Auf Gedeih und Verderb ausgeliefert Spannende Arte-Dokumentation über Russlands „Oligarchenfrauen“

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Osnabrück. Ausgewechselt, weggeworfen, ignoriert: Als alternde Partnerin eines russischen Milliardärs droht stets die Gefahr, entmenschlicht zu werden – das jedenfalls legt die Dokumentation „Oligarchenfrauen“ nahe, die am 18. August um 20.15 Uhr auf Arte läuft.

Es könnte die teuerste Scheidung der Welt werden, wenn da nicht noch die notorisch korrupten russischen Gerichte wären. Vladimir Potanin ist der reichste Mann Russland s, sein Vermögen wird auf etwa 15 Milliarden Euro geschätzt. Seine Ex-Frau Natalia Potanina hätte nun gerne knapp die Hälfte, und einen Großteil davon würde sie dem Staat überantworten – möglicherweise, um nicht weiterhin als die raffgierige Ex dazustehen, als die sie derzeit vor allem in Russland kritisiert wird.

Keine Widerlichkeit ausgleassen

Leider bekommt man diese Informationen in Alexander Gentelevs Dokumentation „Oligarchenfrauen“ nicht. Sonst aber erfährt man von der abgelegten Ehefrau eigentlich alles über Ehe und Trennung; und wenn es stimmt, was Natalia Potanina erzählt, hat der reichste Mann Russlands im Umgang mit ihr praktisch keine Widerlichkeit ausgelassen. Am bizarrsten ist vielleicht noch das: „Ich habe nur eine Wohnung, ein kleines Häuschen auf dem Land, und sonst nichts“, soll ihr milliardenschwerer Ehemann vor Gericht ausgesagt haben. Unter Eid. Natalia Potanina ist eine von vielen russischen Frauen, die ihren stinkreichen Männern über die Jahre lästig wurden. „Selbst die beste Pflege kann die Zeit nicht aufhalten“, heißt es zu Beginn des Films. „Kaum eine Oligarchen-Ehe hat die Zeit überdauert. Die kampferprobten russischen Alpha-Männer erobern auch privat gern neue Schätze.“

Oligarchen wollen Vergangenheit löschen

Eine weitere, ebenfalls schlüssige Erklärung für die enorm hohe Scheidungsrate unter Russlands Superreichen liefert Tatjana Ogorodnikova. Irgendwann, sagt die Bestseller-Autorin, würden viele Oligarchen mit ihrer Vergangenheit nichts mehr zu tun haben wollen. Anders als in den USA, wo die „Vom Tellerwäscher zum Millionär“-Geschichte noch immer mit Genuss erzählt wird, scheint der russische Mann eine starke Neigung zu verspüren, das neu in neureich zu tilgen.

„Lamm nach Zarenart – am Stück“

Damit ist es dann auch wohl nicht ausschließlich maximaler Geschmacklosigkeit zuzurechnen, dass sich Vladimir Potanin seine Villa als Palast im Empire-Stile hat einrichten lassen. Zur Krönung trugen die Diener bei Feiern übrigens weiße Perücken und riefen jeden Essens-Gang auf: „Lamm nach Zarenart – am Stück.“ Dass Natalia Potanina nun den Eindruck hat, ihr Mann betrachte die Scheidung als Geschäftsprojekt, dass der gemeinsame 29-jährige Sohn unmittelbar nach der Trennung erfuhr, dass er nicht mehr zur Arbeit in Vaters Unternehmen kommen muss – all das scheint in Russland keine Ausnahme zu sein. Und Natalia Potanina rechnet mit noch mehr: „Ich habe Angst, deshalb habe ich den Personenschutz, und deshalb überprüfen wir regelmäßig die Luft im Haus.“

Teilnahme an der „Luder-Akademie“

All das sind Dinge, von denen Mascha Sobol nichts wissen will. Die 22-Jährige lebt in der Provinz, gemeinsam mit ihren Großeltern. Wenn sie Wasser braucht, muss sie es aus einem Brunnen schöpfen. Mascha hat Jura studiert, aber als Juristin zu arbeiten kommt für sie eigentlich nicht infrage. „Ich lese, koche und putze gerne. Ich glaube, dass ich eines Prinzen durchaus würdig bin, ihm sogar gefallen würde.“ Daher also weht der Wind. Der Film begleitet Mascha bei ihrem Umzug nach Moskau, wo sie erst einmal einen Abendkurs im Oligarchen-Rumkriegen besucht – in Russland nennt man die Veranstaltung „Luder-Akademie“.

Wie angle ich mir einen Millionär?

Neben Verhaltenstipps bekommt Mascha ein professionelles Styling, damit geht sie in einen der unzähligen Moskauer Nachtclubs, wo Karaoke-Singen 100 Euro kostet und sie deshalb lieber mit anderen jungen Frauen tanzt, in der Hoffnung, von einem der mutmaßlich reichen und definitiv ziemlich alten und übergewichtigen Russen am Rand der Tanzfläche wahrgenommen zu werden.

Demütigung und Entwürdigung

„Heirate gut“ und „Eine Frau wird nur mit einem Mann glücklich“ – das, so erfahren wir aus dem Off, würde russischen Mädchen bis heute eingebläut. Das Ergebnis, das zeigt „Oligarchenfrauen“ eindrucksvoll, ist nicht selten Demütigung und Entwürdigung.


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