Youtube-Stars Heiko und Roman Die „Lochis“: Vom Kinderzimmer auf die Kinoleinwand

Von David Sarkar

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Längst ans Rampenlicht gewöhnt: die 16 Jahre alten Zwillingsbrüder Heiko und Roman Lochmann, genannt „Lochis“– hier bei einer Kinopremiere in Hamburg. Foto: imago/Future ImageLängst ans Rampenlicht gewöhnt: die 16 Jahre alten Zwillingsbrüder Heiko und Roman Lochmann, genannt „Lochis“– hier bei einer Kinopremiere in Hamburg. Foto: imago/Future Image

Bremen. Die Zwillingsbrüder Heiko und Roman Lochmann – die „Lochis“ – sind seit Jahren ein Youtube-Phänomen. Heiligabend startet ihr erster Kinofilm.

Sie sind 16 Jahre alt. Sie sind Zwillingsbrüder. Ihre Währung im virtuellen Raum sind Likes, Follower-Zahlen und Youtube-Abos. Sie heißen Heiko und Roman Lochmann – und als sie am zweiten Samstag im Oktober gegen 19 Uhr die Bühne der Messehalle 7 in Bremen betreten, schlagen ihnen 3500 kreischende Tennie-Stimmen entgegen. Smartphones, oft größer als die Hände ihrer Besitzer, werden in die Luft gehalten. Fotos und Videos im Sekundentakt, um das Erlebte zu konservieren und im Netz zu teilen. Auf Holzbänken im Hintergrund sitzen Eltern und nippen an Softdrinks. Manche schütteln den Kopf. Ein Jugendreise-Veranstalter hat zum ersten Online-Stars-Event geladen. 120 Online-Künstler sind gekommen. Der Höhepunkt am Abend: die „Lochis“.

Mit sechs Jahren am Computer

Einige Stunden zuvor in einem Backstage-Raum. Heiko und Roman sitzen auf einem braunen Sofa. Vor ihnen steht buntes Knabberzeug, zwei Smartphones liegen auf dem Tisch. „Ich finde es schön, dass wir zusammen durchgestartet sind. Man vertraut sich. Es gibt keinen Menschen, dem ich mehr vertraue als meinem Bruder“, sagt Roman. Heiko lächelt und ergänzt: „Und natürlich vertrauen wir unseren Eltern.“ Mit sechs Jahren saßen sie zum ersten Mal am Computer ihrer Eltern. Das war 2005 – zugleich das Gründungsjahr der Videoplattform Youtube, auf der die Geschwister mit mittlerweile 1,6 Millionen Abonnenten, mehr als 250 Videos und insgesamt über 380 Millionen Aufrufen zu den erfolgreichsten Youtube-Künstlern des Landes gehören.

In keiner TV-Show gecastet

Die „Lochis“ wurden in keiner TV-Show gecasted. Sie haben aus ihren Kinderzimmern heraus die Web-2.0-Welt erobert – mit einer Kamera, einem PC und einem Schnittprogramm. Angefangen hat alles mit Song-Parodien bekannter Chart-Hits, die die beiden Brüder zunächst alleine, dann mithilfe von Freunden geschrieben, gedreht und geschnitten haben. Das alleine ist noch nicht bemerkenswert, so wurden laut Angaben von Google bereits im Jahr der Gründung täglich 65000 neue Videos auf Youtube hochgeladen. Heute sind es über 100 Stunden Videomaterial pro Tag. In Deutschland zählt Youtube rund 38 Millionen Nutzer.

Wer hier auffallen will, muss anders sein, aus der Masse herausstechen. Das haben Heiko und Roman schnell erkannt – und sich vor allem selbst auf die Schippe genommen. Bereits ihre erste Parodie „Facebook-Song“ zu Michel Telos „Ai Se Eu te Pego“ aus dem Januar 2012 strotzt vor Selbstironie, die sich bis heute durch ihre Videos zieht. So singt Roman vor seinem Laptop sitzend: „Facebook, Facebook, den ganzen Tag in Facebook. Ich bin ein Suchti! Ja, ich bin ein Suchti!“. Es folgen Songs übers „Zocken und Pennen“ und das Verschlafen während der Schulzeit.

Selbstreferentiell und selbstironisch

Selbstreferentiell und selbstironisch ist auch der erstmals professionell im Studio produzierte Song „Durchgehend online“, mit dem die „Lochis“ im August 2013 den Durchbruch schaffen. Der Song landet auf Platz 55 der Single-Charts, das Video wurde bisher über 14 Million Mal aufgerufen. Sie singen: „In der Bahn, beim Autofahr’n, beim Mittagessen WLAN an, wir sind voll im Online-Wahn, weil wir noch nie Tageslicht sah’n.“ Sie singen über ihre Welt, das Online-Sein. „Wenn wir über das singen, was uns selber beschäftigt, fällt uns auch am meisten ein“, sagt Roman.

„Das war schon ein krasser Hype. Wir hatten davor auch schon einige Sachen gemacht, aber dieses Video ging schon richtig ab. Das wurde irgendwie zur Hymne der Online-Generation und ist es bis heute“, erinnert sich Roman. Mit dem Song treten die beiden zum ersten Mal auf einer großen Bühne auf – vor 10000 Menschen bei den „VideoDays“ in Köln. Zu dieser Zeit sind die Brüder schon bei Mediakraft Networks unter Vertrag – der Firma, die im Dezember 2014 durch Vorwürfe ihres einstigen Zugpferdes, des Youtube-Stars Simon Unge, in die Negativschlagzeilen geriet.

Strategischer und überlegter

Mit dem Erfolg kommt die Veränderung. Sympathisch und quirlig sind die „Lochis“ noch immer, doch der Charme der Anfangsjahre wurde durch Kommerzialität ersetzt. Strategischer und überlegter würden sie heute vorgehen, sagt Roman. „Wir haben natürlich auch dazugelernt in den vergangenen Jahren“, ergänzt er. In alten Videos würden sie sich heute manchmal gar nicht mehr wiedererkennen, ergänzt Heiko: „So viel hat sich entwickelt – vom Aussehen, vom Reden, vom Humor, von allem.“ Dennoch hätten sie ihren „Style“ der letzten Jahre behalten.

Hauptrollen und Regie

Am 24. Dezember betreten die Brüder nun die nächste Sprosse ihrer Karriereleiter. Mit „Bruder vor Luder“ kommt ihr erster Spielfilm in die Kinos, in dem sie neben den Hauptrollen auch gleich noch die Regie übernommen haben. Der Trailer lässt eine Teenie-Komödie im Stil von „Doktorspiele“ (2014) vermuten: Schule, Mädchen, Party und natürlich ganz viel „Lochis“. Vor allem Erfolg wünschen sich die beiden für ihren Film. Und natürlich, dass er geschätzt wird, die Leute Spaß haben. Der stehe nämlich bei allem im Vordergrund.


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