„Tatort“ mit vielen Rätseln „Tatort“ heute aus Berlin: Erster schwuler Kommissar?

Von Joachim Schmitz


Osnabrück. Der „Tatort“ heute Abend kommt aus Berlin: „Ätzend“ gibt jede Menge Rätsel auf. Unter anderem: Gibt es den ersten schwulen „Tatort“-Kommissar?

Der starke Start des neuen Berliner „Tatort“-Teams mit Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow ( Mark Waschke ) vom März dieses Jahres ist unvergessen – hoffentlich. Denn der zweite Fall der beiden Ermittler knüpft mit einer knappen und erst mal wenig erklärenden Rückblende an „Das Muli“ an.

Ziemlich beste Feinde

Und er zeigt schnell, dass aus den beiden wohl kaum ein harmonisches Paar à la Odenthal und Kopper werden dürfte – vielmehr sehen wir da ziemlich besten Feinden bei der Arbeit zu. Sätze wie „Hören Sie, wie ich nichts sage?“ oder „Ick arbeite nicht gerne mit Ihnen zusammen, aber Ihre Alleingänge mag ich noch weniger“ gehören da zum ganz normalen Umgangston der beiden. (Quoten-Triumph: „Tatort: Spielverderber“ siegt auf auf Til Schweigers Sendeplatz)

Leiche im Säurefass

Bei Bauarbeiten wird eine Leiche in einem Säurefass entdeckt. Den Herzschrittmacher des Toten hat die Säure jedoch nicht zersetzen können. Nach und nach kommen Rubin und Karow Menschen auf die Spur, die schon seit Jahren illegal in Berlin leben. Das erschließt sich wohl noch jedem Zuschauer. Doch dann wird’s kompliziert, stellenweise bis an die Grenze der Überforderung. Denn es geht nicht nur um den aktuellen Fall, sondern auch um Karows Vergangenheit und den rätselhaften Tod seines früheren Partners. (Warum wollte Furtwängler als Kommissarin Lindholm hinschmeißen? Fakten zum „Tatort“)

Viele Fragezeichen

Das Drehbuch von Stephan Wagner und Mark Monheim liebt es geradezu, Fragezeichen in den Film einzustreuen und dem Zuschauer Rätsel aufzugeben. Aber es deutet ziemlich klar an, dass es sich bei Karow wohl tatsächlich um den ersten schwulen Kommissar der „Tatort“-Geschichte handeln dürfte. Zwar wollen das weder der Sender noch Karow-Darsteller Mark Waschke explizit bestätigen, sondern lieber die Spannung aufrecht erhalten – alles andere wäre allerdings eine faustdicke Überraschung.

Keine Stellungnahme

Einen schwulen Kommissar hatten erst kürzlich mehrere „Tatort“-Schaffende wie Axel Prahl, Stefan Gubser oder der Regisseur Thomas Jauch in Gesprächen mit unserer Redaktion gefordert – nun werden sie also aller Voraussicht nach vom RBB erhört, auch wenn sich der Sender zu keiner Stellungnahme dazu durchringen konnte.

Wie ein Teil einer Serie

Aber zurück zum Krimi: Wie? War’s das jetzt? Und wann geht’s weiter? Solche Fragen wird sich so mancher Zuschauer nach dem Abspann stellen. Denn am Ende gibt es jede Menge offener Fragen, die gut in eine Serie passen würden, deren nächsten Teil man am nächsten Abend sehen kann.

Der falsche Weg

In einem „Tatort“, dessen Fortsetzung mindestens ein halbes Jahr auf sich warten lassen wird, wirken sie allerdings deplatziert. Bei allem Serien-Hype im Fernsehen – der „Tatort“ ist noch immer ein Format, das in sich geschlossene Folgen erzählt – und das sollte er auch bleiben.

Das hat man wohl auch beim Sender erkannt: Wegen der horizontalen Erzählweise der neuen „Tatorte“ aus Berlin hat das RBB-Fernsehen am letzten Montag die erste Folge „Das Muli“ noch einmal ausgestrahlt. Anschließend ist „Das Muli“ noch für sieben Tage in der Mediathek der ARD zu sehen sein, täglich ab 20.15 Uhr. Wirklich sinnvoll ist das nicht – wer will schon gezwungen sein, sich eine Wiederholung anzusehen, um einen neuen Krimi begreifen zu können?

Tatort: Ätzend - ARD, Sonntag, 15. November, 20.15 Uhr

Wertung: 4 von 6 Sternen