Happy Birthday, Bugs! Bugs Bunny wird 75 Jahre alt

Von Michael Ossenkopp


Osnabrück. Am 27. Juli 1940 kam der Bugs-Bunny-Zeichentrickfilm „A Wild Hare“ („Die Hasenfalle“) in die Kinos. Der neun Minuten lange Streifen aus der Schmiede der Warner Bros. zeigte den lässigen, Karotten vertilgenden Nager erstmals in der bis heute bekannten Form. Doch eigentlich war die Figur „geklaut“…

Bereits 1934 hatte Warner-Konkurrent Walt Disney mit „Max Hare“ in dem Film „The Tortoise and the Hare“ („Die Schildkröte und der Hase“) einen ziemlich ähnlich aussehenden Mümmelmann präsentiert. Nach dem Motto „Besser gut kopiert als schlecht erfunden“ zeigte Regisseur Frederick Bean „Tex“ Avery, wie Bugs Bunny dem ebenso gnaden- wie glücklosen Jäger Elmer Fudd das Leben schwer macht.

Niemand ist so frech wie Bugs, keiner kann so cool Möhrchen verputzen wie er. Und zu allem hat er immer noch einen Spruch parat, sein „What’s up, Doc?“ (deutsch: „Is’ was oder was geht ab, Doc?“) mit typischem New Yorker Bronx-Brooklyn-Akzent avancierte in Amerika zum geflügelten Wort. Der pfiffige Hase setzte den Satz routinemäßig zur Begrüßung der jeweiligen Gegenspieler ein.

Bugs Bunny knabbert Karotten wie Clark Gable isst

Neben dem leichtfertigen Umgang Warners mit dem geistigen Eigentum Disneys gab es auch Anleihen aus der Screwball-Komödie „Es geschah in einer Nacht“ mit Clark Gable. Die Art und Weise, wie Bugs Bunny seine Karotten knabbert, erinnert stark an die Essgewohnheiten des Hauptdarstellers. 1938 tauchte der Hase zunächst als „namenloser Statist“ in Ben Hardaways „Porky’s Hare Hunt“ („Porkys Hasenjagd“) auf.

Aufgrund von Hardaways Spitzname „Bugs“ wurde die Figur intern „Bugs‘ Bunny“ genannt, was schließlich zum Namen des Nagers (ohne Apostroph) werden sollte, also „Bugs Hase“. Ob die Figur wirklich ein Hase oder ein Kaninchen ist, bleibt offen. Die Länge der Ohren und die schlanke Erscheinung sprechen für einen Hasen, die weiße Brust aber ist eher das Merkmal eines Kaninchens.

Lieblingsfigur mehrerer Generationen

Avery zeigte mithilfe des Zeichners Chuck Jones schon in diesem ersten Cartoon viele der Gags, die Bugs Bunny zu einer Lieblingsfigur mehrerer Generationen machen sollten. „Die Hasenfalle“ kam als Teil der Warner-Bros.-Reihe „Merrie Melodies“ in die Kinos, auch in den später produzierten „Looney Tunes“ avancierte Bugs Bunny zum Star. In mehr als 175 Cartoons übernahm er die Hauptrolle.

Wie kein Zweiter spielte Avery mit den Möglichkeiten des Zeichentricks und schöpfte das Genre durch aberwitzige Übertreibungen bis an die Grenzen aus. In seinen Filmen laufen Figuren durch den Vor- oder Abspann, halten plötzlich inne, um zum Publikum zu sprechen („Aufregend, nicht?“), oder lüften die Leinwand an einer Ecke und blicken in die nächste Szene. Avery legte in aberwitzigen Situationen ein irres Tempo vor und zündete ein Feuerwerk absurder Gags.

Der übermächtigen Konkurrenz von Disney um jeden Preis Paroli bieten

Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) hatte seit Februar 1940 das animierte Katz-und-Maus-Duo Tom & Jerry von Hanna und Barbera im Programm, Disney war mit Micky Maus erfolgreich, und die Zeichentrick-Studios von Warner Bros. setzten auf Bugs Bunny. Damals galt es für Warner und MGM, der übermächtigen Konkurrenz von Disney um jeden Preis Paroli zu bieten.

Ab 1960 wurden die Warner-Trickfilme fürs Fernsehen zu der Serie „The Bugs Bunny Show“ (deutscher Titel: „Bugs Bunny und seine Kumpane“, später auch als „Bugs Bunny – Mein Name ist Hase“) zusammengestellt: „Das ist die große, bunte Bunny-Schau, und wir sind alle mit dabei…“ Warner etablierte nach und nach hier auch andere Trickfilmfiguren wie Daffy Duck, Sylvester und Tweety, Willy Koyote, Roadrunner, Speedy Gonzales, Schweinchen Dick, den Hahn Foghorn Leghorn oder den kleinen Hühnerhabicht Henry.

Bis 1969 entstanden insgesamt mehr als 1000 rund siebenminütige Trickfilme.

Markante Schneidezähne und weiße Handschuhe

Avery, der auch den lispelnden Daffy Duck erfunden hatte, verhalf dem nackten Hasen mit den markanten Schneidezähnen und den weißen Handschuhen zu einer steilen Karriere. Sie beschränkte sich nicht auf Streifen wie „Knighty Knight Bugs“, der 1959 einen Oscar in der Kategorie „Bester animierter Kurzfilm“ gewann, oder den Spielfilm „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ aus dem Jahr 1988. Neben Basketballstar Michael Jordan spielte Bugs 1996 auch in „Space Jam“ und 2003 in „Looney Tunes: Back in Action“. Dabei handelt es sich um mit Zeichentrickszenen kombinierte Realfilme.

Bugs zieht nur selten den kürzeren

Im Gegensatz zu anderen Comic-Figuren wie der Ente Donald oder dem Kater Tom, die typische Verlierer sind, zieht Bugs nur selten den Kürzeren. Der gewitzte Hase gerät zwar häufig unverschuldet in Konfliktsituationen, dabei erwischt er seine Gegner jedoch oft auf dem falschen Fuß und wehrt sich so geschickt gegen alle Anfeindungen. Das Credo des „Klugscheißers“ lautet: „Mein Name ist Hase, ich weiß Bescheid.“

Stern auf dem Hollywood Walk of Fame

Nach Micky Maus war Bugs Bunny erst der zweite Cartoon-Charakter, der 1985 einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame erhielt. Heute ist das schlaksige Langohr aus der Film- und Popkultur nicht mehr wegzudenken. Im Abspann seiner Kurzfilme singt er: „Das Publikum war heute wieder wundervoll, und traurig klingt der Schlussakkord in Moll… die Schau muss weitergehn, auf Wiedersehn!... That’s all, folks.“ (Das war’s.)

Super RTL strahlt alte Folgen aus

Auf dem Sender Boomerang Deutschland, der kostenpflichtig über das Digitalangebot der deutschen Kabelnetzbetreiber zu empfangen ist, werden täglich zwei Folgen von Bugs Bunny und seinen Looney Tunes ausgestrahlt. Super RTL sendet noch bis zum 12. August jeweils mittwochs ab 9.50 Uhr oder ab 10.40 Uhr mehrere Episoden hintereinander.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN