„Das Kloster bleibt im Dorf“ Von Borsody: Glückliche Figuren sind langweilig

Von Reinhard Lüke

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Alte Zeiten: Schwester Johanne (Suzanne von Borsody, links) erinnert Schwester Philippa (Gertrud Roll, rechts) an ihre Vergangenheit. Foto: ZDF/Martin RottenkolberAlte Zeiten: Schwester Johanne (Suzanne von Borsody, links) erinnert Schwester Philippa (Gertrud Roll, rechts) an ihre Vergangenheit. Foto: ZDF/Martin Rottenkolber

Weil ihr Kloster zum Wellness-Ressort werden soll, müssen vier Nonnen sich plötzlich neuen Herausforderungen stellen. Die Hauptrolle in der ZDF-Komödie „Das Kloster bleibt im Dorf“ spielt die vielfach ausgezeichnete Suzanne von Borsody. Unserer Redaktion erzählt sie, was sie an der Rolle gereizt hat.

Das idyllisch gelegene Kloster in der Eifel hat schon bessere Tage gesehen. Heute leben in dem weitläufigen Gebäude nur noch vier Nonnen, die ihren Lebensunterhalt mit einer Hostienbäckerei und der Produktion von Honig bestreiten. Denn in grauer Vorzeit, so besagt die Legende, soll einmal ein Bienenschwarm einen gottesfürchtigen Mann vor seinen heidnischen Verfolgern gerettet haben.

Luxuriöse Altenresidenz in Rom

Doch mit solch alten Geschichten hat die aktuelle Amtskirche nichts mehr am Hut. So beschließt der zuständige Bischof, das Kloster an einen Investor zu verkaufen, der aus dem weitläufigen Areal ein Wellness-Ressort machen möchte. Den vier Nonnen bietet der für ihren Auszug eine vergleichsweise luxuriöse Altenresidenz in Rom an. Die Schwestern sind ob der unfrohen Botschaft hin- und hergerissen. Während die junge Novizin Ruth der bischöflichen Weisung partout nicht folgen will, sieht sich Priorin Johanne in einem Gewissenskonflikt. Einerseits widerstrebt es ihr, das Kloster aufzugeben, andererseits weiß sie, dass sie als Ordensfrau den Anordnungen des zuständigen Bischofs zu gehorchen hat.

Reiz des Fremden

Jene Schwester Johanne spielt die vielfach ausgezeichnete Suzanne von Borsody („Jahrestage“), die im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt, was sie zur Annahme dieser Rolle bewogen hat: „Eine Nonne hatte ich bislang nur einmal gespielt. Aber es reizt mich immer, Figuren in Lebenssituationen zu verkörpern, die mir persönlich eher fremd sind. So wie Schwester Johanne, die seit ihrem vierten Lebensjahr in diesem Kloster lebt.“ Es sei für sie „durchaus schwer“ gewesen, Johanne zu finden, sagt von Borsody. „Aber mein Bestreben ist, meine Figur so wahrhaftig wie möglich zu durchdringen, damit sie ‚alleine laufen‘ kann. Ich hoffe, bei Schwester Johanne ist es mir gelungen, die existenzielle Glaubenskrise, die sie im Film durchlebt, nachvollziehbar zu machen.“ Was man ihr durchaus attestieren kann.

Manche Ungereimtheit

An Suzanne von Borsody liegt es ebenso wenig wie an Alina Levshin, Therese Hämer und Gertrud Roll, die ihre Mitschwestern spielen, dass der Film von Tobias Oliver Walendy (Buch) und Walter Werber (Regie) insgesamt eher zwiespältig ausfällt. Die Geschichte weist manche Ungereimtheit auf, und die Balance zwischen Ernst und Komik gelingt in dieser Dramedy eher selten. Mit dem Umstand, dass sie hier weitgehend ungeschminkt vor der Kamera agieren musste, hat Suzanne von Borsody indes keinerlei Probleme.

„Finde ich wunderbar“, sagt die Schauspielerin, die am Mittwoch ihren 58. Geburtstag feierte. „Schließlich erleichtert es die Arbeit, da man morgens nicht in aller Herrgottsfrühe aufstehen muss, um vor Drehbeginn stundenlang in der Maske zu sitzen. Das ‚pure Gesicht‘ zeigt die Wahrheit deutlicher. Du kannst dich hinter keinen Äußerlichkeiten verstecken.“

Stets gebrochene Charaktere

Und versteckt hat sich die Schauspielerin in herausragenden Produktionen wie dem Alkoholdrama „Dunkle Tage“, der Mankell-Verfilmung „Der Chinese“ oder im vergangenen Jahr als bis zur Selbstaufgabe loyale Ehefrau in „Männertreu“ nie. Wobei sie stets gebrochene Charaktere verkörperte. „Die sind ja auch wesentlich spannender als die geradlinigen, weil sie irgendein Geheimnis in sich tragen. Dauerhaft glückliche Menschen sind langweilig. Zumindest im Film und auf der Bühne“, sagt von Borsody. Und schließt an: „Im Leben eigentlich auch. Ich mag Figuren, die sich verändern, eine Vorgeschichte mit sich herumschleppen, irgendwann aus der Bahn geworfen werden und sich dann am eigenen Zopf wieder aus dem Sumpf ziehen.“

Auf der Suche nach solchen Figuren begibt sich von Borsody neben ihrer Arbeit für den Film auch immer wieder auf die Theaterbühne. „Davon mag ich nicht lassen“, sagt die Schauspielerin. „Auch wenn ich mich bei den anstrengenden Proben regelmäßig frage, warum ich mir das antue. Aber eine Figur von A bis Z im Team zu entwickeln ist wesentlich intensiver als die Arbeit vor der Kamera, die ja immer sehr kleinteilig und mit vielen Pausen verbunden ist. Zudem werden Filme ja nicht linear gedreht, sondern man beginnt vielfach mit einer Szene irgendwo aus der Mitte.“ Und schließlich sei der Applaus als unmittelbare Anerkennung für die eigene Leistung auch nicht zu verachten: „Für wen spielen wir denn? Fürs Publikum!“

„Das Kloster bleibt im Dorf“, Donnerstag, 24. Septemebr, 20.15 Uhr im ZDF


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