Sehenswerte Dokumentation ZDFinfo zeigt die Geschichte von Youtube

Von Frank Jürgens

Sorgte für riesige Aufmerksamkeit: Bundeskanzlerin Angela Merkel im Interview mit dem Youtube-Star Florian Mundt alias LeFloid. Foto: Bundeskanzleramt/Steffen Kugler/dpaSorgte für riesige Aufmerksamkeit: Bundeskanzlerin Angela Merkel im Interview mit dem Youtube-Star Florian Mundt alias LeFloid. Foto: Bundeskanzleramt/Steffen Kugler/dpa

Osnabrück. Vor zehn Jahren startete die Videoplattform Youtube. Eine zweiteilige Dokumentation auf ZDFinfo (Start: Mittwoch, 5.8., 20 Uhr) beleuchtet das Phänomen, das längst zu den Mainstream-Medien zählt.

Der Videoclip hat eine Länge von exakt 18 Sekunden und transportiert die banale Botschaft, dass Elefanten „echt lange Rüssel“ haben. Jawed Karims Filmchen mit dem Titel „Me at the Zoo“ wurde weltberühmt, läutete es doch am 23. April 2005 die Geburtsstunde der Videoplattform Youtube ein.

Seitdem hat Youtube nicht nur die Medienlandschaft gehörig durcheinandergewirbelt, sondern als soziales Netzwerk und Werkzeug für andere soziale Netzwerke auch den Verlauf der Geschichte und die Politik beeinflusst. Schon lange bevor sich Bundeskanzlerin Angela Merkel im Namen der Netzgemeinde vom deutschen Youtube-Star Florian Mundt alias LeFloid interviewen ließ , wusste beispielsweise die US-amerikanische Demokratische Partei, wie sie mithilfe der sozialen Netzwerke Stimmung für Barack Obama machen konnte.

Dies ist nur einer von vielen Aspekten, der in der zweiteiligen Dokumentation „Die Youtube-Story“ angerissen wird. Warum ausgerechnet diese und keine andere Video-Plattform im Internet so erfolgreich werden konnte, dafür sind eine Vielzahl von Faktoren verantwortlich, die von Filmautor Tim Klimeš beleuchtet und in Zusammenhang gebracht werden. Dazu gehört natürlich, dass der Internet-Gigant Google schon sehr früh auf die Video-Plattform aufmerksam wurde, die so einfach zu bedienen ist, dass buchstäblich jeder seine eigenen Filmchen dort hochladen kann. Für verhältnismäßig lächerliche 1,65 Milliarden US-Dollar in Google-Aktien wurde Youtube bereits im November 2006 zum Bestandteil des Internet-Giganten.

Der erste Teil der „Youtube-Story“ beschreibt nicht nur die „Videorevolution zwischen Katzen und Kinderstars“, sondern auch den rasanten Wandel von der anarchischen Dilettanten-Plattform zum professionellen Inhalte-Anbieter. Blicke hinter die Kulissen moderner Produktionsräume zeigen, wie heute dafür gesorgt wird, dass Produktionen der Youtube-Stars und Sternchen meilenweit entfernt sind von verwackelter Handy-Ästhetik. Sogenannte Partner-Programme für Kreative wie die New Yorker „Youtube Next Lab and Audience Development Group“ oder auch das Münchener Multi-Channel-Netzwerk „Mediakraft“ tragen kräftig dazu bei, Youtube-Stars aufzubauen. Vergleicht man US-amerikanische mit deutschen Produktionen, so ist zwar in vielen Fällen ein Qualitäts-Gefälle erkennbar. Aber für kreischende Fans, zu denen die Youtube-Stars in der medialen wie der „echten“ Welt auf Tuchfühlung gehen, reicht es auch hier. Man gibt sich immer so offen wie möglich. Nur über Geld redet man nicht so gerne.

Natürlich malt Klimeš in seiner sehenswerten Dokumentation bei Weitem nicht so rosarot wie die zumeist jungen Youtube-Stars und deren Fans, die nun mal in „einem enthusiastischen Alter“ seien. Einflussreiche Macher hinter den Kulissen kommen zu Wort und nehmen der Plattform einen Teil ihres romantischen Anstrichs. Sehr deutlich werden Kritiker wie der US-Journalist Jeff Jarvis sowie Bestseller-Autor Andrew Keen („Das Digitale Debakel“).

Keen beschreibt die Plattform als „feuchten Traum aller Propagandisten“, ganz gleich, ob für Modelabels oder kopfabschneidende Religionsfanatiker . Und kommt, wie viele andere Fachleute auch, zu dem Schluss, dass sich Youtube und Google längst zu einem globalen Medienunternehmen, zu einer zentralen Instanz gewandelt habe, die endlich Verantwortung übernehmen müsse.

Auch Jürgen Brautmeier, Direktor der Landesanstalt für Medien in Nordrhein-Westfalen , fordert „publizistische Verantwortung“ der Plattform ein. Warum, das wird schnell deutlich. Zum Beispiel, wenn sich eine junge, naive Frau mit aller Niedlichkeit vor den Karren der Kosmetikindustrie spannen lässt und „kleine Werbung“ für „kleine Geschenke“ macht. Wie lange dieser „Wilde Westen der Werbeindustrie“ noch Bestand haben wird, bleibt freilich offen.


„Die Youtube-Story“ (1+2), ZDF Info, Mittwoch, 5. August, ab 20.00 Uhr. ZDF, Nacht von Mittwoch (12.8.) auf Donnerstag, 00.00 Uhr.