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Der Meister der Schnoddersprache Legendäre Serie: Rainer Brandts Synchronisation machte „Die Zwei“ zum Fernseh-Hit

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Osnabrück. „Sleep well in your Bettgestell“ oder „Euer Merkwürden“ – beides ist bestes Schnodderdeutsch nach Art von Rainer Brandt. Nicht nur die im englischen Original eher öde Serie „Die Zwei“ möbelte der gebürtige Berliner damit auf, sondern auch diverse Italo-Klamotten der Siebzigerjahre. Kein Wunder also, dass sich die von ihm synchronisierten Serien ungebremster Beliebtheit erfreuen.

Filme mit Terence Hill und Bud Spencer oder Adriano Celentano will wohl niemand im Original sehen – wahrscheinlich nicht einmal die Italiener. Denn was sie auf Deutsch so wunderbar macht, ist ihre Synchronisation durch Rainer Brandt. In ihrer Mischung aus Kneipenjargon, Jugendsprache der Siebziger und literarischen Anspielungen war die nämlich so genial, dass sie sogar eine öde englische Krimiserie zu einem Dauerbrenner machte. Die Rede ist von „Die Zwei“ aus den Jahren 1970/71.

In England war die Krimireihe um den schnöseligen Lord Brett Sinclair (Roger Moore) und den Selfmade-Millionär Danny Wilde (Tony Curtis, dem Brandt im Deutschen seine Stimme verlieh) als Ermittler wider Willen trotz Starbesetzung ein mittlerer Rohrkrepierer, in Deutschland wurde sie hingegen zum oft wiederholten Straßenfeger.

Das verwunderte auch Curtis, der sich die deutsche Version zuschicken ließ: „Er konnte ja Deutsch und fand, was er hörte, so komisch, dass er mich bat, die Originaldrehbücher weiterzuschreiben“, erinnert sich Brandt im Gespräch mit unserer Zeitung. Dazu kam es dann aber doch nicht: Moore und Curtis zerstritten sich nach der ersten und einzigen Staffel. Allerdings wurde für die französische Version Brandts Synchronisation zum Vorbild genommen und nicht das englische Original.

Angefangen hat der 1936 geborene Brandt als Schauspieler, mit dem Synchronisieren begann er in den Sechzigerjahren – doch nicht nur Serien und Filme hat er bearbeitet: Für das „ZDF Sportstudio“ legte er beispielsweise Fußballern und Trainern Kalauer in den Mund. Heute spielt er im Berliner Theater am Potsdamer Platz im Udo-Lindenberg-Musical „Hinterm Horizont“ einen ostdeutschen Minister. „Wir spielen das Musical nun schon etwa 600-mal, und es macht immer noch viel Spaß“, sagt er und lacht.

Spaß hatten Anfang der Siebziger aber auch die Fernsehzuschauer, denn Brandt machte „Die Zwei“ zu einem wahren Klassiker. Sekündlich werden bei ihm Kalauer gemacht, gerne deftig geflucht und auch immer wieder Witze auf Kosten des Fernsehens gemacht à la „Junge, lass doch die Sprüche, die setzen ja die nächste Folge ab!“.

Beim ZDF hatte man hingegen nicht damit gerechnet, dass die Synchronisation vor Anzüglichkeiten und Ironie nur so strotzen würde: „Die haben wir aufgrund des Zeitdrucks richtig überfahren damals“, berichtet Brandt. „Wir haben uns die Serie angesehen und gesagt: Wenn wir das machen, dann lasst uns das Ding aber richtig aufmotzen. ,Ja, damit sind wir sehr einverstanden‘ hieß es daraufhin seitens des ZDF.“

Als der Redakteur sich das Resultat ansah, habe er sich auch „totgelacht und gesagt: ,Wunderbar. Aber jetzt zeigt mir mal die Version, die dann gesendet werden soll.‘ Wir haben ihn nur angeschwiegen und er ist dann grußlos vom Gehöft gezogen.“

Als die Serie dann einschlug wie eine Bombe und die Menschen die Sprüche in ihre Alltagssprache einpflegten, kam der Redakteur erneut zu Brandt mit dem Satz „Na, haben wir das nicht großartig gemacht?“. Der konterte mit „Noch so ein Spruch und deine Zahnbürste greift ins Leere“.

Ein Satz, der an das Prügel-Duo Spencer und Hill erinnert. Deren Filme wurden fast allesamt von Brandt synchronisiert, wobei der Berliner eigentlich noch mehr getan hat: „Bud Spencer und Terence Hill haben ja nachher nur noch mit einem Waschzettel gedreht, weil die sich gesagt haben, ,den Text macht ja dann später eh Rainer in Berlin‘. Und das stimmte ja auch“, erzählt Brandt.

Allerdings basieren seine Synchronisationen trotz aller Flapsigkeit auf einem großen Unterbau: „In die Urkiste des Humors gehört viel Wissen um die Dinge des Lebens, Menschenkenntnis – besonders das Wissen um menschliche Schwächen, die Fähigkeit, über eigene Unzulänglichkeit lachen zu können, und die Gabe, menschliche Macken pointiert weiterzuleiten. Mit diesem Hintergrund gehe ich auch meine Synchronisationen an“, erklärt Brandt.

Seit 2010 ist er Ehrenmitglied des Art Director Clubs Deutschland. „Die Begründung war, dass ich die Sprache der Deutschen und ihre Lässigkeit verändert habe“, erzählt Brandt und lacht. „So langsam werden meine Synchronisationen irgendwo in Richtung Kunstwerk gehoben.“ Auch daher käme das ungebrochene Interesse an den von ihm synchronisierten Werken. Und das, obwohl der Trend zur Serienansicht im Original geht.

Brandt wundert das nicht: „Heute fehlt die Muße und das Geld, denn die Qualität ist den Auftraggebern egal“, sagt der 76-Jährige. „Darum sind die Leute heute auch mehr daran interessiert, das Original zu hören als die schlechte Synchronisation.“

Die Zwei, ZDFneo, sonntags, 19.25 Uhr


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