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Nachfolger steht schon fest „Polizeiruf 110“: Abschied von Sylvester Groth



Osnabrück. Schade drum: Mit der letzten Szene des „Polizeiruf 110“ geht auch Sylvester Groth. „Wendemanöver“ ist sein Abschied von der Rolle des Jochen Drexler.

So viel darf man wohl vorwegnehmen: Selten hat sich ein Kommissar derart lakonisch aus dem ARD-Sonntagskrimi verabschiedet wie Sylvester Groth. Als ihn in der Schlussszene die Kollegin Brasch (Claudia Michelsen) fragt „Alles in Ordnung?“, knirscht ein sprödes „Nicht wirklich“ durch seine Zähne. Das war’s.

Fakten geschaffen

Er mault nicht öffentlich rum, er tritt nicht nach, aber er hat Fakten geschaffen. Sylvester Groth hat seine Existenz als „Polizeiruf“-Kommissar Jochen Drexler aus eigenem Antrieb beendet. Fünf Folgen, darunter die Rostocker/Magdeburger Doppelfolge „Wendemanöver“ waren ihm genug.

Dabei hatte er erst im letzten Jahr im Interview mit unserer Redaktion gesagt: „Mir macht Drexler gute Laune. Diese Ernsthaftigkeit wirkt doch manchmal auch komisch. Er ist ja nicht bier- und bitterernst, sondern nur etwas überspannt, weil er ab und zu besonders seriös wirken will und das dann schiefgeht. Das erzählt viel über den Menschen, ohne dass man eine ganze Szene dafür schreiben müsste.“ Das klang eigentlich noch nach viel Lust auf diese Rolle.

Sinneswandel

Doch dann setzte offenbar ein Sinneswandel ein: Die Qualität der Drehbücher soll ihm nicht gefallen haben, der „Bild am Sonntag“ sagte Groth mal, die Fälle seien ihm zu kompliziert. „Persönliche Gründe“ führte er für seinen Ausstieg an – mehr gab es nicht von dem Mann, der auch an sich und seine Rollen internationale Maßstäbe anlegt. In Quentin Tarantinos „Inglorious Basterds“ spielte er brillant den Reichspropagandaminister Joseph Goebbels.

Enorme Ausstrahlung

Wie gut Sylvester Groth ist, lässt sich auch in seinem letzten „Polizeiruf“ als überwiegend übellauniger Kommissar Drexler bestens beobachten. Der Mann besitzt selbst dann enorme Ausstrahlung, wenn er schweigend ein Butterbrot isst. Er muss nicht reden, um zu wirken – darin zeigt sich große Schauspielkunst.

Dabei hatte Groth als Jochen Drexler doch gerade erst eine der letzten Bastionen im deutschen Fernsehen geschleift: In der ersten Folge sah man ihn – vorsichtig inszeniert – beim Liebesspiel mit einem anderen Mann, einem Ex-Kollegen und aktuellen Verdächtigen. (Hier weiterlesen: Die Zeit ist reif für einen schwulen Kommissar)

Burnout

Vor zwei Jahren hatte er der „Bild am Sonntag“ über seine Burnout-Erkrankung berichtet: „Man sitzt nur noch da, weint. Und weiß nicht warum“, sagte der damals 55-Jährige. „Es war eine Zeit der Lethargie und Agonie, mir war alles wurscht.“ Der Burnout habe ihn schon 2004 erwischt: „Ich habe einfach zu viel gearbeitet und zu wenig gelebt“, sagte Groth. „Bei der Arbeit habe ich das nicht gemerkt, aber in der drehfreien Zeit bin ich implodiert.“ Erst dank einer Ayurveda-Kur habe er wieder die Kurve gekriegt: „Ich glaube, das hat mir das Leben gerettet.“

Ein Nachfolger für Sylvester Groth steht schon fest, denn Claudia Michelsen soll als Doreen Brasch auch künftig nicht allein auf Verbrecherjagd gehen: Es wird Matthias Matschke, den Krimifans in den letzten Jahren als LKA-Ermittler Gregor Georgi in der ZDF-Krimireihe „Helen Dorn“ schätzen gelernt hatten.


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