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Dirk Stermann im Porträt Dirk Stermann ist der beliebteste Deutsche in Österreich

Von Sarah Engel


Wien. Er gilt als beliebtester Deutscher in Österreich. Dirk Stermann kam Ende der 80er Jahre zum Studieren nach Wien, arbeitete für den ORF und blieb. Dort kennen Fans ihn vor allem aus der Late-Night-Show „Willkommen Österreich“, die er gemeinsam mit seinem Kabarettkollegen Christoph Grissemann im ORF moderiert.

Kabeltragen lag ihm nicht, und er war verliebt. Es brauchte nur zwei Gründe, die Dirk Stermann 1987 nach Wien brachten. Der gebürtige Duisburger wollte schon in jungen Jahren zum Fernsehen. Als Kabelträger startete er in Düsseldorf. Eine Sackgasse, Dirk Stermann scheiterte. „Ich war wirklich zu blöd, das Kabel zu tragen“, sagt der 49-Jährige heute und lacht. Zum Glück war er verliebt. Doch die Dame studierte in Wien. Der Rheinländer folgte ihr. In Wien wollte er Theaterwissenschaften, Film und Medienwissenschaften studieren und der Branche treu bleiben. Die Schwärmerei endete schnell, aber Stermann blieb. Heute gilt er als beliebtester Deutscher Österreichs.

Erfolgreiche Berufsehe

Mit seinem Kollegen Christoph Grissemann moderiert er seit 2007 die wöchentliche Late-Night-Show „Willkommen Österreich“ im ORF. Seit mehr als 25 Jahren arbeitet das Duo zusammen. Neben ihrer Dienstagabendshow ziehen die beiden mit Kabarettprogrammen durchs Land, moderieren Radioshows und spielen in Filmen mit. Die Berufsehe zwischen dem Deutschen und dem Tiroler begann in der Jugendredaktion des Österreichischen Rundfunks. Hier versuchten sie sich zunächst an seriösem Journalismus. In einem ihrer ersten Fernsehbeiträge wollte sie einem Gastronomen Ausländerfeindlichkeit nachweisen. Mit versteckter Kamera und einigen jungen Türken tranken sie ein Bier in seiner Kneipe. „Aber das Equipment war so groß, dass der Wirt uns sofort enttarnt hat“, sagt Dirk Stermann. Mit den Worten „Die Türken dürfen bleiben, aber die vom ORF sollen sich schleichen“, warf er die beiden raus.

Karrierestart im Radio

Ein anderer Plan musste her. Stermann und Grissemann landeten beim Radio und probierten sich mit satirischen Figuren und humoristischen Talks aus. Ihr Radioformat „Salon Helga“ wurde zunächst beim Sender Ö3 und später auf dem ORF-Jugendkanal FM4 gesendet. Anfangs seien sie grottenschlecht gewesen, erinnert sich der Kabarettist. „Viele rieten uns, früher Platten zu spielen und weniger zu sprechen“, sagt er. „Aber wir fanden es unterhaltsam.“ Andere Hörer wohl auch. Trotz der Kritik wurde die Sendung zum Kult und für die Moderatoren zum Sprungbrett.

Doch warum funktioniert das österreichisch-deutsche Doppel so gut? „Wir haben einen ähnlichen Humor“, sagt der Vater einer Tochter und überlegt kurz. „Und wir schlingen beim Essen. Niemand isst so schnell wie wir.“ Hinzu kommt, dass beide ostdeutsche Mütter haben. Dann hören die Gemeinsamkeiten aber schon wieder auf. Sein Tiroler Kollege sei unfassbar pünktlich, erzählt der Kabarettist. „Wenn ich mich nur zwei Minuten verspäte, bekomme ich von ihm eine Nachricht mit Fragezeichen.“ Während Grissemann auf Tour das Hotelzimmer nicht verlasse, geht Stermann spazieren. „Ich muss mich bewegen“, sagt er.

Schreiben als wahre Leidenschaft

Vielleicht sortiert er dann Einfälle für seine wahre Leidenschaft: das Schreiben. Seine Bücher sind komisch und satirisch, poetisch und tragisch. Er habe ständig neue Ideen, die er aufs Blatt bringen muss. Aktuell arbeitet er an einem Buch über einen 13-jährigen Jungen. „Er wird von allen verlassen und muss sich schließlich alleine durchschlagen“, verrät er. 2017 soll das Buch erscheinen, sein Buch für 2015 steht schon in den Startlöchern. Im Herbst veröffentlicht er den dritte Teil seiner Kolumnensammlung.

Moderator für den NDR

Ein Mann mit vielen Talenten. Das hat nun auch das deutsche Fernsehen erkannt. Nach einem „furchtbar peinlichen Auftritt bei Inas Nacht“, wie der 49-Jährige findet – er hatte seinem Kollegen Grissemann ein Glas Wodka ins Gesicht gekippt – klingelte sein Telefon. Der Norddeutsche Rundfunk war am Apparat und bot ihm die Moderation für ein neues Format an. Anfang Januar erschien die erste Sendung von „Soul Kitchen“. Vier Prominente verbringen mit dem Moderator einen Abend. Sie kochen gemeinsam und erzählen aus ihrem Leben. Im September soll die nächste Folge der Reihe, welche bereits für den Grimme Preis nominiert war, gedreht werden.

Ganz nach Deutschland zurückzukehren, kann sich Stermann nicht vorstellen. Er vermisse sein Heimatland nicht, Gründe, in Wien zu bleiben, gibt es viele. Doch zwei bleiben im Gedächtnis. „Ich bin hier groß geworden“, sagt der Kabarettist, der in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert. Und damit meint er nicht nur seine berufliche, sondern auch die persönliche Entwicklung. „Außerdem ist Wien wie ein großes Sofa. Du setzt dich rein und bist zu Hause.“