„Lindenstraße“ wird 30 Jahre alt Die „Lindenstraße“ sendet an Nikolaus live zum 30. Geburtstag

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Seit 30 Jahren eine Institution im deutschen Fernsehen: die ARD-Serie „Lindenstraße“. Foto: WDR/Steven MahnerSeit 30 Jahren eine Institution im deutschen Fernsehen: die ARD-Serie „Lindenstraße“. Foto: WDR/Steven Mahner

Osnabrück. Am 8. Dezember 1985 feierte Deutschlands langlebigste Serie ihre Premiere. Zum 30-jährigen Bestehen wird die „Lindenstraße“ am Nikolaustag 2015 erstmalig live gesendet. Produzentin Hana Geißendörfer hat mit unserer Redaktion über dieses Experiment gesprochen.

„Schon länger“ habe es die Idee einer Live-Sendung im Haus gegeben, erzählt die Tochter von Hans Wilhelm Geißendörfer, dem Erfinder der „Lindenstraße“. „Gemeinsam mit meinem Vater und dem Regisseur Herwig Fischer haben wir bei einem Abendessen im Januar beschlossen, das anzugehen.“

Der Inhalt der Jubiläumsfolge stand zu diesem Zeitpunkt bereits fest. „Da passiert ziemlich viel,“ verrät Geißendörfer. „Es wird sehr dramatisch.“ Das Drehbuch auf Live-Bedingungen umzuschreiben, sei die erste Hürde gewesen. Seit Beginn der Woche laufen die Proben auf Hochtouren. „Es ist eine große Choreografie mit wahnsinnigem organisatorischen Aufwand, weil an so vielen Ecken gleichzeitig alles hundertprozentig stimmen muss.“ Das Schwierigste für sie selbst sei aber das Loslassen am Sonntag um 18.50 Uhr, so Hana Geißendörfer: „Es muss alles in der Vorbereitung stimmen, danach ist die Kontrolle weg. Das Ganze ist, wie aufgereihte Dominosteine zu verstehen: Wenn man den ersten umschubst, dann läuft es hoffentlich bis zum Ende durch.“

Begleitendes Web-Angebot

Mit der Live-Show schlägt die „Lindenstraße“ einen Bogen zurück zur Geschichte des Fernsehens, als es noch verbreitete Praxis war, fiktionale Sendungen live zu übertragen. Das Risiko einer Panne gehört dazu – auch damit ist die „Lindenstraße“ wie immer nah am echten Leben.

Parallel zur Sendung im Fernsehen kann der Zuschauer auf der Website der „Lindenstraße“ mit einem Zusammenschnitt aus zehn Kameras die Umbauten hinter den Kulissen verfolgen. Die Internetpräsenz ist für den Serien-Dino zu einer wichtigen Säule geworden. Denn die Quoten stagnieren, während die Online-Zuschauerschaft wächst.

„Vor 30 Jahren gab es viel weniger Kanäle,“ erklärt Hana Geißendörfer. „Der Kuchen ist gleich groß geblieben, aber es gibt eine immer größere Vielfalt im Angebot – auch neben dem Medium Fernsehen. Vielleicht hat es auch etwas mit dem Image zu tun. Man denkt, man kennt die Lindenstraße, wenn man sie früher gesehen hat. Das stimmt aber nicht mehr mit dem überein, was wir mittlerweile tatsächlich produzieren und senden. Das ist schwer zu brechen.“

Von der Praktikantin zur Produzentin

Gemeinsam mit ihrem Vater leitet Hana Geißendörfer mittlerweile die Geschicke des Familienunternehmens. Doch ihr Weg in die „Lindenstraße“ begann schon früher. Ihre erste Erinnerung ist ein Besuch im Studio, als sie etwa sieben Jahre alt war. „Ich war überwältigt von den Ausmaßen und habe mich gefragt: Wer braucht denn so viele Zimmer?“ Trotzdem wollte sie sofort mithelfen. „Einmal habe ich beim Aufräumen einen Eimer Wasser ins Waschbecken gekippt. Natürlich hatte das keinen Abfluss, alles lief auf den Studioboden. Da habe ich gemerkt, dass alles sehr echt aussieht, aber nicht echt ist.“

Sukzessive brachte Hana Geißendörfer sich immer stärker in die Produktion ihres Vaters mit ein. „Als ich angefangen habe, gab es noch nicht den Plan, dass ich die ‚Lindenstraße‘ irgendwann einmal übernehmen soll. Es gab immer wieder neue Möglichkeiten, vom Schnittpraktikum zur Regieassistenz. Dann ist ein Autor ausgefallen und ich habe die Chance genutzt und angefangen, seine Drehbücher zu übernehmen.“

Live-Musik vom Vater der „Lindenstraße“

Nun stellt sie selbst die maßgeblichen kreativen Weichen. „Ich habe die ‚Lindenstraße‘ über die Jahre lieben gelernt und empfinde es als große Ehre, die Serie und die Geschichten dieser Figuren weiterzuführen.“

Erfinder Hans Wilhelm Geißendörfer wird zur Jubiläumsfolge übrigens in besonderer Weise aktiv werden: an der Mundharmonika. Gemeinsam mit dem Komponisten der Titelmelodie Jürgen Knieper spielt er den Eröffnungstitel – natürlich live.


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