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Anonymes Töten aus der Distanz ZDF zeigt einen Themenabend zum Drohnenkrieg

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Osnabrück. Unbemannte, mit Waffen ausgerüstete Luftfahrzeuge – besser bekannt als Kampfdrohnen – haben den Krieg und damit die Welt verändert. Das ZDF widmet sich dem brisanten Thema am Montag, 27. Juli, 22.15 Uhr mit einem Spielfilm und einer Dokumentation.

Major Thomas Egan steht vor seinem Haus, mitten in der Wüste Nevadas, und zum ersten Mal erzählt er seiner Frau von dem, was er jeden Tag auf der Arbeit tut. Heute Morgen habe er mit einer Rakete einen Taliban-Kommandeur getötet. Obwohl der mit seiner Familie zusammen war. „Ich war nicht sicher, wann ich noch mal die Chance bekommen würde. Also habe ich das Haus trotzdem in die Luft gejagt.“ Doch damit nicht genug. „Ich hatte die Information, dass der Bruder des Taliban-Kommandeurs zur Beerdigung kommt. Also habe ich gewartet. Bis sie alle dort waren.“

Tot durch einen Joystick-Klick

Was die Frau von Thomas Egan nur hört, sieht der Betrachter des Spielfilms „Good Kill“ mit den Augen des Majors. Drohnenpiloten blicken durch die Kamera des von ihnen navigierten Fluggeräts. Sie haben ein Bild von den Menschen, die sie im nächsten Moment mit einem Joystick-Klick töten. Doch die Bilder sind unscharf genug, um sie bei entsprechendem Talent zur Verdrängung wie ein Computerspiel zu betrachten.

„Good Kill“ basiert auf den Erfahrungen von Brandon Bryant, der jahrelang für die amerikanische Armee als Drohnenpilot arbeitete. Als er das Töten nicht mehr ertrug und den Dienst quittierte, bestätigte ihm die Army, dass er im Dienst fürs Vaterland 1626 Feinde getötet hatte.

Obszöne Kampfstatistik

Zu sehen ist Brandon Bryant in einer Dokumentation, die das ZDF heute Abend im Anschluss an „Good Kill“ zeigt. „Drohnenkrieg – Tod aus der Luft“ ist eine sehr gute Ergänzung des 2014 gedrehten Spielfilms, der in Deutschland nicht in die Kinos kam und heute zum ersten Mal im Deutschen Fernsehen läuft.

Ein paar Dinge muss man an der Dokumentation von Mona Botros allerdings kritisieren. Dass „Good Kill“ zum Beispiel auf den Erfahrungen von Brandon Bryant basiert, verrät sie den Zuschauern nicht. Und das, obwohl sie Brandon Bryant immer wieder zu Wort kommen lässt und außerdem zahlreiche Ausschnitte aus „Good Kill“ zeigt. Auch Bryants obszöne Kampfstatistik erfährt der Zuschauer nicht. Und das ist ärgerlich. Denn beim Betrachten von „Good Kill“ fragt man sich unweigerlich: Wie viele Menschen bringt so ein Drohnenpilot in seinem Arbeitsleben eigentlich um? Was für ein widerliches Geschäft der Drohnenkrieg ist, vermitteln Spielfilm und Dokumentation allerdings mehr als ausreichend.

In „Good Kill“ tötet der von Ethan Hawke gespielte Major zunächst nur Männer, die eindeutig Taliban oder führende Mitglieder von Al-Kaida sind. Dann schaltet sich plötzlich die CIA ein. Und statt einer persönlichen Schuld, die gleichwohl nie von einem Gericht bestätigt wurde, reicht jetzt ein auffälliges Verhaltensmuster, um durch einen Knopfdruck in einem klimatisierten Container in Nevada ausgelöscht zu werden.

Dass dabei auch immer wieder Unschuldige ums Leben kommen, nennt der CIA-Mann, der nur als Stimme aus dem Telefonlautsprecher in Erscheinung tritt, bedauerlich. Aber auch angemessen. In der anschließenden Dokumentation erfährt der Zuschauer, dass auch diese Auswüchse keine Fiktion sind.

Zehnmal mehr zivile Opfer

Laut einem renommierten Wissenschaftler gibt es bei Drohnenangriffen zehnmal mehr zivile Opfer als bei Angriffen durch bemannte Flüge. Ein Grund: Dem Drohnenpiloten fehlt beim Blick durch seine Kamera der Überblick. Es ist immer möglich, dass in den knapp zehn Sekunden, die eine Rakete bis zum Einschlag braucht, ein vorher nicht zu erkennendes Kind in das Zielfeld läuft. Bislang besitzen nur die USA, Israel und Großbritannien bewaffnete Drohnen. Doch das wird sich ändern. Die Dokumentation zeigt, wie sich ein Generalleutnant und Inspekteur der deutschen Luftwaffe bei einer Konferenz eindeutig für den Kauf bewaffneter Drohnen ausspricht. Und auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat diese Anschaffung im Bundestag bereits als sinnvoll angedeutet.

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Good Kill läuft am 27. Juli um 22.15 Uhr im ZDF, um 23.50 Uhr folgt dann die Dokumentation „Good Kill – Tod aus der Luft“.

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