Aus Stefanie wird Jennifer TV-Serie von Harald Wehmeier und Andreas Altenburg

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Das Autorenduo Andreas Altenburg (links) und Harald Wehmeier hat wieder zugeschlagen und fürs Fernsehen die Miniserie „Jennifer – Sehnsucht nach was Besseres“ geschrieben. Foto: NDR/Jochen MosebergDas Autorenduo Andreas Altenburg (links) und Harald Wehmeier hat wieder zugeschlagen und fürs Fernsehen die Miniserie „Jennifer – Sehnsucht nach was Besseres“ geschrieben. Foto: NDR/Jochen Moseberg

Osnabrück. Nachdem sie mit „Frühstück bei Stefanie“ ganze Betriebe lahmgelegt haben, dürfen Harald Wehmeier und Andreas Altenburg jetzt ins Fernsehen: Ende des Jahres sendet der NDR drei Folgen von „Jennifer – Sehnsucht nach was Besseres“. Worum es in der Serie geht, hat der gebürtige Osnabrücker Harald Wehmeier unserer Redaktion erzählt.

Der phonetische Hinweis vorweg: Wenn im Folgenden von Jennifer die Rede ist, möge es der Leser im Kopf deutsch aussprechen. Einfach so wie Jacke oder Jesus. „In dem Universum, das wir ausleuchten, sagen die Leute doch nicht Dschennifer. Die sagen Jennifer!“

Das Universum, von dem Harald Wehmeier spricht, ist im konkreten Fall ein Friseursalon im Hamburger Umland. Dort lassen Wehmeier und sein Kompagnon Andreas Altenburg ihre Serie „Jennifer – Sehnsucht nach was Besseres“ spielen. Der falsche Dativ ist ebenfalls gewollt, in einem Fernsehbeitrag des NDR setzte Altenburg dem Ganzen kürzlich noch die Krone auf: „Man kann sagen, Jennifer will nach was Besseres hin.“

Laut Wehmeier hat sich bereits ein Zuschauer darüber beschwert, dass es Sehnsucht nach was Besserem heiße und er für so einen „falsch geschriebenen Scheiß“ auch noch Gebührengelder bezahlen müsse.

Die Könige der gesprochenen Alltagssatire sind also wieder da, zwei Jahre, nachdem sie „Frühstück bei Stefanie“ beendet haben. Seit dem ffn-Frühstyxradio gab es keine erfolgreichere Radio-Comedy in Deutschland, manche Betriebe legten kollektiv die Arbeit nieder, wenn NDR2 eine neue Folge aus dem Schlemmerbistro sendete.

Der 62-jährige Wehmeier verabschiedete sich mit dem Ende von „Steffi“ in eine Art Vorruhestand : Er wolle sich stärker um sein Weingut auf Lanzarote kümmern – und in Ruhe verrückt werden. Altenburg produziert seit mittlerweile einem Jahr alleine den Nachfolger von „Frühstück bei Stefanie“ mit dem Titel „Wir sind die Freeses“.

Dass Wehmeier und Altenburg jetzt fürs Fernsehen arbeiten, ist Lars Jessen zu verdanken. Der erfolgreiche Regisseur kommt wie Altenburg aus Dithmarschen und hat einfach mal nachgefragt, ob das Duo nicht Lust habe, eine TV-Serie zu schreiben. Was der Zuschauer nun Ende des Jahres zu sehen bekommt, hätte auch ein Radioformat werden können. „Die Idee, eine Serie im Friseursalon spielen zu lassen, hatte ich schon zu NDR-2-Zeiten“, sagt Wehmeier. „Ich habe mir immer die Frage gestellt: Was sind die besten Hotspots der Realität?“

In „Jennifer“ geht es um eine 29-jährige Hilfsfriseuse, deren geordneter Arbeitsalltag durcheinandergerät, als ihr Chef stirbt. Die Leitung des Salons übernimmt dessen Witwer, und der strukturiert erst mal den ganzen Laden um. „Für Jennifer ist das der Moment, in dem sie beginnt, aus ihrem Alltag ausbrechen zu wollen“, sagt Harald Wehmeier. Die titelgebende „Sehnsucht nach was Besseres“ bringt die junge Frau dazu, immer neue Geschäftsideen zu entwickeln, mit denen sie leider immer wieder scheitert. „Aber auf sehr sympathische Art.“

Verkörpert wird Jennifer von Katrin Ingendoh, die bislang vor allem Theater gespielt hat. Die Schauspielerin konnte sich bei einem Casting gegen 80 Konkurrentinnen durchsetzen. „Sie bringt dieses typisch Norddeutsche hervorragend rüber und sieht wirklich genau so aus, wie wir uns unsere Protagonistin vorgestellt haben.“ Zum Start der Dreharbeiten hat der NDR vor Kurzem die Hauptdarsteller der Comedy präsentiert – und mit ihren für die Rolle angeklebten Extensions und fürchterlichen roten Strähnen sieht Katrin Ingendoh auch so aus, wie man sich als Zuschauer eine Hilfsfriseurin vorstellt.

Den neuen Chef von Jennifer spielt Olli Dittrich. Mit offenem Hemd, Kettchen und einer blaugetönten Brille (Modell Ebby Thust) sieht er wiederum wie ein Lude aus den 80ern aus. Es ist die zweite Zusammenarbeit zwischen Dittrich und dem Duo Altenburg und Wehmeier; in der letzten Folge von „Frühstück bei Stefanie“ sprach der bekennende Fan der Serie den Mann, der Imbiss-Inhaberin und Vollzeitromantikerin Steffi vor den Traualtar führt.

Dass der NDR zunächst nur drei Folgen der Serie zeigen wird, entspricht der vom „Tatortreiniger“ bekannten Zurückhaltung bei Humor-Formaten, die das an „Neues aus Büttenwarder“ gewöhnte Publikum verschrecken könnten. Bis der NDR bereit war, die drei Folgen in Auftrag zu geben, verging allerdings auch noch einige Zeit. „Beim Radio geht man ins Studio, macht es, und es wird gesendet“, sagt Harald Wehmeier. „Beim Fernsehen dauert es Jahre, weil es verschiedene Entwicklungsstadien gibt und das fertige Drehbuch meist die dritte oder vierte überarbeitete Fassung ist.“

Da Harald Wehmeier nun eine Serie geschrieben hat, die in einem Friseursalon spielt, muss zum Abschluss eine etwas unverschämte Frage erlaubt sein: Welches Verhältnis hat er zu seiner Frisur, die ja irgendwo zwischen Günter Netzer und einem Haubentaucher changiert? „Ein gespaltenes.“ Er habe allerdings, sagt Harald Wehmeier, eine private Studie durchgeführt, die das Ergebnis gebracht habe, dass er in seiner Altersklasse der Einzige sei, der noch alle Haare habe. „Und deswegen lasse ich sie auch alle dran!“


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