder Tobias Moretti prominent besetzten Teile der „Landkrimi“-Reihe sind zudem auf DVD erschienen.


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