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Heidi Klum im Spätprogramm? GNTM 2015: Jugendschutz prüft Pro Sieben – welche Strafe droht?

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GNTM 2015: Muss Heidi Klum mit „Germany‘s Next Topmodel“ aus Jugendschutzgründen ins Spätprogramm? Das fordert der Verein Pinkstinks. Foto: Henning Kaiser/dpaGNTM 2015: Muss Heidi Klum mit „Germany‘s Next Topmodel“ aus Jugendschutzgründen ins Spätprogramm? Das fordert der Verein Pinkstinks. Foto: Henning Kaiser/dpa

Berlin. GNTM 2015: Läuft Heidi Klums „Germany‘s Next Topmodel“ bald im Spätprogramm? Nach einer Pinkstinks-Petition und einer medizinischen Studie prüft die Kommission für Jugendmedienschutz die Show. Welche Maßnahmen drohen?

GNTM 2015 wird auf seine womöglich jugendgefährdende Wirkung geprüft. Nachdem der Verein Pinkstinks in einer Online-Petition gefordert hatte, „Germany‘s Next Topmodel“ abzusetzen oder zumindest ins Spätprogramm zu verschieben, hat die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) nun die Prüfung des Pro-Sieben-Formats beschlossen. Hintergrund ist eine Studie des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI), die einen Zusammenhang zwischen Essstörungen und GNTM herstellt. (Daryas Demütigung: Warum ist das GNTM-Finale unfair?)

Worum geht es in der Anti-GNTM-Petition?

„Prüft ‚Germanys Next Topmodel‘! Damit 2016 nicht noch mehr Kinder und Jugendliche durch die Sendung zum Hungern animiert werden, weil Heidi Klum Erniedrigung und Sich-Zurücknehmen als ‚sexy‘ definiert.“ Mit diesem Appell wendet sich Pinkstinks an die MABB. Pinkstinks-Chefredakteur Nils Pickert wirft Heidi Klum vor, Kindern ein krankmachendes Körperbild zu vermitteln. Außerdem kritisiert er die Rituale der Anpassung und Selbstverleugnung, die bei GNTM als Erfolgsmodell einstudiert werden: „Gerade junge Mädchen mit noch schwach ausgebildetem Selbstbewusstsein können keine kritische Distanz zu dem erniedrigenden Ton der Show aufbauen und werden von GNTM in ihrer Selbstkritik bestätigt.“ Pinkstinks hatte das GNTM-Finale schon im letzten Jahr mit einer Gegenveranstaltung angegriffen. (Skandalgeschrei um GNTM 2015: 10 Argumente für Heidi!)

Was unternimmt die Medienanstalt jetzt gegen GNTM?

Die Pinkstinks-Petition hatte erst 500 Unterschriften zusammen, da zeigt sich offenbar schon eine Wirkung: Gegenüber unserer Zeitung bestätigt die Medienanstalt Berlin-Brandenburg, eine mögliche Jugendgefährdung durch GNTM prüfen zu lassen: „Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) wird das Format ‚GNTM‘ vor dem Hintergrund der aktuellen IZI-Studie in die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) einbringen und es auf mögliche entwicklungsbeeinträchtigende Wirkungen gemäß § 5 JMStV hin prüfen“, schreibt eine Referentin des Hauses. Und weiter: „Sollte die KJM zu dem Ergebnis gelangen, dass durch die Sendungen Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung negativ beeinträchtigt werden könnten, werden die entsprechenden medienrechtlichen Maßnahmen gegenüber Pro Sieben eingeleitet.“ Bis ein Ergebnis vorliegt, werden demnach noch Wochen vergehen, zumal die fragliche Studie noch nicht veröffentlicht sei. Die Anstalt verweist darauf, dass GNTM „seit Beginn seiner Ausstrahlung im Fokus der Medienaufsicht“ steht – bislang ohne negative Folgen für Pro Sieben. Trotzdem stehe „außer Frage, dass das über den Inhalt vermittelte Schlankheitsideal durchaus kritisch zu bewerten ist. Insofern sind wir an den aktuellen Studienergebnissen sehr interessiert. Diese werden in der aktuellen Bewertung Berücksichtigung finden.“ (Mehr GNTM: Tolle Schlussworte – besser kann man Heidi Klum nicht hinter sich lassen.)

