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Dirk Stermann und Prominente im NDR Pizza, Pasta, Party: „Die Geschichte eines Abends“ im NDR


Osnabrück. „Die Geschichte eines Abends“, das kulinarisch-kreative Talkformat des NDR mit Dirk Stermann, geht in die zweite Runde. Am 9. Januar plaudert der Moderator mit Linda Zervakis, Carolin Kebekus, Ralf Richter und Roberto Blanco bei Pizza und Pasta.

Textsicher sind „Tagesschau“-Sprecherin Linda Zervakis und Comedian Carolin Kebekus nicht. Dabei wird ihnen und Moderator Dirk Stermann der Text zu Pharrell Williams Hit „Happy“ auf einer Leinwand gezeigt. In der Thai Oase, einer Hamburger Kult-Karaoke-Bar, wippen sie zum Takt der Musik und flöten ab und an ein schnelles „Happy“ ins Mikrofon, bevor sie wieder ins Lachen verfallen. „Was um Himmels willen hat mich an diesen Ort gebracht“, fragt Dirk Stermann aus dem Off, der genauso textunsicher wie die beiden Fernsehfrauen vor der Leinwand steht. Die Antwort folgt nur wenige Sekunden später.

Schnitt. Szenenwechsel. Der Norddeutsche Rundfunk hat wieder zum Essen, Trinken und Plaudern eingeladen. „Die Geschichte eines Abends“ nennt sich das Format, das im Januar vergangenen Jahres Premiere feierte. Und dieser Abend beginnt nicht in der Thai Oase, sondern in einem gemütlichen Gastlokal in St. Pauli. Kerzen sind vor und in der Wohnküche verteilt, in die Gastgeber Dirk Stermann zum zweiten Mal geladen hat. Freunde der österreichischen Fernsehlandschaft kennen den gebürtigen Duisburger vor allem aus der Late-Night-Show „Willkommen Österreich“. Seit Ende der 80er-Jahre arbeitet er gemeinsam mit seinem Kollegen Christoph Grissemann für den ORF. Bei seinem kulinarisch-künstlerischen Experiment für den NDR sitzen neben ihm, Linda Zervakis und Carolin Kebekus auch Schauspieler Ralf Richter und Sänger Roberto Blanco am Tisch.

Talk ohne Regeln

Ein „anarchisches Talkformat“ nennt der NDR die 45-minütige Runde, die 2015 für den Grimme-Preis nominiert wurde. Tatsächlich verlaufen die Gespräche ohne jene Regeln und Wiederholungen, die man aus gängigen Talkshows kennt. Bei Pizza, Pasta, Kerzenschein und gutem Wein lässt es sich gelöster plaudern als auf den roten oder blauen Sesseln mancher Fernsehstudios. So erfährt der Zuschauer zu Beginn, dass Dirk Stermann seine Bräune einem Urlaub in Apulien zu verdanken hat und Carolin Kebekus bei einem Saunabesuch mit Honig-Salz-Aufgüssen zum ersten Mal Ralf Richter begegnete.

Mit kleinen Zwischenfragen leitet Dirk Stermann locker durch den Abend. „Ist Heidi Klum die größte Sau, die einem passieren konnte?“, fragt er in die Runde, als über die Vereinbarkeit von Kind und Karriere gesprochen wird, und löst damit eine Diskussion mit unerwartet intimen Details aus. Neben den offenen Gesprächen überzeugt auch die dokumentarische Aufmachung des Formats.

Tiefe Einblicke

Mit Großaufnahmen und Zeitlupen, dem Einfangen von Mimik und Gestik gelingen dem Redaktionsteam von „Die Box“, das auch Reportagen der Serie „7 Tage“ verantwortet, tiefe Einblicke in die Stimmung dieses Abends. Kleine Einzelszenen, die zwischen den Talk geschnitten sind, zeigen die Künstler vor und nach dem Abend ganz allein. Ruhig und bedacht spricht Blanco dabei über das schwierige Verhältnis zu seinen Töchtern, obwohl er nur wenige Sekunden vorher forsch im Bademantel posiert hat. Quasselstrippe Ralf Richter, der mit seiner lauten Stimme den Abend übertönt, wird im rot gefärbten Wasser der Badewanne auf einmal ganz still und blinzelt verträumt in die Kamera.

Es sind diese Momente, die das 45-minütige Format zu einem Erlebnis werden lassen, das gerne auch 90 Minuten füllen dürfte. Als Linda Zervakis statt „Guten Abend, meine Damen und Herren“ auf dem Weg zum letzten Absacker in der Thai Oase „Jetzt geht die Party richtig los“ ruft, wünscht man sich, der Abend würde ewig dauern und nicht schon mit der skurril-schönen „Happy“-Performance enden.


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