Bald in „Deutschland 83“ Ludwig Trepte hat alles. Frau, Kind, starke Rollen

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Berlin. Schauspieler Ludwig Trepte ist zu beneiden: Der 27-Jährige ist mit seiner Frau Deborah glücklich verheiratet, Vater einer Tochter und angesagter Schauspieler.

1,68 Meter: Ludwig Trepte ist ein ziemlich kleiner Mann – aber auf dem besten Weg, ein ganz großer Schauspieler zu werden. Mit 12 stand er zum ersten Mal vor der Kamera, mit 27 hat er bereits zwei Grimme-Preise, eine Goldene Kamera und etliche weitere Trophäen gesammelt. Ab 26. November ist er in der aufsehenerregenden achtteiligen RTL-Serie „Deutschland 83“ zu sehen. Über seinen Vater, der in der DDR ein Rockstar war, seine Tochter, die ihren Papa allzu oft vermisst, starke Rollen und seine Abneigung gegen Facebook sprechen wir in einem Berliner Café:

Herr Trepte, was wäre eigentlich aus Ihnen geworden, wenn es die DDR noch gäbe?

Rockstar.

Weil Papa einer war?

Ja, weil Papa einer war. Weil ich seine Anekdoten liebte und großer Fan seiner Musik bin und davon, wie mein Vater seine Gefühlswelt über die Musik auslebte. Daran wäre ich sehr interessiert gewesen und mein Vater hätte mir dabei bestimmt sehr geholfen, in seine Fußstapfen zu treten.

Machen Sie denn Musik?

Ja, aber nur für den Hausgebrauch, da daddele ich ein bisschen auf Gitarre und Klavier rum. Es ist zwar auch ein Wunsch von mir, mal Musik aufzunehmen, aber diesen Job scheinen gerade alle meine Kollegen zu übernehmen, aber wer weiß, ausschließen möchte ich das auch nicht. Macht ja auch Spaß, und der direkte Kontakt zum Publikum ist extrem toll.

Wie war es für Sie, als Sohn eines Rockstars aufzuwachsen?

Na ja, ich habe ihn ja erst nach der Wende bewusst wahrgenommen. Da habe ich ihn eher als tollen Vater erlebt, der kämpfen musste. Denn mit dem Fall der Mauer ging auch seine Karriere zu Bruch. Bis auf Karat und die Puhdys war der Mauerfall für die meisten Bands das Existenz-Aus. Mein Vater musste mit allen Mitteln und Wegen versuchen, sich über Wasser zu halten, das habe ich eher wahrgenommen. Es war keine einfache Zeit für ihn, und das hat sich auch auf das ganze Familienleben ausgewirkt.

Wie hat sich das geäußert?

Einerseits in einer gewissen Sehnsucht, aber eben auch in Angst und Sorge: Wie geht’s jetzt weiter? Was macht das Leben mit uns? Wo kommt das Geld her? Er hatte nicht mehr den Status, den er mal hatte. Darunter leidet natürlich auch das Selbstwertgefühl. Aber mein Vater ist ein Stehaufmännchen.

Was hat er gemacht?

Erst mal hat er versucht, eine Kneipe zu eröffnen – das „Versteck 13“ in einem Hinterhof. Die wurde aber aus bürokratischen Gründen nicht genehmigt. Dann hatte er in Dresden und Görlitz Musical-Engagements – wie zum Beispiel die Rocky Horror Picture Show, das lief eine Zeit lang ganz gut, dazu tourte er noch mit seinen Bands – das hielt ihn erst mal über Wasser.

Welche seiner Anekdoten haben Sie geliebt?

Die vom Tourleben. Er war ja jemand, der sehr jung eine steile Karriere machte und mit Anfang 20 viel mehr verdiente als andere Staatsbürger der DDR. Dadurch ist er irgendwann auch dem Größenwahn verfallen. Diese Anekdoten waren für einen jungen Kerl wie mich natürlich spannend – das war ein Leben, das sich vielleicht jeder insgeheim mal wünscht, aber auch nicht traut, weil es vielleicht moralisch nicht ganz richtig ist. Aber eben spannend.

Sie haben heute noch ein gutes Verhältnis?

Ein sehr gutes Verhältnis sogar. Es kracht zwar mal, wie das so ist zwischen Vätern und Söhnen, aber er ist nach wie vor ein sehr wichtiger Mensch in meinem Leben.

Wie war das nach dem Mauerfall – gab’s zu Hause DDR-Nostalgie oder eher das Gefühl „Jetzt ist es zum Glück vorbei“?

