Eine Woche Festprogramm NDR Fernsehen ist 50 Jahre alt – und feiert sich selbst

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Osnabrück. Vor 50 Jahren startete der Norddeutsche Rundfunk sein reguläres TV-Programm. Zum Jubiläum steigt sogar die Müller mit dem Mädel ins Bett.

Am 20. September 1965 war es endlich so weit. Die stark wachsende Schar der norddeutschen Fernsehzuschauer konnte ein drittes Fernsehprogramm empfangen. Ein drittes Fernsehprogramm! Wahnsinn. Das grenzte vor 50 Jahren beinahe schon an ein Wunder. Ist nicht erst zwei Jahre zuvor, am 01. April 1963, das Zweite Deutsche Fernsehen auf Sendung gegangen?

Zum Start in den Regelbetrieb des gemeinsamen und zunächst so genannten „III. Fernsehprogramms der Nordkette“, zu dem der Norddeutsche Rundfunk, Radio Bremen und der Sender Freies Berlin gehörten, gab es weder einen Spielfilm, noch eine Serie oder gar ein besonderes Sportereignis. Nein, um 19 Uhr ging die erste von 13 Folgen des Sprachkurses „Französisch im Fernsehen – Ein Konversationskurs mit Roger Défossez, Heidi Fischer und Sepp Strubel“ auf Sendung. Ein paar Bildungsangebote später war schon gegen 22 Uhr wieder Sendeschluss.

(Lesen Sie hier: So feierte das ZDF seinen Fünfzigsten)

Zahlreiche Sondersendungen

50 Jahre später sendet das NDR Fernsehen selbstverständlich rund um die Uhr Information, Unterhaltung und Sport und ist dank digitalem Satellitenempfang auch in vielen europäischen Gegenden außerhalb von Norddeutschland empfangbar. Da gratuliert sich der NDR gerne mal eine Woche lang selber und strahlt vom 14. bis zum 20. September zahlreiche Jubel-Arien zum eigenen Ehrentag aus. Zum einen innerhalb der regulären Programme wie der Sendung „DAS!“, die im September zusätzlich noch ihre 8000. Episode feiern darf. Zum anderen finden sich im Programm der kommenden Woche zahlreiche Sondersendungen, in denen sich der NDR mit sich selber beschäftigt.

Der interessanteste Beitrag läuft – wie so häufig im öffentlich-rechtlichen Fernsehen – leider wieder einmal zu einer unmöglichen Uhrzeit. Mittwochnacht um 23.50 Uhr beginnt die einstündige, zeitgeschichtliche Dokumentation „Unsere Geschichte, unser NDR“, in der die Entwicklung des NDR Fernsehens vor allem auch gesellschaftshistorisch nachgezeichnet wird. Zahlreiche Zeitzeugen kommen zu Wort und erinnern an bemerkenswerte Ereignisse und Themen, die nicht immer nur an Norddeutschland gebunden waren.

Schwieriges Verhältnis zur CDU

Da bringt beispielsweise der einstige „Panorama“-Chefredakteur Peter Merseburger sein Verhältnis zur CDU auf die einfache Formel: „Ich schmeckte ihr nicht. Aber ich wollte auch kein Programm machen, das der CDU schmeckt. Das war ebenso klar“.

Beinahe unglaublich wirken alte Archivaufnahmen mit einem jungen Reporter namens Rolf Seelmann-Eggebert zu einer Zeit, noch lange bevor er als „Adelsexperte“ durch die Königshäuser reiste. Aber auch existenzielle Krisen wie das drohende Auseinanderbrechen des NDR im Jahre 1978 finden sich in der Dokumentation wieder. Und natürlich der Weg von Mecklenburg-Vorpommern aus der DDR zum NDR.

(Lesen Sie hier: Adelesexperte Rolf Seelmann-Eggebert zum Queen-Besuch im Sommer)

Müller und Mädel gemeinsam im Bett

Deutlich flapsiger geht es bei „Tatortreiniger“ Bjarne Mädel und der trinkfreudigen Entertainerin Ina Müller zur Sache, wenn es am kommenden Samstag (19.9.) ab 21.45 Uhr heißt: „Die Müller & Der Mädel glotzen TV“. Aus diesem Anlass steigen die beiden ziemlich leger bekleidet gemeinsam in ein Hotelbett. Ob sie bei diesem „Fernsehexperiment“ tatsächlich nur in die Minibar greifen und TV glotzen? Man muss sehr gespannt sein.

Ähnlich putzig kommen auch die zahlreichen Tiersendungen daher, die von Anfang an ein fester Bestandteil im Programm des NDR sind. „Expeditionen ins Tierreich: 50 Jahre Wildnis im Wohnzimmer“ verschafft am Mittwoch, dem 16. September ab 21.00 Uhr einen sehenswerten Überblick darüber, wie sich die Produktionsbedingungen und Schwerpunkte in der Tierberichterstattung geändert haben.

(Lesen Sie hier: Deutscher Kamerapreis für die Männer von „Inas Nacht“)

Immer schon etwas übermütig gewesen

Natürlich gratuliert auch das Satire-Magazin „extra 3“ am Mittwoch (16.09., ab 22.50 Uhr) mit einem „extra 3 Spezial: Der Abend der Legenden“. Dabei beteuert Wolf von Lojewski, „extra 3“-Moderator von 1976 bis 1981, bis heute standhaft: „Wir hatten uns eigentlich gar nicht als Satire verstanden“. Aber, nun ja, etwas übermütig sei man immer schon gewesen.

Apropos Übermut. Falls bei Ihnen völlig unvermittelt ein fremder Mann mit einer Torte an der Haustür klingelt – keine Angst. Das ist nur ein NDR-Reporter, der im Sendegebiet des NDR auf Achse ist und sich auf diese Weise Einlass und ein bisschen Klönschnack mit den Zuschauern erhofft.


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