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Tatort heute Abend in der ARD „Cote d‘Azur“: Der schlechteste „Tatort“ des Jahres

Von Joachim Schmitz


Osnabrück. Lahme Ente auf dem Bodensee: Der drittletzte „Tatort“ aus Konstanz mit dem Titel „Cote d’Azur“ ist wohl der schlechteste des Jahres. Eva Mattes und Sebastian Bezzel spielen gegen ein schauderhaftes Drehbuch an.

So ist das mit den lahmen Enten . Wenn man erst mal weiß, dass sie bald verschwunden sind, taugen sie zu gar nichts mehr. Selten wurde das so deutlich wie beim neuen Bodensee-„Tatort“, selten ging der Versuch, witzig und spannend zugleich zu sein, derart in die Hose. Da ist die Tatsache, dass der Krimi seiner Zeit um knapp zwei Monate voraus ist und an Heiligabend endet, nur das geringste Übel.

Im falschen Film?

Spätestens nach 14 Minuten dürfte sich manch ein „Tatort“-Fan zum ersten Mal im falschen Film wähnen. Da sitzt der Konstanzer Kommissar Perlemann (Sebastian Bezzel) unter einem Kruzifix und bietet ihm einen Ablasshandel an: Weil er beinahe den Tod eines Babys verschuldet hätte, würde er seine Einstellung zum Herrgott noch mal überdenken, wenn der Kleine nur überlebt.

„Echt auf den Sack“

Es ist die erste von einer Unzahl hirnrissiger Drehbuchideen, die diesen Krimi im Wettstreit um den schlechtesten „Tatort“ des Jahres ganz nach vorn katapultieren. Denn fortan geht der vom schlechten Gewissen geplagte Perlemann nicht nur der Kollegin Klara Blum (Eva Mattes), sondern wohl auch einem Großteil des Publikums „echt auf den Sack“. Und nicht nur er.

Billiger Fusel

Die Mutter des besagten Babys ist ermordet worden, ihr Kind starb beinahe an Unterkühlung, die Spuren führen in eine Baracke namens „Cote d’Azur“, in der sich Mama mit einigen Obdachlosen regelmäßig die Kante gab. Es ist Dezember, die Wohnungslosen ziehen im Nikolauskostüm über den Weihnachtsmarkt und sammeln grunzend Geld für arme Orang-Utans, das sie natürlich in billigen Fusel umsetzen. Und die junge Franziska (Friederike Linke) schiebt einen Affen, weil Blum sie hinter Gittern auf kalten Entzug gesetzt hat.

Abschalten!

Manche Dialoge in diesem „Tatort“ (Buch: Wolfgang Stauch; Regie Ed Herzog) sind so schlecht, dass man reflexhaft die Stummschaltung betätigen möchte. Besser wäre etwas mehr Konsequenz und der entschlossene Druck auf die Ein/Aus-Taste der Fernbedienung.

„O du Fröhliche“

Denn besser wird in diesem Krimi gar nichts mehr. Und weil dieser „Tatort“ so unfassbar schlecht ist, darf auch schon die Schlussszene verraten werden: Der Mörder ist gefasst, die Kommissare wünschen sich übellaunig „Frohe Weihnachten“ und die Obdachlosen singen „O du Fröhliche“. Im Fernsehen ist am ersten Sonntag im November schon Weihnachten. Oder Karneval? Oder doch nur Halloween?

Noch zwei Folgen

Zweimal darf die lahme Ente im Bodensee noch baden gehen, bevor das Publikum endlich erlöst wird. Die nächste Folge mit dem Arbeitstitel „Rebecca“ ist bereits abgedreht, ein Sendetermin steht noch nicht fest. Und den finalen Gang ins Wasser dreht der SWR ab 11. November, der Arbeitstitel lautet „Wofür es sich lohnt zu leben“. Wer dann kommt, ist immer noch unklar, der Sender mag die neue Katze einfach nicht aus dem Sack lassen, solange die lahme Ente noch paddelt. Fest steht nur, dass es Ostern 2016 eine einmalige „Tatort“-Folge mit Heike Makatsch aus Freiburg geben wird. Ob sich Freiburg damit als neuer Standort für den SWR-“Tatort“ etabliert, steht noch in den Sternen.