„Zum Glück vorbei“ war wohl nicht die Stimmungslage. Mein Vater saß in der Kneipe, als die Mauer fiel, sah im Fernseher die sich freuenden Menschen und dachte: Jetzt geht der Scheiß erst richtig los. Für ihn war das der Untergang einer bestimmten Zeit und Ära. Nostalgisch lebten wir danach aber dennoch nicht. Ich erinnere mich noch an das Leben auf dem Hinterhof des Hauses, in dem ich groß geworden bin und in dem alle Freunde und Bekannten lebten. Das hatte was von Kommune, man grillte jeden Abend, ich bin mit einer tollen Familie und tollen Nachbarn aufgewachsen.

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Als Schauspieler sucht man immer nach Futter, um einer Figur näher zu kommen, die anfangs ja nicht mehr ist als ein Skelett. Ich muss also sehen, was diese Figur für mich lebendig und greifbar macht. Deshalb habe ich versucht, dort eine Atmosphäre zu erschaffen, um diesem Menschen näher zu kommen. Ich glaube nicht, dass ich wirklich nachvollziehen kann, was damals mit den Juden geschehen ist, aber ich wollte mein Bestes dafür geben und diesem Leid gerecht werden. Alles andere wäre vorgeplänkelte Scheiße, das wäre nicht fair. Ich habe versucht, die Schreie der Menschen zu rekonstruieren, mir vorzustellen, wie sie da gelebt haben. Das ist wahnsinnig bedrückend.

Gab es für „Deutschland 83“ eine ähnliche Vorbereitung?

Nicht so speziell. Da hatten wir Nato-Experten und Militärberater während der Leseproben am Set. Ansonsten habe ich versucht, mich in die Historie hineinzugraben und die damaligen Umstände zu verstehen: Was ist damals passiert, wie ist es passiert? Nicht nur eine Seite beleuchten, sondern auch die andere. Über diese Zeit kann man sich zum Glück auch per Youtube ganz gut informieren.

Wofür war es gut, dass am Set Militär- und Nato-Experten anwesend waren?

Während der Leseproben gab es natürlich viele Fragen speziell von uns jungen Schauspielern, die diese Zeit ja nicht bewusst mitbekommen haben und eigentlich nur aus dem Schulunterricht kennen, wo es relativ schnell abgefertigt wurde. Außerdem waren etliche von uns ja nicht bei der Bundeswehr und mussten jetzt wissen, wie man ein Gewehr hält, wie man militärisch grüßt und so weiter. Es muss tatsächlich so aussehen, als wäre ich der Sohn eines Bundeswehr-Generals, und das lässt sich nicht einfach dadurch herstellen, dass ich ans Set gehe und Uniform trage.

Ihre Figur ist in „Deutschland 83“ diejenige, die dem stärksten

Wandel unterworfen ist. Unter anderem entdeckt sie ihre homosexuelle Neigung. Wie schwierig ist es für einen Hetero, eine schwule Szene zu spielen?

Es ist nichts anderes als andere Szenen, wir spielen es ja nur. Ich sehe darin ja nicht etwas Verwerfliches. Wir haben es mit Humor genommen. Der Regisseur Eddy Berger machte sich mehr einen Gag daraus und rief immer: Mehr Zunge, mehr Zunge.

„Deutschland 83“ ist ja nicht gerade typisch RTL – haben Sie sich gewundert, dass der Stoff nicht für einen öffentlich-rechtlichen Sender umgesetzt wird?

Ja, natürlich. Das war erst mal verwunderlich für mich, damit hatte ich nicht gerechnet. Aber dann habe ich erfahren, dass sich RTL komplett neu aufbaut und umstrukturiert. Und das machen die sehr gut, mit spannenden Themen und Projekten. RTL ist sehr mutig geworden, auch was die Besetzungen angeht.

Spätestens seit „Unsere Mütter, unsere Väter“ sind Sie so etwas wie ein Filmstar. Werden Sie auf der Straße erkannt?

Ja, das passiert schon mal. Manche gucken nur, andere kommen direkt zu mir und fragen, ob ich es wirklich bin, manche bleibe lange stehen, drehen sich immer wieder um und tuscheln, manche zwinkern mir im Vorbeigehen zu. Das hat auch immer mit dem Ort zu tun, wo ich gerade bin. Hier in Berlin ist es relativ egal, hier sieht man ständig jemanden, den man irgendwoher kennt. In kleineren Städten oder auf dem Land ist es akuter, da wird dann auch mal gleich gefacebookt.

Müssen Sie viele Selfies mit Fans machen?

