Fischer-Folklore mit Horst und Heinz NDR zeigt neue Staffel der Serie „Rute raus, der Spaß beginnt“

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Ein Glücklicher Horst Hennings mit einem Dorsch in der Kieler Bucht. Links: Heinz Galling im Angelpech. Foto: NDR/Mario JeschkeEin Glücklicher Horst Hennings mit einem Dorsch in der Kieler Bucht. Links: Heinz Galling im Angelpech. Foto: NDR/Mario Jeschke

Osnabrück. Ja ginge es denn noch näher am Zuschauer? Der heimatbewusste NDR zeigt ab heute sechs neue Folgen seiner Endlos-Anglerserie „Rute raus, der Spaß beginnt!“ Und wenn Moderator Heinz Galling und Angelkönig Horst Hennings losziehen, ist Norddeutschland ganz bei sich.

Der große Harald Schmidt hat einst in unregelmäßigen Abständen den Kölschen Klüngel besprochen, und als er das zusammen mit Manuel Andrack zum ersten Mal tat, sagte er nach wenigen Sätzen: „Das ist jetzt auf Hochdeutsch nicht mehr zu bewältigen.“

Für die NDR-Anglerdoku „Rute raus, der Spaß beginnt“ gilt im Grunde dasselbe. Um nicht nur wiederzugeben, was der Zuschauer sieht, sondern auch, welche Stimmung dabei vermittelt wird, ist der gelegentliche Einsatz norddeutscher Mundart unerlässlich.

Bloß 25 Minuten dauert eine Folge

Zum Einstieg wollen wir eine Szene aus der ersten Folge der neuen Staffel mit eigenen Worten zusammenfassen: Jo Mensch du, gibt das was Schöneres als son Hallich-Broot, wenn du mol kurz Pausee von der ganzen Angelei machst? Einfach ‚n paar Krabben auf Schwarzbroot, feines Spiegelei drüber – was willsu meehr?

Bloß 25 Minuten dauert eine Folge von „Rute raus, der Spaß beginnt“. Doch danach ist man mit so viel norddeutscher Folklore gesättigt wie nach einem zweistündigen Shanty-Konzert. Im Vordergrund steht aber natürlich das Angeln, völlig klar, da gibt das gaar kein Vertun. Moderator Heinz Galling und Bootsangel-Europameister Horst Hennings erkunden mal wieder die schönsten Angelreviere des Nordens. In der ersten Folge der neuen Staffel zeigt der Profi dem avancierten Hobbyfischer unter anderem, wie man mit der Federrute große Brassen angelt und wo man die dicksten Wattwürmer gräbt.

Das nordfriesische Original Hein Gilde

Begleitet wird das dynamische Duo dieses Mal von Hein Gilde, laut Moderator Galling „ein Nordfriesen-Original – und: guter Freund von Horst.“ Schon der Vorname qualifiziert Hein Gilde für die Angelsendung; und was ihn zum Nordfriesen-Original macht, vermag er mit nur einem Satz deutlich zu machen. Auf die Frage von Heinz Galling, was für ein Anglertyp Horst Hennings sei, antwortet Hein: „Ick häb machmal von em läährnt, abbä hät auch massig Schiet von mi läährnt.“ (Ich habe manchmal von ihm gelernt, aber er hat auch eine Menge Zeug von mir gelernt).

Frage zwar nicht beantwortet, aber dafür auf Plattdeutsch, und dann auch noch mit den beiden regionalen Standards „massig“ und „Schiet“. Mehr Folklore geht nun wirklich nicht.

Wie die Polizeiarbeit im „Großstadtrevier“

Hatten wir oben gesagt, dass im Vordergrund der Sendung das Angeln steht? Das sollten wir dann spätestens jetzt relativieren. Bei „Rute raus, der Spaß beginnt“ spielt das Angeln in etwa dieselbe Rolle wie die Polizeiarbeit im „Großstadtrevier“. Der ARD-Dauerbrenner mit Jan Fedder , bekanntermaßen ebenfalls vom NDR produziert, gilt auch senderintern als nichts anderes als eine Reisesendung zum Thema Hamburg. Polizist Fedder gibt mit seinen schnoddrigen Kommentaren den Norddeutschen, wie ihn sich der Rest von Deutschland vorstellt und wünscht, und zwischendurch laufen noch ein paar andere Schauspieler durchs Bild, die im Grunde nur Statisten sind. Der eigentliche Hauptdarsteller der Serie ist und bleibt Hamburg.

Herstellung eines wohligen Küstengefühls

„Rute raus – der Spaß beginnt“ hat zwar einen deutlich größeren Drehort, und das Thema Angeln ist auch deutlich weniger eingängig als die Polizeiarbeit; trotzdem geht es aber auch hier um nichts anderes als die Herstellung eines wohligen Küstengefühls. Viel plattes Land, viel Wasser und lauter Originale, die auch noch wie Originale sprechen – das sind die Gründe dafür, warum der NDR seit Jahren auf „Rute raus“ setzt. So groß ist die Zahl der Angler unter den NDR-Zuschauern schließlich nicht, dass es sich lohnen würde, allein für sie diese Sendung zu produzieren. Und richtige Sportangler dürften sich das folkloristische Fischfangen ohnehin kaum begeistern.

Als hätte er Moby Dick an Land gezogen

Interessant zu beobachten ist, wie Moderator Heinz Galling versucht, Dramatik aufzubauen. Nach einem erfolgreichen Fang brüllt er gerne so laut, als hätte er Moby Dick an Land gezogen. Beim nächtlichen Aale-Pöttern, einer Fangtechnik ohne Angelhaken, sagt Galling dann mit bebender Stimme: „Jeden Moment kann es einen Ruck in der Rute geben. Eine Spannung, die kaum zu übertreffen ist.“

Petri heil

Da kann man sicherlich geteilter Meinung sein, aber das ist auch völlig unerheblich. Wer sich neu oder wieder in das wunderschöne Norddeutschland und seine zauberhafte Küste verlieben will, kommt um „Rute raus, der Spaß beginnt“ nicht herum. In diesem Sinne: Petri heil, und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel!


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