Vox, 11.8., 20.15 Uhr: „Heimlich verliebt“ Homeshopping-Queen Judith Williams als Kupplerin

Von Hendrik Steinkuhl

In Sache Liebe unterwegs: Judith Williams und ihr Mann Alexander-Klaus Stecher wollen in der ersten Folge Lisa beim Flirten helfen. Foto: (c) VOX/Sony PicturesIn Sache Liebe unterwegs: Judith Williams und ihr Mann Alexander-Klaus Stecher wollen in der ersten Folge Lisa beim Flirten helfen. Foto: (c) VOX/Sony Pictures

Osnabrück. Erst Fremdschämen und schließlich ein Happy End – sogar für die Zuschauer: Die Test-Folge der Vox-Show „Heimlich verliebt“ ist dank Moderatorin Judith Williams und ihres Gatten nie langweilig, aber auch nicht immer leicht zu ertragen.

Den schönsten Satz in dieser an schönen Sätzen wahrlich nicht armen Show spricht nicht die Moderatorin, sondern deren Mann: „Ich bin ja auch ein bisschen Postillon d’Amour“, sagt Alexander-Klaus Stecher. Das Münchener Multitalent (laut Wikipedia ist er Schauspieler, Talkmaster, Moderator, Autor, Popsänger, TV-Produzent, und bald wahrscheinlich auch Liebesbote) besitzt die Ausstrahlung eines Womanizers, da hat so eine Selbstbeschreibung doch einen ganz besonderen Klang.

Der außerhalb der Münchener Schickeria ziemlich unbekannte Stecher darf nun an der Seite seiner deutlich prominenteren Partnerin Judith Williams etwas für seinen Lebenslauf tun. Eingeführt wird er in die Sendung als Experte für das Anflirten von Männern, seine Kompetenz beweist er mit einem weiteren großartigen Satz: „In die Augen gucken, das wirkt bei Männern, dann hat man schon die Hälfte der Miete eingefahren.“

Die Frau, die diesen Rat beherzigen soll, heißt Lisa und ist laut eigener Aussage seit acht Jahren, einem Monat und einem Tag in ihren ehemaligen Taekwondo-Lehrer Andreas verliebt. Leider fehlt ihr die Traute, um ihrem Angebeteten, den sie weiterhin ständig beim Kampfsport trifft, ihre Gefühle zu gestehen. Da kommen Judith Williams und ihr Postillon d’Amour ins Spiel, die zuerst Andreas zu einem einseitigen Blind Date einladen und dann Lisa für eben dieses vorbereiten.

Um beim Zuschauer zu landen, benutzt „Heimlich verliebt“ zwei erprobte Show-Prinzipien: die Bloßstellung und die Verwandlung. „Aus eigener Erfahrung weiß ich: Wenn man eine große Angst hat und sich dieser Angst stellt, geht man danach ganz anders durchs Leben“, sagt Judith Williams, und nötigt danach die unter Höhenangst leidende Lisa, eine Wasserrutsche mit freiem Fall und Doppel-Looping zu benutzen.

Und weil sie ja wisse, was Frauen lieben, lockt sie Lisa noch mit einem 500-Euro-Einkaufsgutschein. Dass Lisa vor laufender Kamera gesagt hatte, sie mache sich rein gar nichts aus Shopping, hatte Judith Williams wohl nicht mitbekommen. Das Prinzip Bloßstellung funktioniert hier durchgängig und bezieht deshalb auch die Moderatorin mit ein.

Die bodenständige Kandidatin rutscht dann tatsächlich, betont aber vorher noch einmal, dass sie es nicht für den Einkaufsgutschein tue, sondern für Judith Williams. Nicht gerade eine nachvollziehbare Entscheidung, für Judith Williams würden viele Menschen ja nicht mal den Fernseher einschalten; aber irgendwo in Lisa muss ja auch eine masochistische Ader versteckt sein, sonst hätte sie sich wohl kaum für diese Show beworben.

Und um es aus der Sicht der Moderatorin zu betrachten: Steckt in Judith Williams wohl eine sadistische Ader? Um Lisa die Männerscheu zu nehmen, nötigt sie die junge Frau dazu, im Park wildfremde Kerle anzusprechen und mit ihnen am besten gleich ein Date zu vereinbaren.

Lisa ist mit einem Headset ausgestattet und muss sich immer wieder von der in einem Überwachungs-Bulli sitzenden Judith Williams anherrschen lassen: „Lass ihn nicht gehen, lass ihn nicht gehen!“

Vermutlich braucht man diese Härte, um jahrelang gemeinsam mit Walter Freiwald die „Morning Show“ bei QVC zu moderieren und später eine eigene Mode-, Schmuck- und Kosmetik-Linie aufzubauen, die 100 Millionen Euro Jahresumsatz macht. Und ihre durch verschiedene Shoppingsender geschulte und herrlich affektierte Impertinenz spielt Judith Williams auch in „Heimlich verliebt“ aus.

Zugute halten muss man ihr schließlich, dass sie das Show-Prinzip Verwandlung beherrscht. Die unscheinbare Lisa motzt sie für das heiß ersehnte Date ziemlich gut auf, und da die 26-Jährige auch nicht wie verkleidet aussieht, kommt der vorletzte Akt der Sendung ohne Fremdscham aus.

Dasselbe gilt für den letzten Akt: Die Zusammenkunft von Lisa und Andreas ist wirklich romantisch und so schön echt, wie man es in einer Vox-Dokusoap niemals erwartet hätte. Sollte es ähnlich authentische Kandidaten geben, die bereit sind, sich von Judith Williams verkuppeln lassen, dürfte Vox von „Heimlich verliebt“ gerne noch mehr Folgen produzieren.


„Heimlich verliebt“ läuft am Dienstag, 11. August um 20.15 Uhr bei Vox.