Themenabend in der ARD Waffenexporte: Starker Film „Meister des Todes“

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Die Realität in die Fiktion übertragen: Im Spielfilm „Meister des Todes“ führt Hanno Koffler als Mitarbeiter des Waffenherstellers HSW ein Sturmgewehr vor. Im wahren Leben ist die deutsche Firma Heckler & Koch in Mexiko aktiv. Foto: SWR/Diwa FilmDie Realität in die Fiktion übertragen: Im Spielfilm „Meister des Todes“ führt Hanno Koffler als Mitarbeiter des Waffenherstellers HSW ein Sturmgewehr vor. Im wahren Leben ist die deutsche Firma Heckler & Koch in Mexiko aktiv. Foto: SWR/Diwa Film

Mit „Der blinde Fleck“ schuf Daniel Harrich das Genre des investigativen Spielfilms. Nun hat er wieder einen Spielfilm und dazu eine Doku gedreht - über illegale Waffengeschäfte der Deutschen mit Mexiko. Mit unserer Redaktion sprach Harrich über die abenteuerliche Geschichte des Projekts.

went Osnabrück. Ursprünglich hatte Daniel Harrich vor gemeinsam mit seinem Vater eine Dokumentation über den angeblich größten Waffenhändler aller Zeiten zu drehen, Viktor Bout. Doch als sie im Sudan recherchierten, stießen sie auf deutsche Waffen, vor allem von Heckler & Koch. „Es gab dort eine Waffen- und Munitionsfabrik mit Partnerfabriken im Iran, Irak, Myanmar, Burma und der Türkei,“ erzählt Harrich. „Da bekamen wir das Gefühl, dass unser Beitrag anders werden würde als geplant.“

Auf den Tipp eines Informanten hin fuhren Daniel und Walter Harrich nach Mexiko, in die gefährliche Provinz Guerrero. „Kurz vorher hatte ein Hurricane die Region verwüstet und wir haben vorgegeben über die humanitäre Hilfe zu berichten,“ erinnert sich Harrich. Zwei Studenten führten sie dann zu den G 36-Sturmgewehren, die eine Ermittlung gegen Heckler & Koch erst möglich machten. „Der Fall Mexiko hat dann alles auf den Kopf gestellt,“ so Harrich. „Denn plötzlich gab es handfeste Beweise.“

Der Weg der G 36 nach Mexiko

Anhand der Seriennummern konnte der Weg der G 36 zurückverfolgt werden. Tatsächlich hätten die Waffen in der Krisenregion Guerrero niemals landen dürfen. Basierend auf seinen Recherchen erzählt Daniel Harrich diese Geschichte in „Meister des Todes“ als Spielfilm. Die Namen aller Beteiligten wurden allerdings mit Rücksicht auf das laufende Verfahren geändert. „Meister des Todes“ funktioniert nicht nur wegen der Brisanz seines Gegenstands als Themenfilm, sondern auch und in erster Linie als spannender Thriller.

Inszenierte und echte Straßenschlachten

Vor allem die in Mexiko gedrehten Szenen haben es in sich. Unter dem Vorwand eine Komödie zu produzieren, inszenierte Harrich vor Ort eine Straßenschlacht, während sich in der Realität einige Straßen weiter Polizei und Studenten Gefechte lieferten. Dazu kam eine schockierende Nachricht, die das Team zuvor erreicht hatte. „Die zwei Studenten, die uns zu den G 36 geführt haben, sind kurz vor Beginn der Dreharbeiten, zusammen mit 41 weiteren entführt worden,“ erzählt Harrich. „Das machte die Sache wahnsinnig persönlich.“

„Was mich eigentlich schockiert“

Man merkt dem 32-jährigen Filmemacher an, wie sehr das Thema ihm am Herzen liegt. „Es sieht so aus, als ob sich Ministerialbeamte mindestens der Mithilfe zur Erschleichung von Genehmigungen zum Waffenexport strafbar gemacht haben könnten,“ so Harrich. „Das ist das, was mich eigentlich schockiert.“

Am Tag nach der Ausstrahlung seiner Doku „Waffen für die Welt“ 2014 bei Arte meldete sich der erste Whistleblower. Weitere sollten folgen.

„Wir hatten in ein Wespennest gestochen,“ glaubt Harrich. „Ein Teil dieser Informanten kam aber nicht aus den Firmen, sondern aus den für die angeblichen Exportkontrollen zuständigen Behörden.“

Verflechtung von Politik und Waffenlobby

Die enge Verflechtung von Wirtschaftslobby und Politik bricht der Spielfilm erfolgreich herunter, so dass sie den Zuschauer nicht überfordert, sondern, im Gegenteil, dem Spannungsbogen zuarbeitet. Das ist auch dem durchweg überzeugend agierenden Ensemble um Hanno Koffler, Heiner Lauterbach, Axel Milberg und Udo Wachtveitl zu verdanken.

Zum ARD-Themenabend gehört auch die anschließende Doku „Tödliche Exporte“, sowie das weiterführende Angebot im Web.

Die Ermittlungen gegen Heckler & Koch und auch Harrichs Recherchen laufen indes weiter, er bleibt dem Thema treu. „Wir ermöglichen durch Waffenexporte die Konflikte in den Krisenländern,“ erklärt Harrich. „Da müssen wir uns nicht wundern, wenn diese Probleme in Gestalt von Flüchtlingen zu uns zurückkommen.“

„Meister des Todes“ läuft am Mittwoch, 23. September, um 20.15 Uhr im Ersten. Um 21.45 Uhr folgt die Doku „Tödliche Exporte“.


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