Wie Obergiesing gegen Untergiesing Beckenbauer-Mockumentary „Schorsch Aigner“ überzeugt nicht

Von Hendrik Steinkuhl

Trautes Zuhause:  Schorsch Aigner mit Ehefrau Elfriede (Carolin Fink). Foto: WDR/Beba LindhorstTrautes Zuhause: Schorsch Aigner mit Ehefrau Elfriede (Carolin Fink). Foto: WDR/Beba Lindhorst

Osnabrück. Ja gut, äh, sicherlich: In seiner Mockumentary „Schorsch Aigner – Der Mann, der Franz Beckenbauer war“ beweist Olli Dittrich einmal mehr, dass keiner den Kaiser besser beherrscht als er. Wirklich zum Lachen bringt einen der Film aber nur in einer Szene – und die versprochene Parodie auf das Genre Dokumentation ist „Schorsch Aigner“ leider auch nicht.

Da sitzen also zwei Humor-Hochbegabte zusammen: Olli Dittrich, den man nicht näher vorstellen muss, und Tom Theunissen, bis heute der einzige Mann im deutschen Fernsehen, der Fußballsatire zum Schlapplachen herstellen kann. Von 1998 bis 2004 hat Theunissen für die ARD mit „Die den Adler tragen“ das Geschehen rund um die Fußball-Nationalmannschaft zu Spitzenhumor verarbeitet; zuvor hatte er in Friedrich Küppersbuschs „Privatfernsehen“ das Gleiche mit einer Kreisligatruppe aus dem Ruhrpott getan.

Dass sich Olli Dittrich diesen Mann als Ko-Autor und Interviewer für seine Scheinbar-Doku „Schorsch Aigner – Der Mann, der Franz Beckenbauer war “ ausgesucht hat, ist mehr als verständlich. Umso unverständlicher ist, was für einen lahmen Film diese zwei Männer gedreht haben. Wäre die Fake-Doku ein Fußballspiel, dürfte man nach dem Abpfiff den Kaiser zitieren: „Das war wie Obergiesing gegen Untergiesing.“

Die Grundidee ist nett: Franz Beckenbauer hat einen Doppelgänger, der ihn seit Jahrzehnten bei allen möglichen Gelegenheiten doubelt. Herbeigeführt wurde das Possenspiel laut Schorsch Aigner vom früheren Nachbarn: „Es hätte ihn so fasziniert, dass ich eine Stimme hätte wie der Beckenbauer.“ Bei dem Nachbarn handelte es sich um den 2002 verstorbenen Robert Schwan, er war Beckenbauers legendärer Manager und Urheber des Satzes: „Ich kenne nur zwei vernünftige Menschen: Robert Schwan am Vormittag und Robert Schwan am Nachmittag.“

Dieser bescheidene Mann hatte dann die Idee, den stimmverwandten Nachbarn zur Nachvertonung eines späteren Werbeklassikers zu schicken: „Kraft auf den Teller – Knorrrrrr auf den Tisch“, hören wir auch heute noch den Kaiser immer wieder sagen. Aber spricht da wirklich der Kaiser? „Immer war irgendetwas auf der Tonspur: Mal hat ein Löffel getropft, einmal war eine Nudel auf der Zunge“, sagt Schorsch Aigner. Weil der Franz selbst bei der Nationalmannschaft war, sprach er eben den Spot ein. Dank eines dann irgendwie auch noch passend zurechtgemodelten Äußeren war er fortan der Doppelgänger des Kaisers.

Anschließend geht die Mockumentary den erwartbaren Weg: Ereignisse im Leben des Kaisers werden als Auftritte eines Doubles entlarvt. Um zu funktionieren, müsste die getürkte Doku nun entweder sehr originelle Erklärungen dafür liefern, wie man den falschen Franz immer wieder unbemerkt eingeschleust hat, oder die Szenen müssten so unterhaltsam sein, dass die Erklärungen nicht weiter wichtig sind. Beides ist nicht der Fall.

Meist sitzt Olli Dittrich als Schorsch Aigner auf dem Sofa seines Hauses und erzählt. Was der Zuschauer dabei sieht, ist nichts anderes als eine Parodie des Kaisers. Doch mehr als einen vorstellbaren Beckenbauer-Blödsinnsspruch wie „Der Amerikaner ist ein Eishockeyspieler oder sonst was“ liefert Dittrich nicht ab. Der Rest sind die allseits bekannten kaiserlichen Marotten: verhaspeln, verheddern, an der Kamera vorbeischauen und zigmal „Ja gut, äh ...“

Dafür braucht es aber keine Mockumentary. Zumal nicht, wenn etwa der Einsatz von Schorsch Aigner bei „Gute Freunde kann niemand trennen“ damit erklärt wird, dass Franz Beckenbauer insgeheim ein professioneller Sänger war, Schorsch Aigner dagegen die Amateurstimme hatte, mit der man den Kaiser aus nicht näher erklärten Gründen lieber vermarkten wollte.

Dass Ralph Siegel dem ganzen Schmäh durch ein paar bestätigende Sätze einen Hauch von Glaubwürdigkeit verleiht und dass andere Prominente an anderen Stellen das Gleiche tun, ist typisch für eine Mockumentary, hat in diesem Fall aber eigentlich nur einen Effekt: Es fällt einem wieder auf, dass das hier ja eine Mockumentary sein soll. Denn ansonsten sind die 30 Minuten wie erwähnt eine Parodie auf Franz Beckenbauer – aber eindeutig keine Parodie auf das Genre Dokumentation. Genau wie „DasTalkgespräch“ , mit dem sich Olli Dittrich vor einigen Monaten dem Genre Talkshow gewidmet hat, ist auch „Schorsch Aigner“ nur ein Figurenspiel mit mauem Drehbuch. Genauso wie „DasTalkgespräch“ (dort ist es ein Interview über das „Polar-Zebra“) enthält aber auch die Mockumentary eine Passage, die so gut ist, dass man sich dafür auch ruhig die vollen 30 Minuten antun kann. Als Schorsch Aigner in der Allianz-Arena Goleo wiedertrifft, das hosenlose Maskottchen der WM 2006, beginnt ein herrliches Possenspiel, in dem Aigner schließlich aufklärt, wie viele andere Prominente ebenfalls gedoubelt werden.

Das Gerede über die Doppelgänger von Barack Obama und Michael Jackson endet schließlich in einem Satz, der das oft so bräsige Gequassel Franz Beckenbauers auf die schönste Art parodiert: „Dös is auch kein echter Löwe ja, hehe!“

Die Fake-Doku läuft am Donnerstag um 23.30 Uhr in der ARD.