Gespräch mit Aglaia Szyszkowitz Multitasking und Konfliktstoff: ARD-Film „Hochzeitskönig“

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Eine Paraderolle hat Aglaia Szyszkowitz in der ARD-Komödie „Hochzeitskönig“ gefunden. Foto: ARD Degeto/Barbara BauriedlEine Paraderolle hat Aglaia Szyszkowitz in der ARD-Komödie „Hochzeitskönig“ gefunden. Foto: ARD Degeto/Barbara Bauriedl

Osnabrück. Eine Sozialarbeiterin, die sich nebenbei als Hochzeitsplanerin verdingt – das klingt nach Multitasking und reichlich Konfliktstoff. Hauptdarstellerin Aglaia Szyszkowitz sprach mit unserer Redaktion über ihre Rolle im ARD-Film „Hochzeitskönig“.

Als Kommissarin Jenny Berlin ermittelte sie in „Einsatz in Hamburg“ , in „Das Sams“ spielte Aglaia Szyszkowitz an der Seite von Ulrich Noethen . Die erneute Zusammenarbeit mit „Sams“-Regisseur Ben Verbong war für die 47-jährige Österreicherin einer der Gründe, die Hauptrolle im „Hochzeitskönig“ zu übernehmen. „Außerdem war die Mischung aus Patchworkfamilie und Sozialarbeiterin eine reizvolle Herausforderung“, so Szyszkowitz. „Patchwork ist ja ein Modell, das einem heutzutage ständig begegnet, aber es sind wenig gute Filme darüber entstanden.“

„Wirklich ein Horror“

Im Film spielt Szyszkowitz die Sozialarbeiterin Hannah König, die, von ihren stressigen Arbeitsbedingungen immer stärker frustriert, sich auch noch um die Hochzeitsagentur ihrer kranken Mutter kümmert. Dabei hat sie daheim schon genug um die Ohren: Lebensgefährte Barney (Marcus Mittermeier) und sein pubertierender Sohn ziehen mit Hannah und ihrer Tochter zusammen. Die Konflikte sind vorgezeichnet.

„Den pubertierenden Jungen mit dem Kopfhörer im Ohr fand ich wahnsinnig lustig“, erinnert sich Aglaia Szyszkowitz an die Szene im Film, in der die Entscheidung für das Patchworkmodell an Barneys medienaffinem Sohn mangels Aufmerksamkeit glatt vorbeizieht. „Für uns ist diese Generation der ständig an irgendeinem Elektrogerät hängenden Kinder wirklich ein Horror. Es ist einfach gewünscht, ständig online zu sein. Für Kinder ist es noch viel schwieriger, dieser Faszination zu widerstehen.“

Das größte Problem im Film hat aber Hannahs Kundin Jenny (Ulrike C. Tscharre). Sie steht kurz vor der Hochzeit, doch ihr Verlobter weiß nichts von ihrer Spielsucht. Hannahs Helfersyndrom zwingt sie dazu, sich in Jennys Leben einzumischen und dabei ihr eigenes sträflich zu vernachlässigen.

Eigentlich wäre die Geschichte um Hannah, ihre schrulligen Klienten bei der Sozialstation, das Hochzeitsgeschäft und die Patchworkfamilie Stoff genug für eine turbulente Tragikomödie. Durch den Nebenstrang um die Spielerin verliert der Film sein Thema leider aus dem Fokus und so ein wenig an Schwung.

Auch Aglaia Szyszkowitz lagen besonders die Szenen am Herzen, in denen Hannah hilfsbedürftige Menschen besucht. In ihrer Zeit als Medizinstudentin arbeitete sie mit einem an Leukämie erkrankten Mädchen. „An diese Besuche, auf die sie den ganzen Tag gewartet hat, musste ich sehr oft denken. Ich hätte mir auch gut vorstellen können, weiter in einem helfenden Beruf zu bleiben, aber der Wunsch nach der Schauspielerei war stärker.“

Die Schwierigkeit loszulassen kennt Szyszkowitz aber auch als Schauspielerin. „Man lernt das mit den Jahren aber besser, für sich Mechanismen zu finden, wie man aus der Figur herauskommt. Wenn ich Theater spiele, nachts um zwölf nach Hause komme und immer noch so aufgedreht bin, gehe ich immer in die Badewanne, um mich zu beruhigen, das ist mein Ritual.“

Neben der Schauspielerei inszeniert Szyszkowitz an der Schule ihrer Kinder jedes Jahr ein Musical. Indem sie den Schülern die Rollen auf den Leib schreibt, bekommt auch diese Tätigkeit etwas Helfendes. „Ich schaue, wer hat komödiantisches Talent, wer kann eine große Rolle tragen, wen kann ich herausfordern, über sich selbst hinauszuwachsen?“

Auch die Filmfigur mit Helfersyndrom hat Serienpotenzial, glaubt Szyszkowitz. „Wir werden eine Reihe machen, aber nicht mit einer Hochzeitsplanerin. Ich baue an dieser Reihenfigur selbst mit. Das reizt mich natürlich umso mehr.“

Hochzeitskönig, ARD, Freitag, 10. April, 20.15 Uhr


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