Manchmal. Mit mir kann man sich nicht so rühmen wie mit anderen Kollegen, ich bin nicht so der Teenager-Star. Aber natürlich gibt es das, ich finde das auch okay, nur eben nicht in jeder Situation. Manche Menschen sind da etwas taktlos. Wenn ich beispielsweise mit meiner Tochter unterwegs bin, will ich auch meine Privatsphäre. Da wird es manchmal schon komisch. Heutzutage ist eben alles ganz schnell im Netz, unter anderem auch Dinge, die dir richtig Schaden zufügen können.

Wie sieht’s mit Facebook aus?

Habe ich nichts mit am Hut. Nach meiner Wahrnehmung interessiert sich niemand dafür, wo ich gerade bin und was ich gerade mache. Zweitens muss ich das auch nicht immer rausposaunen. Auf der anderen Seite sehe ich natürlich, dass Facebook für die Vermarktung wichtig ist. Da stecke ich in einem Zwiespalt: Bis heute bin ich drum herumgekommen, aber irgendwann werden wir vielleicht nicht mehr danach besetzt, wie gut wir sind, sondern wie viele Facebook-Follower man hat.

Sowohl „Unsere Mütter, unsere Väter“ als auch „Deutschland 83“ werden weltweit vermarktet. Wie wichtig ist Ihnen internationale Reputation?

Sehr wichtig. Wenn ich einen Film mache, hoffe ich natürlich, dass ihn dann auch so viele Leute wie möglich sehen. Deshalb finde ich es gut, dass das deutsche Fernsehen mittlerweile so anspruchsvolle Projekte macht, die mich bereichern und zudem die Aufmerksamkeit des Publikums wecken.

Das hindert Sie aber nicht daran, auch Debütfilme zu drehen.

Natürlich nicht. Das ist immer stoffabhängig. Ich nehme ja kein Projekt an, nur weil es in 30 Länder verkauft wird oder eine Quote von sieben Millionen einfährt. Mich müssen die Geschichte und die Figur reizen, damit muss ich mich identifizieren können. Alles andere macht keinen Sinn für mich, das könnte ich nicht spielen.

Haben Sie Ambitionen, auch mal im Ausland zu arbeiten?

Ja sicher. Die Staaten finde ich schon spannend, da würde ich gerne mal arbeiten.

Sie sind verheiratet, haben eine vierjährige Tochter und drehen so viel, dass Sie die beiden oft wochenlang nicht sehen.

Ja, mein Leben spielt sich in Phasen ab. Mal bin ich mehrere Monate zu Hause, aber dann bin ich auch mal wieder für Wochen und Monate weg. Teilweise sehe ich meine Tochter tatsächlich übers iPhone groß werden. Das tut weh, denn sie ist eigentlich der Mittelpunkt in meinem Leben. Mit ihren vier Jahren versteht sie es noch nicht wirklich, wenn ihr Papa für mehrere Wochen oder Monate in eine andere Stadt oder ins Ausland fahren muss, um zu arbeiten. Vor allem, wenn ich dann zwischendurch mal für zwei Tage nach Hause komme, das Vertrauen und die Harmonie wiederhergestellt sind und ich dann wieder wegmuss. Das hat für sie immer etwas von Verlassenwerden, und für mich ist das richtig schwer.

„Deutschland 83“ haben Sie in Berlin und Umgebung gedreht – da war der Papa abends da.

Ja, da war der Papa da. Aber nach solchen Drehtagen ist man oft nur physisch und weniger psychisch anwesend. Es ist für die Familie nicht immer einfach, wenn ich nach Hause komme, aber eigentlich noch in anderen Sphären stecke.

Sie verändern sich also, wenn Sie drehen?

Ich selbst merke das manchmal gar nicht, aber es ist so. Wenn man spielt, muss man sich so etwas wie eine kontrollierte Psychose aneignen. Ich mache mir die Dinge so glaubhaft, dass sie in meinem Kopf irgendwann wahr sind. Dann wird’s spannend. Beim letzten Dreh habe ich die Eigenschaft von der Figur, immer mit dem Kopf zu nicken, so sehr verinnerlicht, dass ich es nachher auch privat machte.

Können Sie das dann auch wieder abstellen?

Das fällt mir tatsächlich manchmal schwer. Es gibt zum Beispiel die Möglichkeit, vor den Dreharbeiten ein Seil zu spannen und sich beim Überschreiten des Seils zu sagen: Ab jetzt ist es die Rolle. Nach der letzten Klappe geht man dann wieder auf die andere Seite des Seils. Das mache ich, weil es sonst Momente gäbe, in denen ich nicht mehr runterfahre. Und dann habe ich ein Problem, dann sind ein paar Wochen Reha angesagt, aber das bezahlt mir ja keiner (lacht). Im Ernst: Bis jetzt habe ich es noch nie so exzessiv betrieben, dass ich wirklich Angst haben musste, mich zu verlieren. Gut, dass ich meine Tochter habe – die erdet mich extrem und fordert immer den Papa, den sie kennt.

