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Borowski statt Schweiger Kommissar Borowski: Stirbt heute Frieda Jung, Herr Milberg?


Berlin. Axel Milbergs Kommissar bekommt es im „Tatort: Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes“ heute zum zweiten Mal mit dem Kai Korthals zu tun. Tötet der Serienkiller Frieda Jung, die Geliebte des Kommissars? Und wieso läuft nicht Til Schweiger?

Im „Tatort: Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes“ könnte heute eine ehemalige Hauptfigur des Kieler „Tatort“ sterben. Hauptdarsteller Axel Milberg erklärt im Interview, wieso er Frieda Jung, die Geliebte seines Kommissars, für einen „Tatort“-Tod vorgeschlagen hat. (Warum läuft heute nicht der Schweiger-„Tatort“¨– und das gegen Schweigers Willen?)

Mit wem war das Wiedersehen schöner: mit Kai Korthals oder mit Frieda Jung?

Milberg: Für mich oder für Borowski?

Für Borowski ist die Antwort leicht. Die eine liebt er, der andere ist ein Killer.

Milberg: Klar, für Borowski ist Frieda Jung die Herzdame – die für den Zuschauer unverhoffter wieder auftaucht als für ihn. Während Borowski offenbar nicht zum ersten Mal neben Frieda aufwacht, erfährt der Zuschauer erst jetzt, dass sie wieder in Kiel ist und eine therapeutische Praxis führt. Mich hat beides gefreut, weil hier etwas fortgesetzt wird, das schon beim ersten Mal Spaß gemacht hat – sowohl beim Dreh mit Lars Eidinger als Kai Korthals als auch in der Arbeit mit Maren Eggert. (Wer ist Frieda Jung? Eine Liebeserklärung an Maren Eggerts heute wiederauferstandene „Tatort“-Figur.)

Können Sie sich vorstellen, dass Lars Eidinger ihr dauerhafter Gegenspieler wird?

Milberg: Es ist zumindest ein großer Spaß. Lars Eidinger ist grandios, und wir haben eine blinde Verständigung, die es nur unter langjährigen Theaterschauspielern gibt. Mit Maren Eggert ist es dasselbe. Lars Eidinger hatte Premiere mit „Richard III.“, und Maren Eggert spielt gerade Lady Macbeth. Ich hatte es mit zwei blutbesudelten Shakespeare-Wahnsinnigen zu tun. Wenn ich den beiden in die Augen schaute, war es immer noch zu sehen. (Wird Teil 1 zum heutigen „Tatort“ wiederholt oder in die Mediathek gestellt? Hier geht‘s zum „Tatort: Borowski und der stille Gast“)

Im „Tatort“ wird nicht weiter erklärt, wo Frieda Jung gewesen ist. Haben Sie sich dazu etwas ausgedacht?

Milberg: Es gab nach ihrem Verschwinden in einer späteren Folge, glaube ich, mal einen Hinweis, dass sie in der Schweiz arbeitet. Aber ich habe darüber nie nachgedacht. Für mich war sie weg, und jetzt taucht sie wieder auf. Mit der Absicht, ihren Klaus zu heiraten.

Bereiten Sie sich üblicherweise mit alten „Tatort“-Folgen auf den Dreh vor? Und wie war es bei diesem Sequel?

Milberg: Normalerweise mache ich das nicht, die Fälle sind ja abgeschlossen. Diesmal war das nicht so, da fügt der Täter sich am Ende des ersten Teils mit der Axt eine schwere Verletzung zu. Und verschwindet. Als wir das gedreht hatten, wussten wir noch nicht, dass es ein offenes Ende wird. Das ist erst im Schnitt entstanden, als der leere Rettungswagen zum Schlussbild wurde. Offensichtlich konnte der Täter fliehen. Viele Zuschauer waren verstört. Ich hörte oft: „Ich habe mich am Abend nicht mehr rausgetraut, ich habe sofort alle Lichter angemacht, der ‚Tatort‘ war ja so unheimlich.“ Offensichtlich ist uns etwas gelungen. Das mussten wir selbst erstmal begreifen. Anderthalb Jahren später haben wir uns dann zusammengesetzt, die Redaktion, der Autor Sascha Arango und ich, und haben über eine Fortsetzung gesprochen. Das war also kein kalkulierter Cliffhanger. (Rätsel im Berliner „Tatort“: Ist Karow der schwule Kommissar der Reihe?)

