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Sing meinen Song 2015 Daniel Wirtz flucht, Naidoo heuchelt: das Tauschkonzert



Berlin. Sing meinen Song 2015: Daniel Wirtz stand am Dienstag im Mittelpunkt des Vox-Tauschkonzerts. Xavier Naidoo erweist sich als Heuchler. Yvonne Catterfeld rettete die Show.

„Sing meinen Song – Das Tauschkonzert 2015“ stand am Dienstag im Zeichen der Musik von Daniel Wirtz. Daniel wer? Richtig: Diesmal ist der bärtige Musiker dran, den keiner kennt. Nicht mal die beteiligten Musiker selbst. (Kommt Reinhard Mey ins Tauschkonzert 2016?)

Xavier Naidoo redet Unsinn

Xavier Naidoo und seine Gast-Musiker erklären gleich zu Beginn, dass Daniel Wirtz ein harter Rocker ist und total verdorbene Texte schreibt. Naidoo lässt diese ungewöhnlich raue Sprache bis zum Ende von „Sing meinen Song“ nicht los. „Ich hab gefickt, ich hab gesoffen“, zitiert er Wirtz und fragt dann: „Warum gehst du so hart in die Texte rein.“ Ja, warum nur? Und vor allem: Warum findet Xavier Naidoo das überhaupt hart? In seinen homophoben Anti-Pädophilie-Anti-Abtreibung-Song „Wo sind“ geht er selbst bekanntlich so rein: „Ich schneide euch jetzt mal die Arme und die Beine ab. Und dann fick ich euch in den Arsch, so wie ihr es mit den Kleinen macht.“ (Wieso waren Naidoo und die Söhne Mannheims getrennt? Zum Hintergrund.)

Christina Stürmer legt Wirtz‘ Langeweile frei

Das Daniel-Wirtz-Tauschkonzert beginnt mit Christina Stürmer, der liebsten und langweiligsten Musikerin im Vox-Panel. Schon in ihren Vorabkommentaren ist die Vulgärsprache das, was sie an den Songs von Wirtz am meisten beschäftigt. Über die Nummer, mit der sie antritt, sagt sie dann unerschrocken: „Ich bin in seiner Sprache geblieben, man muss aber auch sagen: Bei ‚Mon Amour‘ kommen keine schlimmen Wörter vor.“ Na, Gott sei Dank! Wie wenig an der immer wieder beschworenen Härte von Daniel Wirtz dran ist, sieht man dann an Stürmers Vortrag. Der Song, mit dem der tätowierte Vollbart Wirtz sonst wüste Jungs anspricht, lässt sich bruchlos in Christina Stürmers Heile-Welt-Rock integrieren. (Naidoo verdrängt Coldplay aus den Charts: Über den Erfolg von „Sing meinen Song - das Tauschkonzert.)

Andreas Bourani singt Wirtz den Schmutz vom Song

Sub7even, Daniel Wirtz’ erste Band, war keine Casting-Boygroup, wurde aber so vermarktet – samt Gastauftritt bei „Verbotene Liebe“. Wirtz dementiert in seiner Solo-Karriere die glatte Vergangenheit mit Bart, Tattoo und Leck-mich-Lyrics. Und mit einer Stimme, die großen Wert aufs Raue und Verlebte legt. Der Song „Ne Weile her“ scheint hier so eine Art Markenzeichen zu sein. Bei der hellen Aufregung über Wirtz total verdorbene Texte wird immer wieder der Eröffnungsreim zitiert: „Ich hab gefickt, ich hab betrogen, mich durchs Leben gelogen.“ Du liebe Güte! Wer das schlimm findet, hat noch nie mit Schülern gesprochen. Andreas Bourani pfeift zu Recht auf die Underground-Attitüde und kleidet die Nummer ungerührt in seine schönsten Klangfarben. (Vom Oben-ohne-Model zum WM-Sieger: Andreas Bourani in 10 Fakten.)

Hartmut Engler: Dschungelcamp-Kritik beim RTL-Schwestersender

In Hartmut Englers Wirtz-Song „Overkill“ gibt‘s auch wieder einen Kraftausdruck: Man kann nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte, heißt es hier. Engler: „Wenn mir das eingefallen wäre, dann hätte ich das bei PUR auch gemacht.“ Wieso? Weil der Song sich gegen das miese Trash-TV richtet. Wirtz selbst erklärt es: Mit dem Overkill meint er das Dschungelcamp, und das ist für ihn „Volksverblödung de luxe“. Gerechter Zorn bei Vox, dem RTL-Schwestersender, der sich mit Qualitätsformaten wie der „Promi Shopping Queen“ wacker dem Schund entgegenstemmt. (Wer ist Daniel Wirtz? Zum ehrlichen Porträt.)

Xavier Naidoo im Tauschkonzert: „Frei“ von Daniel Wirtz

Wieso bloß hat Xavier Naidoo diesen unbekannten Daniel Wirtz in seine Show geholt? Womöglich nur, damit er dessen Nummer „Frei“ singen kann. Der Song hat alles, was Naidoo liebt: pathetische Leerformeln über „Lichter, die man in Dunkelheit gesperrt“. Außerdem formuliert Wirtz Anklagen gegen finstere Verschwörer, deren undurchsichtiges Wirken sich in verschachtelten Versen niederschlägt. „Du solltest sprechen für all jene, die nicht reden können von diesen Dingen, weil die, die es nicht hören wollen, sie sonst ganz schnell zum Schweigen bringen.“ Das hätte auch Naidoo nicht besser verschwurbeln können. Mit dem Ankerwort von der Freiheit trifft das Lied auch noch ein politisches Kernanliegen des Aktivisten Naidoo, der Deutschland für einen immer noch besetzten, seiner Souveränität beraubten Staat hält. (Ausgerechnet: Naidoo besingt „Deutschland“ beim „Tauschkonzert“.)

Die Prinzen drücken sich vor Wirtz: „Hier“

Eigentlich hätte es lustig sein können, Daniel Wirtz‘ Wilder-Mann-Posen mit der Grundschul-Naivität der Prinzen zu konterkarieren. Sebastian Krumbiegel und Tobias Künzel drücken sich davor und wählen mit „Hier“ einen Song, den Wirtz geschrieben hat, damit sich seine Mutter auch mal was von ihm anhören mag. Dem Coversong fehlt jede Reibung. (Sommer-Dschungelcamp 2015: Diese Kandidaten machen wirklich mit.)

Yvonne Catterfeld rettet das Tauschkonzert

Die Verrisse seines ersten Solo-Albums hat Daniel Wirtz zu einem Songtext kompiliert, der den Titel „L.M.A.A.“ trägt. Gegröhlt und vom Betroffenen selbst gesungen, ist die Nummer vielleicht ein bisschen platt. Wenn Yvonne Catterfeld sich die Orgie des Zurückfluchens zueigen macht, wird es gleich viel interessanter – weil Rumschnauzen anders als bei Wirtz nicht zu ihrem Image gehört. Dass sie aus dem Rocksong eine groovige Neo-Soul-Nummer im Stil von Amy Winehouse macht, ist dann auch noch musikalisch gut.

Wer singt was von Daniel Wirtz im Tauschkonzert?

Diese Songs von Daniel Wirtz hören Sie am 23.6. beim Tauschkonzert:

  • Christina Stürmer – Mon Amour
  • Andreas Bourani – Ne Weile her
  • Hartmut Engler – Overkill
  • Xavier Naidoo – Frei
  • Die Prinzen – Hier
  • Yvonne Catterfeld – L.M.A.A.


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