Sie selbst haben schon als Kind – mit zwölf – eine Fernsehserie und einen „Tatort“ gedreht. Wie kommt man in dem Alter an solche Rollenangebote?

Wir hatten eine Nachbarin, die Filme drehte. Das hat meine Mutter so begeistert, dass sie meinte, es könnte auch was für mich sein. Sie hat mich gefragt, ob mich so etwas interessieren würde, und natürlich war das für mich als zwölfjährigen Jungen eine große Baustelle. Die ersten Castings wurden zwar nichts, aber irgendwann habe ich mal das Gedicht „Der Handschuh“ vorgetragen, daraufhin fragte mich dann der Regisseur Arend Agthe, ob ich nicht in seinem Bienzle-„Tatort“ mitspielen wolle. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich war raus aus der Schule, und ich wurde beim Dreh behandelt wie ein Erwachsener. Ich wurde ernst genommen für das, was ich tat – diese Aufmerksamkeit war wie ein Geschenk für mich.

Und dann haben Sie irgendwann mal gesagt: Ich lerne an zehn Drehtagen mehr als in drei Jahren an der Schauspielschule.

Schauspielschule war nie ein Thema für mich, weil ich auch viele Jahre nie ans Theater wollte. Mir war es aber schon wichtig, mir Techniken anzueignen, deshalb habe ich mich immer sehr stark dafür interessiert, wie andere Leute arbeiten und welche Möglichkeiten es gibt, das Spiel so wahrhaftig wie möglich zu gestalten.

Was heißt wahrhaftig?

Das Spiel muss so realistisch sein, dass man den Schauspieler dahinter nicht mehr erkennt und ihn komplett vergisst. Da gibt es natürlich wahnsinnig viele Meinungen und Herangehensweisen, aus denen ich etwas für mich zusammenstellen konnte und kann. Deshalb habe ich mich von vielen Schauspiellehrern coachen lassen, die unterschiedliche Techniken haben.

Gibt’s auch Kollegen, die Sie besonders stark beeinflusst haben?

Natürlich. Ich bin nach wie vor ein großer Fan von Götz George , aber auch Sylvester Groth ist in meinen Augen ein Wahnsinnsschauspieler. Und dann noch Devid Striesow . In meiner Generation gibt’s auch unglaublich tolle Schauspieler. Für mich ist es immer wieder schön, mit Jonas Nay zu drehen. Durch unsere gemeinsamen Projekte sind wir vertraut und wissen, wie der andere spielt.

Ludwig Trepte

wird am 17. Mai 1988 in Ost-Berlin als Sohn des in der DDR populären Rocksängers Stephan Trepte und einer Ergotherapeutin geboren. Aus früheren Beziehungen seiner Eltern hat er drei Halbbrüder und eine Halbschwester.

Durch Vermittlung einer Nachbarin bekommt der Schüler bereits mit zwölf Jahren seine ersten schauspielerischen Engagements – in der TV-Miniserie „Beim nächsten Coup wird alles anders“, in der „Tatort“-Folge „Bienzle und der heimliche Zeuge“ sowie in der „Polizeiruf 110“-Folge „Bei Klingelzeichen Mord“.

Nach dem Realschulabschluss geht es mit der Schauspielkarriere weiter steil bergauf. Statt eine Schauspielschule zu besuchen, spielt der 18-jährige Autodidakt in „Kombat Sechzehn“ seine erste Kinohauptrolle, im selben Jahr wird er für seine Hauptrolle im Spielfilm „Keller“ als bester Nachwuchsdarsteller mit dem Max Ophüls-Preis ausgezeichnet. Für den ARD-Film „Guten Morgen, Herr Grothe“ erhält er 2008 den Grimme-Preis, mit dem er ein Jahr später erneut geehrt wird – für das Jugenddrama „Ihr könnt Euch niemals sicher sein“.

Auch international macht Ludwig Trepte auf sich aufmerksam. Der ZDF-Weltkriegs-Dreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“, in dem er den Juden Viktor Goldstein spielt, wird in den USA mit einem Emmy ausgezeichnet. 2013 steht er für die achtteilige dänische TV-Serie „1864“ vor der Kamera, und auch die sehenswerte achtteilige Serie „Deutschland 83“ (ab 26. November auf RTL), in der er eine tragende Rolle spielt, wurde bereits in über 30 Länder verkauft.

Ludwig Trepte ist verheiratet und lebt zusammen mit seiner Ehefrau Deborah (Foto: imago/Raimund Müller), die in einer Film-PR-Agentur arbeitet, und der gemeinsamen vierjährigen Tochter Mathilda in Berlin.


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