Entwicklung des Massenmediums Vor 80 Jahren startete erster deutsche TV-Sender

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Mittlerweile sehen sich immer mehr Menschen TV-Sendungen auf dem Smartphone an. Foto: dpaMittlerweile sehen sich immer mehr Menschen TV-Sendungen auf dem Smartphone an. Foto: dpa

Osnabrück. Vor 80 Jahren startete der erste deutsche TV-Sender. Mit einer kleinen Übersicht über die Entwicklung des Massenmediums wagen wir auch einen Blick in die Zukunft.

Wie konnten wir nur diesen 80. Geburtstag übersehen? Am 22. März 1935 erblickte der Fernsehsender „Paul Nipkow“ das Licht der Welt. Seither hat sich technisch wie inhaltlich viel getan und verändert. Aber es lassen sich auch Ähnlichkeiten erkennen.

Damals fand der Betrieb fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Geschaut wurde in wenigen öffentlichen Fernsehstuben, die sich hauptsächlich in Berlin befanden. Für die Propagandamaschinerie der Nazis war das Fernsehen somit im Gegensatz zum Hörfunk kaum von Interesse, sodass die Inhalte und Sendeformen relativ frei entwickelt werden konnten.

Einen technisch wichtigen Entwicklungssprung machte der Sender mit Quasi-Live-Übertragungen der Olympischen Spiele von 1936. Bevor die Nazis später dafür sorgten, dass der Sender wie auch der Rest des Deutschen Reiches gründlich in Schutt und Asche gelegt wurde, entwickelten sich Programmstrukturen und Inhalte, die vor allem von Musik und Unterhaltung geprägt waren. Das Fernsehspiel fand seine eigene Form. Und sogar eine große, von Ilse Werner moderierte Varieté-Show mit dem Titel „Wir senden Frohsinn, wir spenden Freude“ sollte ab 1941 ein wenig davon ablenken, dass der Krieg auch nach zwei Jahren noch immer nicht gewonnen war.

Ganz so neu war es also nicht, worauf die ersten beiden TV-Regelbetriebe NWDR (ab 25. Dezember 1952) und DFF (ab 2. Januar 1956) im geteilten Deutschland aufbauten. Die Varieté-Show „Ein Kessel Buntes“ überlebte sogar das Ende der DDR. In beiden Teilen Deutschlands mussten sich die Zuschauer aber lange mit heute unvorstellbar wenig Programmen begnügen.

Erst mit der Einführung des Privatfernsehens im Januar 1984 wurde plötzlich alles bunter, schriller, lauter. Zunächst für westdeutsche Zuschauer, die offenbar allesamt heimlich zuschauten, wenn RTL bei „Tutti Frutti“ die Puppen tanzen ließ. Zunächst belächelt, dann gefürchtet, brachten die neuen Sender alte Strukturen ins Wanken. Ungeheuerliche Dinge fanden plötzlich ihren Weg zu den Privaten und machten sogar vor dem Allerheiligsten nicht halt. So gingen die Erstverwertungsrechte für die Fußball-Bundesliga 1988 doch glatt an RTL, später gar an Sat1! Der wahrscheinlich bis dato größte Tabubruch seit Erfindung der ARD-„Sportschau“.

Mit den neuen Empfangsmöglichkeiten via Kabel und Satellit konnten die Zuschauer nun bereits ein Vielfaches der früheren Sender empfangen. Aber erst mit der Einführung des Digitalfernsehens im Juli 1996 explodierten die Angebote geradezu. Die zuvor schon eingeleitete Segmentierung der Programmlandschaft nahm stark zu. Heute sind Spartensender vom Nachrichten- bis zum Schlagerkanal selbstverständlich.

Streaming boomt

Immer öfter stellt man sich als Zuschauer beim Zappen allerdings genervt die Frage: „Ist das noch Fernsehen, oder kann das schon weg?“ Und die schnelle Verbreitung des noch schnelleren Internets auf alle Geräte vom Smartphone bis zum Smart-TV erleichtert nicht gerade die Qual der Auswahl dessen, was man gerade sehen möchte. Längst gehören auch Mediatheken und Streaming-Dienste zum Alltag beim TV-Konsum. Kaum zu glauben – die ZDF-Mediathek nahm bereits vor 14 Jahren ihren Betrieb auf. Und auch wenn die beiden großen globalen Streaming-Dienste von Amazon und Netflix erst seit 2014 in Deutschland genutzt werden können, sind kostenpflichtige Abos und Video-on-Demand-Dienste auch hier nicht mehr ganz so neu. Das deutsche Video-Onlineportal Maxdome existiert bereits seit Juli 2006.

Das alles ist Fernsehen, ganz gleich ob analog oder digital, linear oder zeitversetzt, per Tablet, Laptop oder Mattscheibe. Und auch wenn sich der Trend zugunsten von Streaming-Anbietern verlagern wird – aussterben wird das Medium Fernsehen in jedweder Form genauso wenig wie Theater, Kino oder das gute, alte (Elektro-)Buch.

Die alteingesessenen Platzhirsche sollten jedoch aufpassen. Sender von heute müssen sich mehr denn je als begehrenswerte Marke begreifen, wenn sie morgen noch dabei sein wollen. Gerade die neuen, finanzkräftigen Mitspieler, die global agieren, stellen eine enorme Herausforderung dar. Sie produzieren bereits eigene Formate, Serien, sogar Kinofilme, sorgen stets für Gesprächsstoff und befinden sich doch erst am Anfang.

Ein Blick in die Glaskugel verrät zwar nicht im Detail, was als Nächstes kommen wird. Aber absehbare Entwicklungen schimmern bereits durch. Dazu gehört der Griff globaler Streaming-Anbieter nach weltweiten Rechten für Großereignisse. Wieso soll eine Fußball-WM eigentlich nicht weltweit exklusiv bei einem Streaming-Dienst laufen? Spätestens die Vergabe der Übertragungsrechte für die Olympischen Spiele an die globale Senderfamilie Discovery Channel dürfte einige Augen geöffnet haben.


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