Hans und Minh-Khai liegen vorn Let‘s Dance: Was sagt Michael Hull?


Berlin. Beatrice Richter ist bei „Let‘s Dance 2015“ bald raus. Das sagt Ex-Juror Michael Hull in seiner Kritik der vierten Live-Show. Und wer sind seine Favoriten?

Auch in der vierten Live-Show von „Let’s Dance 2015“ hat der Osnabrücker Tanzprofi Michael Hull für uns zugeschaut. Irrt Joachim Llambi? Hat das Publikum den Falschen abgewählt? Exklusiv für noz.de fasst der ehemalige Juror der RTL-Show seine Eindrücke zusammen.

Let‘s Dance 2015: Worauf kommt es jetzt an?

Hat die Osterpause den Kandidaten gutgetan? Haben sie eine wirkliche Pause genommen, um sich nun mit neuer Kraft noch einmal völlig anders darzustellen? Beides spricht für sich, aber bei einigen wiederum auch nicht. Mehr und mehr trennt sich die Spreu vom Weizen. Wer holt vorhandenes Potenzial aus sich raus? Wer scheitert am Druck, das Ziel nicht erreichen zu können? Sportler fühlen sich in solchen Konflikten zuhause! Wenn man verliert, opfert man gerne die Zeit, um wieder besser zu werden, um wieder ein besseres Ergebnis erzielen zu können. Tanzen ist Kunst, ja, aber es gehört auch Ästhetik, Sportlichkeit, Selbüberwindung dazu – und viel Beweglichkeit. (Minh-Khai hip, Sarpei hop, Enissa und Ralf top: Hier geht‘s zur TV-Kritik.)

Warum gucken wir „Let‘s Dance“ so gerne?

Tanzen wird bei Initiativen zur Gesundheitsvorsorge immer wichtiger, ja, der Tanz ist jetzt schon nicht mehr wegzudenken. Gerade auch als Profi, der sein Wissen in kleinen Puzzleteile weitergibt, sieht man auch Erfolge, die sich für Körper und Geist nur von Vorteil sind. Zwischenmenschliche Beziehungen werden im Tanz gefördert und unterstützen Wohlbefinden, Einsatzbereitschaft und Lebensqualität – und schaffen mit der Hilfe der Musik ein besseres Für- und Miteinander.

Daniel Küblböck & Otlile Mabuse: der Stelzböck

Daniel Küblböck sah sehr gestelzt und hölzern aus neben Otlile. Da muss noch einiges bei ihm kommen, wenn er jetzt noch mit den anderen mithalten will. Ein Ziel kann man sich vornehmen: sich auf die Verteilung vom Grundrhythmus zu einigen! Und neben den Hauptschlägen auch die halben Schläge in der Musik zu vertanzen. (Halbe Schlagwerte bedeuten die Verdoppelung der Schritte innerhalb desselben Hauptschlags der Musik). (Hilft Motsi Mabuse Daniel Küblböck und ihrer Schwester Otlile?)

Milos Vukovic & Cathrin Hissnauer: in die Sackgasse getanzt

Musikalität ist ein Hauptbestandteil eines guten Tänzers. Auf keinen Fall darf man nur die Schrittabfolge heruntertanzen. Wer sich wie Milos Vukovic bei einer Show wie „Let’s Dance“ mit den Schrittfolgen begnügt, steckt in der Sackgasse! Der Milos hat sich mit diesem Tanz wahrlich keinen Gefallen getan. Er sah eher unbeholfen aus, die Akrobatik ausgenommen. Seine Abwahl kommt nicht überraschend. (Wer sind Vukovic und Hissnauer?)

Enissa Amani & Christian Polanc: Partner an der langen Leine

Hier kann man sehen, wer sich durch spielerische Freiheit weitergebildet hat. Das Führen und Spüren ist ein Spiel, das allen Formen des Tanzens gemeinsam ist. Ob man sich nun darauf einlässt oder nicht. Auch die Dame darf die Initiative ergreifen und ihre Stärke zeigen – ein guter Partner gibt kurzzeitig die lange Leine. Der Salsa-Vortrag von Enissa und Christian war – trotz zu großer Schritte – feurig und berauschend anzuschauen. Ein rhythmisch eleganter Tanz mit flüssigen sehenswerten Bewegungen machen ihn, neben dem Tango Argentino, zu Recht zu einem begehrten Tanz. (Wer sind Amani und Polanc?)

Thomas Drechsel & Regina Murtasina: Es geht voran!

Thomas hat sehr gute Fortschritte gemacht und tanzt jetzt mehr. Seine Armbewegungen waren gut und auch nicht affektiert. Fazit: ein sehr guter Rumba-Vortrag.