Was droht Heidi Klums GNTM im Ernstfall?

Wenn die KJM zu dem Schluss kommen sollte, dass „Germany‘s Next Topmodel“ die Entwicklung von Jugendlichen beeinträchtigt, sind verschiedene Maßnahmen denkbar. Eine davon wäre, die Pro-Sieben-Show ins Spätprogramm zu verbannen. Sendungen, die für Zuschauer unter 16 Jahren ungeeignet sind, werden erst ab 22 Uhr ausgestrahlt. Formate ohne Jugendfreigabe sind nur im Zeitraum zwischen 23 und 6 Uhr zu sehen. Es können auch Bußgelder verhängt werden. (GNTM im Quotenloch: schöne Frauen und hässliche Zahlen.)

Weswegen wurde GNTM bisher geprüft?

GNTM ist seit der ersten Staffel wiederholt Gegenstand von KJM-Prüfungen gewesen, in denen es um den Einfluss der Show auf das Essverhalten ging, aber auch um religiöse Gefühle (Präsentation von Brautmode in einer Kirche) und Tierschutzaspekte (Dreh mit Delfinen). Der Sendetermin zur Primetime, der einer Altersfreigabe ab 12 Jahren entspricht, musste nie geändert werden. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, die im Falle von DVD-Veröffentlichungen auch TV-Shows prüft, hat ein Best-of der ersten drei Staffeln ab 6 Jahren freigegeben. Die KJM wies den Vorwurf, wonach GNTM ein krankmachendes Schönheitsideal verbreite, in der Prüfung der ersten Staffel 2006 zurück. Mit dem Fokus auf die Anforderungen des Model-Daseins „stelle die Sendung das Abbild einer Berufsrealität dar, die zwar kritisch zu sehen ist, aber deren Darstellung in den Medien nicht als Entwicklungsbeeinträchtigung oder Gefährdung von Jugendlichen bewertet werden könne“, hieß es damals.

Was steckt hinter der GNTM-Studie?

Pinkstinks argumentiert in seiner Anti-GNTM-Kampagne damit, dass in Deutschland jedes vierte Mädchen zwischen elf und 17 Jahren essgestört ist. Eine aktuelle GNTM-Studie stellt einen Zusammenhang zwischen Magersucht und Heidi Klum her. In der Erhebung befragte das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) Patienten mit Essstörungen zum Einfluss von TV-Shows auf ihre Krankheit. 85 Prozent der Befragten gaben „Germany‘s Next Topmodel“ eine Mitverantwortung.

Was sagt Pro Sieben zur Prüfung von Heidi Klums GNTM?

Ein Sprecher von Pro Sieben gibt zur KJM-Prüfung von GNTM die folgende Stellungnahme ab: „Die KJM muss jedes Programm überprüfen, wenn sich ein Zuschauer beschwert. Die FSK hat im Übrigen bereits ‚Germany’s next Topmodel‘ überprüft – und eine Freigabe für Kinder ab 6 Jahren erteilt. Wenn man die Studie der IZI komplett und nicht nur die Zusammenfassung liest, kommt man im Übrigen zu einem schlichten Ergebnis: Es ist sehr logisch, dass das Fernsehprogramm, das in Deutschland bei jungen Menschen am beliebtesten ist, am häufigsten genannt wird. Schon darin besteht eine methodische Fragwürdigkeit dieser Studie. Im Übrigen kann ich nur betonen: ‚Germany’s next Topmodel‘ sendet immer wieder eine Botschaft: Gesunde Ernährung und Sport sind wichtig für den Beruf eines Models. Gesunde Ernährung und Sport sind wichtig, wenn man in Schule, Wettkampf oder Beruf gefordert wird.“

Jede Träne, jedes Foto: die Themenseite zu GNTM 2015.


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