Mitfühlend beobachtetes Porträt WDR-Doku „Alt, verliebt und kämpferisch“

Von Frank Jürgens

Diesen Mann muss man erst mal lieben: Klaus S. mit seiner Freundin Ursula. Foto: WDRDiesen Mann muss man erst mal lieben: Klaus S. mit seiner Freundin Ursula. Foto: WDR

Osnabrück. Hinter der Dokumentation „Alt, verliebt und kämpferisch“ (WDR, Donnerstag, 13. August 2015) steckt ein mitfühlend beobachtetes Porträt.

Vor fünf Jahren lernten sich der heute 75-jährige Klaus und die drei Jahre jüngere Ursula kennen und lieben. „Ich dachte, das trifft mich nicht mehr“, bekennt Ursula. Zu dem Zeitpunkt weiß man als Zuschauer des sehr sehenswerten Beitrags aus der Reihe „Menschen hautnah“ bereits, welchen Herausforderungen die Frau seitdem gegenübersteht.

Ihr neuer Partner, einst erfolgreicher Einkaufsleiter einer großen Firma, dann selbstständig, eilt von einem Prozess zum anderen. Er hat sich scheinbar komplett in der Ansicht verbissen, die Welt habe sich zu Unrecht gegen ihn verschworen. Andere Menschen würden ihn einen Sturkopf, Querulanten oder Prozesshansel nennen. Ursula sagt einfach nur: „Er kann nicht verlieren.“

Für Außenstehende erscheint dieses Porträt auf den ersten Blick wie eine tragikomische Posse. Aber bald stößt Filmautorin Erika Fehse , die schon mehrere Beiträge über Kindesmissbrauch gedreht hat, auf tiefere Ursachen. Eine traumatisierende Kindheit, verursacht durch Klaus’ prügelnden, demoralisierenden Vater, wird hinter dem Verhalten des alten, verbitterten Mannes erkennbar. Fehse gelingt ein mitfühlend beobachtetes Porträt, das bewusst auf eine Wertung verzichtet.


Wertung: 5 von 6 Sternen

Menschen hautnah: Alt, verliebt, kämpferisch - WDR, Donnerstag, 13. August, 22.30 Uhr