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Stefan Raab und die Musik Maschen-Draht-Zaun und Co.: eine musikalische Zeitreise


Osnabrück. „Wer ist der schönste Trainer der Stadt? Böörti Vogts, Böörti Vogts“: 20 Jahre liegen zwischen Stefan Raabs musikalischem Durchbruch 1994 und seiner letzten Veröffentlichung „Wir kommen, um ich zu holen“. Eine musikalische Zeitreise mit der Maus, Guildo Horn, Lena und natürlich dem „Maschen-Draht-Zaun“.

Bis 1993 hat sich der gelernte Metzegergeselle Stefan Raab vor allem als Produzent von Werbejingles einen Namen gemacht. So komponierte und produzierte Raab für das ARD-Morgenmagazin oder die Talkshow Bärbel Schäfer. Zusammen mit dem Jazz-Musiker Till Brönner entstand 1990 sein erstes Album: „The Best of Schäng and the Gäng Vol. 3“.

Vivavision und Böörti Vogts


Ein Casting bei Viva im November 1993 öffnete Raab die Tür ins Rampenlicht. Raab gehörte damit zur VIVA-Crew der ersten Stunde und moderierte die Sendung „Vivavison“. Ein Format, das eher durch flachen, denn durch tiefsinnigen Humor bestach und dem Moderator jedweden Freiraum ließ. Schon damals baute der musikalische Allrounder Raab kleinere Beiträge mit Ukulele und Kinder-Keyboard ein. Der Durchbruch gelang ihm dann knapp acht Monate später mit dem Musikprojekt „Stefan Raab & die Bekloppten“ und dem Rap über den Alt-Bundestrainer Berti Vogts. Der Titel „Böörti, Böörti Vogts“ konnte sich 12 Wochen in den deutschen Charts halten und sprang bis auf Platz Vier. („Schlag den Raab“: Die letzte Folge in der Live-Kritik)



„Hier kommt die Maus“ – der musikalische Durchbruch


Seine erste Goldene Schallplatte bekam Raab für das Lied„Hier kommt die Maus“. Seine Hommage zum 25. Geburtstag der Fernsehsendung „Die Sendung mit der Maus“ wurde über 250000 Mal verkauft und stieg bis auf Platz zwei der deutschen Charts.


„TV Total“


1999 wechselte Stefan Raab zum Münchner Privatsender Pro Sieben. Für die Sendung „TV Total“ durchforstete Raabs Redaktionsteam das Fernsehprogramm auf der Suche nach skurrilen und lustigen Geschichten und Anekdoten. Gleich in der ersten Sendung am 8. März stellte Raab dabei die „Ö La Palöma Boys“ als vermeintliche Realsatire vor. Die beiden Sänger gratulierten dabei ihrer fiktiven Tante Jutta mit einer sächsischen Version des Klassikers „Paloma Blanca“ der George Baker Selection aus dem Jahr 1975. Obwohl schnell klar war, dass die beiden Sänger den Titel nur zum Scherz aufgenommen hatten, löste die Sendung eine Hype um die „Ö La Palöma Boys“ aus und die produzierte Single verkaufte sich über 500000 Mal.

Maschen-Draht-Zaun – 10 Pfennig pro Schallplatte an Regina Ziegler


Seinen kommerziell größten Erfolg feierte Raab ein paar Monate später. Mehr als eine Millionen Mal ging der Titel „Maschen-Draht-Zaun“ über die Ladentheken. In der TV-Gerichtsshow „Richterin Barbara Salesch“ verlangte Regina Zindler von ihrem Nachbarn, einen Knallerbsenstrauch zu entfernen, der ihren Maschendrahtzaun beschädige. Die übertriebene Betonung und der sächsische Dialekt der Worte „Maschendrahtzaun“ und „Knallerbsenstrauch“ von Ziegler inspirierte Raab zu einem Schmählied. Aufgrund der großen Nachfrage entschloss sich Raab daraus einen eigenständigen Titel mit der Country-Band Truck Stop einzuspielen. Regina Ziegler selbst erhielt 10 Pfennig pro verkaufte CD. Der Titel eroberte in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Charts und konnte überall den ersten Platz erobern.


Insgesamt konnte Stefan Raab 28 Kompositionen und 36 Produktionen in den deutschen Charts platzieren und bekam dafür sieben Mal Gold und vier Mal Platin Auszeichnungen.

