Maskenbildner für Filmproduktionen Georg Korpas ist der Mann für spezielle Effekte

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Für den Film „Krabat“ hat Maskenbildner Georg Korpas die Schauspieler David Kross (links) und Christian Redl als Meister in Szene gesetzt. Foto: dpaFür den Film „Krabat“ hat Maskenbildner Georg Korpas die Schauspieler David Kross (links) und Christian Redl als Meister in Szene gesetzt. Foto: dpa

Osnabrück/München. Wer mit Georg Korpas sprechen möchte, hat es schwer. Fast pausenlos ist der Maskenbildner für Filmproduktionen unterwegs. Wenn er mal Station macht in München, düst er herum, um Aufgaben abzustimmen. Und so nimmt er sich dann auf dem Fahrrad zwischen zwei Terminen Zeit für ein Gespräch.

Prag, Berlin, Ibiza und dann ein paar Monate Kroatien stehen derzeit als Stationen in Georg Korpas Kalender. Er geht auf in diesem Job, hat er doch bereits früh davon geträumt, Maskenbildner zu werden. „Als ich zwölf war, stand das fest“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion und düst durch Münchens Sonne. Als Teenager hat er eine Dokumentation über die Arbeit als Maskenbildner im Fernsehen gesehen, später dann Filme mit entsprechend geschminkten Darstellern. Dann war ihm seine berufliche Zukunft klar.

Heute arbeitet er für diverse Produktionen. So hat er für die Maske in Filmen von Bully Herbig gesorgt, darunter „(T)Raumschiff Surprise“ , „Der Schuh des Manitu“ und „Wickie und die starken Männer“ . In der Verfilmung der Fantasy-Geschichte „Krabat“ von Otfried Preußler hat er gruselige und gute Charaktere optisch geprägt. In „Der rote Baron“ setzte Korpas nicht nur Matthias Schweighöfer als Piloten hübsch in Szene, sondern auch Menschen in blutigen Kämpfen.

Klaffende Wunden und gespaltene Schädel

Mumien gestaltet er ebenso wie klaffende Wunden am ganzen Körper. Gespaltene Schädel gehören zu seiner täglichen Arbeit, wie präzise zerstörte Frisuren, Brandwunden, Narben, Einschusslöcher, Hautkrankheiten, üble Zahnfehlstellungen und Mutationen. Korpas kann mit seiner Kunst Körperteile verschwinden lassen. Wo Schminke nicht reicht, greift er zu eigens angefertigten Prothesen. Auch ganze Figuren gestaltet er, wie den Frosch im Märchen „Froschkönig“. Die Figur gab es gleich in mehreren Ausführungen – je nach Szene und Anforderung war sie schlicht aus Gummi oder mit computergesteuertem Innenleben.

Wissen gibt Korpas in Theaterseminaren weiter

Kurz und gut: Maskenbildner reicht eigentlich nicht aus, um seine Arbeit zu beschreiben. Im Internet wird Georg Korpas dann auch als „Special SFX Make-Up-Artist“ bezeichnet.

„Ich wollte immer mein eigener Herr sein“, sagt Korpas über seinen Antrieb, sich in der Filmbranche selbstständig zu machen. Je nach Aufwand arbeitet er mit vier bis fünf freien Mitarbeitern zusammen, selten vergibt er Praktikumsplätze. „Ich bilde nicht aus, dafür bin ich zu viel unterwegs“, ergänzt er noch. Sein Wissen gibt er in Theaterseminaren weiter.

Korpas selbst hat seine Karriere nach der Schule mit einer Ausbildung zum Friseur gestartet. „Maskenbildner gab es damals noch nicht als Ausbildungsberuf“. Nach den drei Jahren mit der Schere hängte er eine dreijährige Ausbildung am Theater dran. „Ich bin kein Theatermensch“, sagt er heute und so ging es Mitte der 1990er Jahre dann los mit der Arbeit für erste Filme, anschließend wurde er immer weiter empfohlen.

„Ich wollte immer zum Film, weil ich Filme liebe“

Er selbst sei bei der Arbeit nicht wichtig, betont Korpas. „Meine Aufgabe ist es, die Schauspieler zu unterstützen. Der Charakter der Figur steht im Mittelpunkt.“ Manche Schauspieler würden es noch nicht einmal mögen, eine Perücke aufzusetzen, andere genössen es, durch Korpas Maske ihre Rolle erst richtig zu finden und ausfüllen zu können. „Die Arbeit muss eine Symbiose sein“, betont der Maskenbildner, der offen ist für neue Entwicklungen. So sei beispielsweise Digitaltechnik eine Möglichkeit, das Spektrum seiner Arbeit zu erweitern.

„Ich wollte immer zum Film, weil ich Filme liebe“, erzählt Korpas immer noch radelnd und inzwischen ein wenig atemlos. Die Liebe zum Film entdeckte er, als er mit zehn Jahren nach Deutschland kam. In Ungarn hatte seine Familie kein Fernsehgerät. „Ich bin im Garten auf den Bäumen aufgewachsen“, sagt Korpas über seine Kindheit, in der er viel im Grünen herumgestromert ist. Besonders aufregend sei es dann gewesen in den Zirkus zu gehen. Dort haben ihn vor allem die Zauberer interessiert: „Die konnten aus dem Nichts etwas entstehen lassen, das fand ich magisch.“ Und auch im Schultheater habe er es spannender gefunden, hinter der Bühne die Mitschüler zu schminken, als selbst in eine Rolle zu schlüpfen.

Derzeit bereitet sich Korpas auf das nächste große Projekt vor. Für mehrere Monate wird er die „Winnetou“-Verfilmung im Auftrag von RTL in Kroatien begleiten. In dem Dreiteiler ist Wotan Wilke Möhring als Old Shatterhand besetzt. Derzeit kümmert sich Georg Korpas nicht nur um dessen Frisur, sondern auch um die der anderen Schauspieler und Komparsen: „Ich brauche 100 Scalps“, erzählt der Maskenbildner. Deshalb fährt er gerade zu Perückenmachern und hat dieses Mal auch die Funktion eines Koordinators. „Eigentlich mache ich gern alles selbst“, sagt der Künstler und radelt dem nächsten Termin entgegen.


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