„Böser Wolf“ als Zweiteiler Tabu-Thema Kindesmissbrauch im ZDF-„Taunuskrimi“


Osnabrück. Nele Neuhaus-Krimis sind erfolgreich. Kein Wunder also, dass ihre Bücher auch verfilmt werden. „Böser Wolf“ ist die sechste Verfilmung in der Reihe „Taunuskrimi“ im ZDF. Diesmal als Zweiteiler, diesmal gelungen. Im Gespräch mit unserer Redaktion verrät die Autorin, warum auch sie dieser Meinung ist.

Der 2012 von Nele Neuhaus erschienene Krimi über Kindesmissbrauch ist anders als seine Vorgänger. Der Stil orientiert sich eher an amerikanischen Thrillern. Findet auch die Verfasserin. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagt sie: „Das Amerikanische an dem Krimi ist, das alles etwas schneller vorangeht. Es ist düsterer. Die Sätze sind kürzer. So entsteht Tempo.“

Grausige Geschichte

Auch die filmische Umsetzung nach Motiven des Buches unterscheidet sich von den vorangegangenen fünf Folgen. Regisseur Marcus O. Rosenmüller und Drehbuchautorin Anna Tebbe bekommen diesmal mit 180 Minuten das Doppelte an Zeit, um der knapp 500 Seiten umfassenden Vorlage gerecht zu werden. Und diese Zeit nutzt der Film, um stringent und mit sich stetig steigernder Spannung eine grausige Geschichte zu erzählen. Privates der Polizisten bleibt weitgehend außen vor. Alles ist dem Vortrieb der Handlung untergeordnet.

(Hier gibt es einen Trailer zum Film)

Nicht immer zufrieden

Mit den Verfilmungen ihrer Bücher war Frau Neuhaus bisher nicht immer zufrieden. „Es ist ein zweischneidiges Schwert. Es ist natürlich gerade bei einem 90-Minüter unmöglich, 500 Seiten in einen Film zu kriegen. Die Dramaturgie muss komplett anders sein. Dies ist einem als Autor bewusst. Schwierig finde ich es, wenn der Drehbuchautor versucht, seine eigene Handschrift mit einzubringen. Bei „Schneewittchen muss sterben“ war es so, dass es am Ende einen anderen Mörder gab als in meiner Romanvorlage. Das war einfach enttäuschend. Seitdem arbeite ich enger mit den Filmemachern zusammen. Film funktioniert anders als Buch. Mittlerweile haben die Drehbuchautoren Respekt vor meinen Büchern. In 180 Minuten ist es jetzt möglich, den Film noch näher am Roman zu belassen. In dieser Hinsicht wird diese Verfilmung meinen oft sehr kritischen Lesern Freude machen. Gerade der zweite Teil ist der Knaller.“

Hervorragend besetzt

Der Zweiteiler punktet nicht nur mit einer gelungenen Erzählweise, sondern auch mit einer hervorragenden Besetzung. Jürgen Tarrach, Natalia Wörner, Harald Schrott oder Michael Mendl übernehmen die wichtigen Episodenrollen. Felicitas Woll und Tim Bergmann geben wieder das Ermittlerduo Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein. Zwei Rollen, bei denen sich Nele Neuhaus eigentlich andere Akteure vorgestellt hatte.

Lieber Sittler und Loos

„Die Nebenrollen in den Taunuskrimis sind immer gut besetzt. Michael Mendl als Joseph Finkbeiner im neuen Film hätte ich mir beim Schreiben nicht besser vorstellen können. Mit den beiden Hauptdarstellern hatte ich zuerst ein Problem – nicht dass sie nicht gut spielen würden, das tun sie – aber in meinen Büchern sind die Kommissare schon ein bisschen älter. Ich hätte mir da eher Walter Sittler und Anna Loos vorgestellt... Aber letztlich gebe ich ja mein Einverständnis zu den Verfilmungen und muss das so akzeptieren. Es ist schließlich eine große Ehre, verfilmt zu werden.“

Tabuthema

In „Böser Wolf“ wird das Thema Kindesmissbrauch behandelt, das Nele Neuhaus als Schirmherrin des „FeM Mädchenhauses“ in Frankfurt besonders am Herzen liegt. Enttäuscht hingegen zeigt sich die Autorin von den Reaktionen auf ihr Buch. „Ich hatte mir ein bisschen erhofft, dass das Thema mehr öffentlich diskutiert wird. Aber auf meiner ganzen Lesereise nach Erscheinen des Romans ist es eigentlich totgeschwiegen worden. Ein paar Journalisten haben eher oberflächlich gefragt. Kindesmissbrauch ist einfach ein Tabuthema. Als soziales Problem ist es in Deutschland nicht akzeptiert, davon möchte keiner etwas hören. Ich war erstaunt und auch ein bisschen enttäuscht, denn ich hatte mir mehr Aufmerksamkeit für das Thema gewünscht. Vielleicht gelingt es dem Film, das Thema wieder mehr in den Fokus zu rücken. Es ist leider immer aktuell.“

Packende drei Stunden

Ob dies dem Film gelingen wird, bleibt Spekulation. Sicher ist, dass die knapp drei Stunden den Zuschauer packen. Im ersten Teil der in den „wohlhabenden Schichten“ angesiedelten Handlung („Das liegt daran, dass man im Krimi eine gewisse Dramaturgie und Fallhöhe erzeugen muss, damit es interessant ist. Es klingt blöd, aber der Briefträger ist eben nicht so spannend wie der Konzernchef, der im Leben schon etwas erreicht hat, und dadurch viel tiefer fällt, wenn er sich etwas zu Schulden kommen lässt.“) wird dem Betrachter das reichhaltige Personal des Films näher gebracht.

Perfides Ausmaß

Zu Beginn haben es Kirchhoff und von Bodenstein „nur“ mit einer nicht zu identifizierenden Mädchenleiche im Main zu tun. Doch im weiteren Verlauf kommen die Ermittler einer organisierten Kriminalität im Bereich Kindesmissbrauch auf die Spur, dessen Ausmaße an Perfidie sie nicht für möglich gehalten hätten. Das alles wird in verschiedenen Erzähl- und Bildebenen vermittelt. So sind einige Sequenzen in Schwarzweiß gehalten, in denen Details aber rot eingefärbt wurden.

„Prävention extrem wichtig“

„Böser Wolf“ behandelt ein hierzulande immer noch tabuisiertes Thema. Damit es nicht auch in Zukunft aktuell ist, muss Aufklärung betrieben werden. Nele Neuhaus: „Prävention ist extrem wichtig. Schon in den Schulen. Und dass alle aufmerksam sind. Was passiert da gerade im Nachbarhaus? Ist das noch normales Kindergeschrei, oder schon etwas, das Anlass zur Sorge gibt?“

Böser Wolf

Teil 1: Montag 11. Januar, 20.15 Uhr, ZDF

Teil 2: Dienstag 12. Januar, 20.15 Uhr, ZDF


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