Katja Burkard & Paul Lorenz: Wieso mussten sie nur zittern?

Bei diesem Quickstep-Vortrag sahen wir zwei sehr engagierte Menschen, die sich im Medium Tanz keine Pause gegönnt haben. Der Quickstep ist der Sportlichste der Standardtänze, und da muss alles stimmen. Jeder Fehler ist sofort sichtbar. Und hier war er sehr elegant und schön anzuschauen. (Wer sind Burkard und Lorenz?)

Ralf Bauer & Oana Nechiti: ein Taumpaar

Die Paarzusammenstellung behält der Sender sich vor, und ich muss sagen: Im Fall von Ralf Bauer und Oana Nechiti ist es sehr gut geglückt. Trotzdem hat mir der Tango-Ansatz oder der Tango Argentino nicht so gefallen wie dem Herrn Llambi. Es waren mir zu viele Hebefiguren und zu wenig Paartanz. Als ob das Spektakuläre der Grundbewegungen gar keine Priorität mehr hat und für die Schau nicht mehr einzusetzen wäre.

Matthias Steiner & Ekaterina Leonova: Üben, üben, üben

Hier kann man sehen: Der Schlüssel zum Erfolg ist und bleibt allein das Üben! Die Wiederholung ist der Reiz des Ehrgeizes! Die Wiederholung ist die Mutter der Pädagogik! Matthias Steiner verkörpert nicht nur den Tanz, sondern er verbindet ihn mit einer Geschichte über Kultur und Herkunft des Tanzes. Ein gelungener Vortrag zum Paso Doble – der nicht so einfach ist.

Minh-Khai Phan-Thi und Massimo Sinató: Vorsicht, Emotion im Spiel!

Man sieht bei einigen: Das Tanzen führt nicht nur zur Begeisterung. Es schafft auch Emotionen zwischen den Tänzern – wie bei Minh-Khai Phan-Thi und Massimo Sinató! In der Musik zeigen sie uns, wie sehr sie sich beim Tanz als Team gewonnen haben. Eine Gefühlsäußerung, die mehr als eine schöne Nebensache ist! (Minh-Khai und Massimo: Krank ins Finale?)

Hans Sarpei & Kathrin Menzinger: Hier tanzt ein Top-Favorit

Die tänzerische Vielfalt, die Hans hier vorführt, lässt einige einer Konkurrenten erblassen. Tanz ist wie eine eigene Sprache, eine Grundform der Kultur. Mit seiner Vielfalt hat Hans deutlich klargestellt, dass er auch im HipHop eine sehr gute Figur zeigen kann. Er wird – neben Minh-Khai – mehr und mehr zum Topfavoriten auf der „Let’s Dance“-Skala. (Wer sind Sarpei und Menzinger?)

Detlef Steves & Isabell Edvardsson: Toller Mann, oller Tänzer

Die Kraft, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, die hat der Detlef bewiesen – aber im Vergleich zu den Anderen wird er den Kürzeren ziehen. Ein Salsa der 50er Jahre ohne Grundgeschwindigkeit ist zu schwach. Trotzdem: Ein toller Mann mit sehr angenehmen Zitaten. (Wer sind Steves und Edvardsson?)

Beatrice Richter & Vadim Garbuzov: Wir sind dann mal raus!

Ich schätze stark, bei den beiden heißt es bald: „Wir sind dann mal raus“! Ihr Quickstep war – insgesamt und überhaupt – eine zu schwache Vorstellung. Und das bei diesem lebendigsten der Standardtänze!

„Let‘s Dance“ zwischen Entertainment und Authentizität

Ein Schlusswort zu den Kandidaten: „Let‘s Dance“ ist eine Unterhaltungssendung, in der auch viel mit Klischees gearbeitet wird. Wer sind die ehrlichsten Typen in der Show? Für mich sind das Matthias, Detlef und Minh-Khai. Ihre Natürlichkeit dringt durch die Leistung hindurch. Finde ich gut. (Weiterlesen: Küblböck küsst Llambi – die Highlights der ersten Show.)

Wer ist weiter? Wer ist raus? Alles zu „Let‘s Dance 2015“ auf unserer Themenseite.


Michael Hull holte zwei Jahrzehnte lang einen Weltmeistertitel nach dem anderen. In den ersten beiden Staffeln von „Let‘s Dance“ saß er als Juror neben Joachim Llambi auf dem Podium. Er lebt in Osnabrück, wo der 55-Jährige an seiner Tanzschule sein Können weitergibt.

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