„Eine Zeit voller Zärtlichkeit“ - Stefan Raab und der European Song Contest


1998 schickte sich Stefan Raab unter dem Pseudonym Alf Igel an, eine Anspielung auf den Komponisten Ralph Siegel den European Song Contest zu erobern. Der Titel „Guildo hat euch lieb“, gesungen von „Guildo Horn und Die Orthopädischen Strümpfe“ belegte in Birmingham den 7. Platz. Aus Österreich gab es an diesem Abend übrigens keine Punkte.

Einen weiteren Meilenstein setzte Raab dann zwei Jahre später mit „Wadde hadde dudde da?“ Stand Raab bei Horns Auftritt noch als Komponist und Produzent in der zweiten Reihe stand Raab dieses Mal als Sänger mit auf der Bühne. Dafür gab es unter anderen sensationeller zwölf Punkte aus Österreich. Er schaffte einen respektablen fünften Platz.

Für Raab blieb es ein einmaliger Auftritt als Sänger auf der europäischen Showbühne – für seine Schützlinge nicht. Nachdem Max Mutzke in Istanbul 2004 den achten Platz belegte, folgte 2010 der ganz große Coup.
Am 29. Mai 2010 gewann Lena Meyer-Landrut den Wettbewerb in Oslo. Stefan Raab zeichnete sich hier zwar nicht mehr als Komponist aus, trat aber als Initiator, Produzent und Jurypräsident der Vorentscheides „Unser Star für Oslo“ in Erscheinung. „Satellite“ war der erste Deutsche Beitrag seit Nicoles „Ein bisschen Frieden“ der hier bestehen konnte.

Einen Erfolg den Raab in den kommenden zwei Jahren nicht mehr wiederholen konnte. 2012 hat sich Raab vom European Song Contest zurückgezogen.

Bundesvision Song Contest


Nach Max Mutzkes Eurovisions-Auftritt 2004 in Istanbul widmete sich Stefan Raab einem neuen Projekt: dem Bundesvision Song Contest. In elf Ausgaben schickten die 16 Bundesländer jeweils einen Interpreten ins Rennen, der sie repräsentieren und vertreten sollte. Analog dem Prozedere des European Song Contests wurden Punkte per Voting vergeben. Mit einer Ausnahme: Im Gegensatz zur europäischen Variante konnten die Bundesländer auch für sich selbst abstimmen.

Drei Mal konnte Berlin den Titel einheimsen. Aktueller und wahrscheinlich letzter Preisträger ist Marc Foster, der damit den Titel erstmals nach Rheinland-Pfalz holen konnte. Neben Forster konnten auch die Band Juli, Revolverheld oder Subway to Sally gewinnen. Peter Fox ist der einzige Künstler, der den Wettbewerb zweimal gewinnen konnte: einmal Solo (2009) und einmal mit seiner Band Seeed (2006).


Stefan Raab ist seit gut 20 Jahren als Moderator und Entertainer im Fernsehgeschäft. Stationen seiner Karriere:

1993-1998 - Moderation der Nonsens-Talkshow „Vivasion“ beim Musiksender Viva.

seit 1999 - wurde seine Sendung „TV total“ auf ProSieben ausgestrahlt. In der langlebigsten Late-Night-Show Deutschlands kommentiert Spaßmacher Raab ironisch das Tagesgeschehen und veralbert seine Studiogäste.

seit 2002 - in unregelmäßigen Abständen lieferte sich Raab in zahlreichen TV-Events wie „Wok WM“ (seit 2003), „Turmspringen“ (seit 2004) oder „Stock Car Crash Challenge“ (seit 2005) Wettkämpfe mit anderen in sportlichen Disziplinen.

seit 2006 - läuft die Samstagabend-Show „Schlag den Raab“, in der ein Kandidat bei verschiedenen Spielen gegen den Entertainer antritt und 500 000 Euro, manchmal auch eine Million oder mehr gewinnen kann. An diesem Samstag wird sie zum letzten Mal über die Bühne gehen.

2005 - rief Raab den Bundesvision Song Contest ins Leben.

2010 - Castingshow „Unser Star für Oslo“. Deutsche Teilnehmerin beim Eurovision Song Contest wurde Lena Meyer-Landrut. Sie gewann den ESC.

seit 2012 - Politshow „Absolute Mehrheit - Meinung muss sich wieder lohnen“.

2013 - war Raab einer von vier Moderatoren im Fernsehduell zur Bundestagswahl mit Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Herausforderer Peer Steinbrück. (dpa)

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