Ist diese intensive Zusammenarbeit am „Tatort“ üblich? Können Sie dabei auch Drehbücher ablehnen?

Milberg: Ja, das ist bei uns Gott sei dank üblich, und ich habe auch ein paar mal Exposés widersprochen – weil das Thema mir zu spekulativ war oder weil es gerade fünfmal gemacht wurde. Zum Beispiel beim Stichwort Pädophilie. Da gab’s einfach eine Menge Fernsehspiele. Es muss einem ein neuer Aspekt dazu einfallen, besonders bei einem so verminten Gelände.

Kritiker werden am „Tatort: Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes“ den Mut zum Sequel hervorheben. Und die Arbeit mit einem bekannten Täter. Was macht ein gutes Buch für Sie aus?

Milberg:Das erste Indiz ist, dass ich es in einem Zug durchlese. Manche Bücher lese ich in fünf, sechs Anläufen und die letzten Seiten nur noch aus Pflichtgefühl. Die Bücher von Sascha Arango lese ich ohne Pause durch, egal, wie spät es ist. Und immer erzählt er den Fall offen, wir kennen den Täter und die Frage ist nur, wie bewegen er und Kommissar sich aufeinander zu. Einfach wunderbare Drehbücher, sodass ich der Redaktion nur sagen muss: Bitte nichts verschlimmbessern.

Kommt das denn auch vor?

Milberg: Ja klar, bei anderen Autoren kann die dritte Fassung schon mal schlechter sein als die zweite. Weil man sich missverstanden hat, weil man den Autor gequält hat. Kein Problem. Wenn man noch genug Zeit hat, wird die vierte Fassung besser als die zweite sein. (Kann Kommissar Borowski danach noch Dienst tun? Fragen an „Tatort“-Autor Sascha Arango.)

Kommissar Borowski beichtet im heutigen „Tatort“ seine Faszination an Verbrechen, die er nur deshalb nicht verübt, weil er sie aufdecken kann. Wo liegen seine Abgründe – von der Notwehrgewalt des aktuellen Falls mal abgesehen?

Milberg: Es ist erklärte Absicht der Redaktion, Borowski etwas zu geben, was man als die dunkle Seite bezeichnet. Wenn man mit Experten spricht, mit Profilern, betonen die ja auch, dass sie in den Schuhen des Täters gehen. Ein Ermittler muss die Logik des Verbrechens im Kopf haben, und er darf nicht moralisch bewerten. Ein schreckliches Beispiel: Was macht zum Beispiel ein Entführer, der sein Opfer von einem Ort zum anderen transportieren muss, weil er gezwungen ist, das Versteck zu wechseln? Wenn er intelligent ist, wird er sie rasieren, betäuben und einfach auf seinen Beifahrersitz setzen. Sollte ein Polizist ihn anhalten, sagt er dann: Das ist meine Frau, sie steht unter starken Medikamenten und muss jetzt zur Krebstherapie. Das ist keine Borowski-Geschichte, ich habe Ihnen gerade den realen Fall eines Täters nacherzählt, der eine Frau über Wochen bei sich gefangen hatte. (Quoten-Triumph: „Tatort: Spielverderber“ siegt auf auf Til Schweigers Sendeplatz)

Als Sie im aktuellen Drehbuch Frieda Jung und einen Serienmörder entdeckt haben – hatten Sie da Angst, dass die Figur nur noch einmal auftaucht, um ermordet zu werden?

Milberg: Pardon, es war sogar mein Vorschlag. Das Schlimmste, nämlich den Mörder, und das Schönste, die Liebe, zusammenzubringen.

Der „Tatort: Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes“ läuft heute, Sonntag, 29. November um 20.15 Uhr im Ersten.


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