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Heute Abend mit Nina Kunzendorf Besser als „Tatort“: ARD-Thriller „Das Programm“


Osnabrück. Auch wenn es manche Parallelen gibt: „Das Programm“ ist um einiges besser und vor allem authentischer als der Schweiger-„Tatort“ übers Wochenende: Die ARD zeigt den packenden Thriller-Zweiteiler mit Nina Kunzendorf und Benjamin Sadler heute Abend in einem Stück – drei Stunden faszinierendes Fernsehen. Hauptdarstellerin Kunzendorf verrät im Gespräch mit unserer Redaktion, warum ihr das gefällt.

Heiner Lauterbach ist eigentlich ein Mann für die großen Hauptrollen. Nicht so allerdings in diesem Film. Keine acht Minuten, dann ist er weg. Ein bisschen nörgelt er rum, dann wird er in die Luft gesprengt. Als Kronzeuge Victor Miro eliminiert vom diabolischen Gangsterboss Philip Darankow (Wladimir Tarasjanz), der auch aus dem Knast heraus über Leben und Tod entscheidet.

Mit Benjamin Sadler

Die großen Rollen in diesem Film haben andere. Wie Benjamin Sadler , der in der Rolle des Hamburger Bankers Simon Dreher für Darankow die Geldwäsche erledigt. Und Nina Kunzendorf, die als professionell-unterkühlte LKA Ermittlerin Ursula Thern dem Banker auf die Spur kommt. Sie dreht Dreher – und gewinnt ihn für ein Zeugenschutzprogramm. Mit extremen Konsequenzen für ihn und seine Familie.

Sippenschutzhaft

Denn Zeugenschutz ist eine Art Sippenschutzhaft. Nichts zählt mehr im Leben der Familie – nicht die Freunde und Nachbarn, nicht die Kollegen, nicht der Geliebte von Drehers Ehefrau und auch nicht der Verlobte seiner Tochter. Zukunftspläne sind Vergangenheit. Alle Mitglieder der Familie bekommen eine neue Identität, neue Namen, eine neue „Heimat“. Zeugenschutz ist auch vollständige Entwurzelung – um das zu zeigen, nimmt sich der Film Zeit und hat es allein schon deshalb verdient, als Zweiteiler angelegt zu sein.

„Die verlieren alles“

Das war auch Nina Kunzendorf neu, wie sie im Gespräch einräumt: „Ich wusste vorher nicht viel über Zeugenschutzprogramme, deshalb haben mich diese Dimensionen schon überrascht, zumal es hier ja gleich um eine ganze Familie geht. Die verlieren ja alles – Freunde, Familie, Beruf, Haus...“

(Weiterlesen: Hier geht‘s zum ausführlichen Interview mit Nina Kunzendorf)

Nicht realistisch

Die Art und Weise, wie Zeugenschutz stattfindet, sei durchaus realistisch, sagt die 44-Jährige. „Man muss tatsächlich seine komplette Biografie verlassen, darf keinerlei persönliche Gegenstände mitnehmen, keine Fotos, keine Urkunden, gar nichts. Diese absolute Konsequenz, mit der man sich von seinem alten Leben verabschieden muss und eine neue Identität geschaffen wird, ist sehr realistisch.“ Nicht realistisch an ihrer Figur, so räumt die Schauspielerin ein, sei allerdings die Tatsache, dass eine Personenschützerin gleichzeitig ermittelnde Kommissarin ist: „Das ist im wirklichen Leben ganz streng getrennt.“

Nervenzehrend

Die Drehers werden nach Südtirol verpflanzt, auf Schritt und Tritt begleitet und überwacht von den LKA-Beamten Nadja Lenz (Alwara Höfels) und Mario Kreutzer (Carlo Ljubek), aber dennoch nicht unbemerkt von Darankow. Und während Simon Dreher mit der Polizei noch immer Katz und Maus zu spielen versucht, zehrt das neue Leben zunehmend an den Nerven seiner Familie.

In einem Rutsch

Kunzendorf, die zum ersten Mal mit Benjamin Sadler in einem Film spielt und sich darauf ganz besonders gefreut hat, gefällt es, dass die ARD „Das Programm“ mit beiden Teilen zum Programm eines ganzen Abends macht: „Ursprünglich war es als klassischer Zweiteiler gedacht, mit einem Cliffhanger am Ende des ersten Teils und dem ,Was bisher geschah‘ am Anfang des zweiten.“ Doch die Sehgewohnheiten hätten sich geändert. „Wir sind es mittlerweile gewöhnt, dass man sich mehrere Teile von ,Homeland‘ nacheinander in die Birne packt.“

Dicker Fehler

Dass dem Grimmepreis-gekürten Drehbuchautoren Holger Karsten Schmidt und Regisseur Till Endemann im zweiten Teil ein nicht unerheblicher Fehler unterlaufen ist, hatte auch sie nicht bemerkt. Im Gespräch aber sagt sie nach kurzem Nachdenken: „Stimmt, Sie haben Recht.“ Diesen Fehler an dieser Stelle zu benennen, wäre allerdings auch ein Fehler – es würde zu viel verraten. Und ist am Ende auch nicht wirklich wichtig. Denn das Urteil lautet eindeutig: Einschalten.

Das Programm, ARD, Montag, 4. Januar, 20.15 Uhr.


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