Der nette Zombie von nebenan Altes Muster, neuer Trend: Zombies dürfen witzig werden

Von Harald Keller

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Rose McIver spielt die Hauptrolle in der Serie „iZombie“, die jetzt auf Sixx startet. Foto: Imago/Future ImageRose McIver spielt die Hauptrolle in der Serie „iZombie“, die jetzt auf Sixx startet. Foto: Imago/Future Image

Osnabrück. In der US-Erfolgsserie „The Walking Dead“ müssen sich wenige Überlebende gegen eine Überzahl mordender Zombies behaupten. Neuere Serien spinnen das Muster weiter. Dort wecken die Untoten Mitgefühl – und dürfen sogar witzig sein.

„The Walking Dead“, inzwischen in der sechsten Staffel, gehört im Herkunftsland weiterhin zu den Quotengaranten . Zombies sind dort eine Plage, die man bekämpft. In Kino und TV wurde die Darstellung solcher Metzeleien über die Jahre immer drastischer; manchmal machen sich Regisseure und Maskenbilder einen Jux daraus. Wenn es um entstellte und entmenschte Zombies geht, erscheinen Gewaltexzesse tolerabel.Doch dieses Muster ist ausgereizt. Neue Ansätze gab es mit Spielfilmen wie „Warm Bodies“, in dem ein junger Mann mit dem Zombie-Virus infiziert, aber noch leidlich bei Bewusstsein ist. Und sich in eine nicht Infizierte verliebt. Anrührend auch die Geschichte des britischen Romans „Die Berufene“ von M. R. Carey über Kinder im Zombie-Zustand, aber mit menschlicher Intelligenz. Sie werden auf einem Militärstützpunkt mit teils grausamen Methoden untersucht, um ein Mittel gegen die Seuche zu finden.

„Zombienado“

Eine verwandte Idee verfolgen Karl Schaefer und Craig Engler in ihrer Serie „Z Nation“, einer Produktion von The Asylum, einem kleinen Filmstudio, das mit Billigthrillern wie „Sharknado“ , aber auch religiös orientierten Filmen hervorgetreten ist. „Z Nation“ besitzt einen grimmigen, durchtriebenen Humor. So regnen in einer Folge ganze Scharen von einem Tornado erfasster Zombies auf die Überlebenden nieder – ein ‚Zombienado‘. Komik und Tragik gehen in dieser Erzählung Hand in Hand. Auch hier wurden die USA von Zombies überrannt. Ursache ist ein Virus.

Hektisch suchen Wissenschaftler nach einem Gegenmittel. Und tatsächlich: Murphy alias „Patient null“ scheint immun gegen den Virus zu sein. Eine kleine Gruppe nimmt es auf sich, Murphy nach Kalifornien zu bringen, wo es noch intakte Forschungseinrichtungen geben soll. Eine abenteuerliche Reise durch gefährliches Gebiet. Am Ende der ersten Staffel deutet sich an: Die Seuche ist ein Produkt skrupelloser Biowaffenforschung.

Von tollwütigen Zombies angefallen

Die sympathischsten Untoten bietet die Serie „iZombie “, die jetzt in Deutschland bei Sixx anläuft. Liv (Rose McIver), eine vorwitzige Notfallärztin, will die Einladung zu einer Party erst absagen, aber ihr Verlobter redet ihr zu: „Was kann schon Schlimmes passieren?“ Im nächsten Moment wird sie auf einem Partyschiff von tollwütigen Zombies angefallen. Fünf Monate später sehen wir sie blass und erbleicht in einem Supermarkt. Sie kauft eine DVD von „Die Nacht der lebenden Toten“ – Anschauungsmaterial. Sie hat ihre Anstellung in der Klinik aufgegeben, um nachts im Leichenschauhaus zu arbeiten. Durch den neuen Job kommt sie unauffällig an menschliches Gehirn. Ohne diese Nahrung würde sie vollends degenerieren. Die kannibalische Diät hat einen Nebeneffekt: Mit den Hirnen nimmt sie auch die Erinnerungen der Verstorbenen auf. Da sie oft mit Ermordeten zu tun bekommt, kennt sie folglich deren Mörder. Aber wie soll sie das der Polizei erklären?

Basierend auf einer Comic-Reihe

Wie „The Walking Dead“ basiert „iZombie“ auf einer Comic-Reihe . Daran erinnern in der Verfilmung gezeichnete Passagen im Comic-Stil. Die Autoren Rob Thomas und Diane Ruggiero-Wright nehmen hier gewisse Stilelemente ihrer Kultserie „Veronica Mars“ wieder auf – Außenseitertum und ungewöhnliche Kriminalfälle, versetzt mit cleverem Dialogwitz und ironischen Verweisen auf die Popkultur.

Nach der Reha zurück in die Gemeinschaft

Sehr ernsthaft befasst sich Dominic Mitchell in seiner BBC-Serie „In the Flesh“ mit dem Zombie-Phänomen. In seiner Geschichte kehren die Untoten nach einer Reha geheilt in die Gemeinschaft zurück. Doch sie sind ihrer früheren Umwelt entfremdet, werden gemieden, sogar verfolgt. Und bleiben auf Medikamente angewiesen. Eine parabelhafte Umsetzung des Themas.

Die Zukunft gehört augenscheinlich Zombie-Stoffen, die mehr bieten als dumpfes Abschlachten der Untoten. Der Streaming-Anbieter Amazon plante 2013 eine Serienfassung des Kinofilms „Zombieland“, der den makabren Humor auf die Spitze trieb, ansonsten aber wenig Substanz bot. Offenbar zu wenig für eine Fortsetzungserzählung – es blieb beim Pilotfilm.

Die Entwicklung geht weiter. George A. Romero, der 1968 mit „Die Nacht der lebenden Toten“ den Prototyp der modernen Zombie-Mythologien schuf, hat angekündigt, seine Comic-Reihe „Empire of the Dead“ fürs Fernsehen zu adaptieren, nachdem eine Finanzierung als Kinofilm gescheitert ist. Ein Sender wird noch gesucht.


„iZombie“, ab 13.8. donnerstags um 20.15 Uhr bei Sixx. „Z Nation“ bei Syfy (zum Beispiel empfangbar über Sky), „The Walking Dead“ bei Fox International Channels (in Deutschland zum Beispiel empfangbar über Sky und Kabel Deutschland) sowie Staffel 1 bis 4 bei Netflix und Amazon Instant Video. Die sechste Staffel von „The Walking Dead“ läuft ab 12. Oktober 2015 auf Fox immer montags ab 21 Uhr.

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