Neue WDR-Reihe ab Montag (R)echt clever: Serie mit neuem Format


Osnabrück. So was gibt es: Da kommt man auf dem Kundenparkplatz zu seinem Auto zurück, und der Wagen ist zugeparkt, vom Parkrüpel keine Spur: Was tun? Dieser und ähnlichen Fragen geht der Anwalt Samy Hammad in der neuen sechsteiligen WDR-Reihe „(R)echt clever“ nach.

„Meines Wissens ist die Sendung etwas völlig Neues im deutschen Fernsehen“, sagt Hammad im Gespräch. „Es ist nämlich eine wunderbare Mischung aus Unterhaltung und Ratgeber.“ Unterhaltung deshalb, weil die Beispielszenen mit versteckter Kamera gefilmt werden. Wie bei „Verstehen Sie Spaß?“ werden dabei nichts ahnende Menschen in dumme Situationen gebracht. Zum Beispiel zugeparkt oder beschuldigt beim Rangieren einen Schaden verursacht zu haben. Oder sie werden von angeblichen Polizisten aufgefordert, ins Röhrchen zu pusten. „Die Szenen sind echt“, sagt Hammad. „Wir bringen wirklich irgendwelche Bürger in diese Situationen.“ Nur die jeweiligen „Gegner“ sind professionelle Schauspieler, und die treiben die Situation oft auf die Spitze. Das kann lustig wirken, ist aber manchmal auch etwas peinlich oder langatmig. Wie immer bei solchen Formaten. „Ich finde die Szenen spannend und manchmal auch amüsant“, meint Samy Hammad. „Und bei der Auflösung der Situation erfolgt dann die Erklärung. Diese Rechtstipps: Das ist der Mehrwert der Sendung.“

Die Methode funktioniert nicht nur im Verkehrsrecht, dem die erste der zunächst sechs Folgen gewidmet ist. Sie klappt auch beim Mietrecht, im Urlaub oder beim Einkauf. Immer folgen mehr oder weniger realistischen und mehr oder weniger lustigen Szenen die juristischen Erläuterungen. Und so erfährt man dann, dass man den unverschämt parkenden Wagen durchaus nicht abschleppen lassen darf. Oder dass man auch Polizisten nicht einfach so in den Kofferraum schauen lassen muss. Oder wie man sich gegen Strafmandate wehren kann. Alles nicht unbedingt komplett neu, aber doch ganz interessant. „In meiner Praxis als Anwalt bin ich manchmal erstaunt, was die Einzelnen alles wissen über ihre Rechte und Pflichten“, sagt Samy Hammad. „Viele haben ein gutes Empfinden für Recht und Unrecht und ein gutes Gefühl für das, was bei einem Rechtsstreit herauskommen müsste.“ Trotzdem gibt es immer wieder Überraschungen, wie die „Top 5 der kuriosesten Ordnungswidrigkeiten“ zeigen.

Angereichert wird der Informationsanteil der Reihe außerdem durch Experteninterviews. Etwa mit einer Verkehrspsychologin, die über Aggressivität und den sogenannten Idiotentest aufklärt. Auch der Sinn der vielen Kameras, die besonders auf Autobahnen montiert sind werden im Interview erläutert, genauso wie die Frage, was eigentlich mit den Bildern geschieht, die diese Kameras machen. „Wir bemühen uns bei den Expertengesprächen um Ausgewogenheit“, so Hammad. Beim Mietrecht fragen wir beispielsweise Mieterverbände genauso wie Makler oder Vermieter.“ Und immer wieder auch den „gesunden Menschenverstand“ von Otto Normalbürger auf der Straße.

Samy Hammd macht das alles erkennbaren Spaß. Der Sohn eines Jordaniers und einer Deutschen betreibt seit einigen Jahren eine Anwaltskanzlei in seiner Offenburger Heimat. „Irgendwann suchte „Das Ding“, der Jugendsender des SWR, einen Experten für Rechtstipps für Jugendliche“, erzählt er über die Anfänge seines Medieneinsatzes. „Das hat mir riesigen Spaß gemacht. Es ist einerseits etwas ganz anderes als die manchmal ziemlich trockene Schreibtischarbeit und hat trotzdem viel mit Juristerei zu tun.“ Inzwischen ist Hammad auch für Kabel.1 unterwegs und jetzt für den WDR. Verändern sich da die beruflichen Schwerpunkte? „Nein, nein“, meint der Anwalt, der gerade auf dem Weg zum nächsten Dreh ist. „Die Drehs sind ja immer nur tageweise, da bleibt weiter viel Zeit für meine Kanzlei.“ Die vermutlich boomt, denn so viele „echt praktizierende Fernsehjuristen“ gibt es trotz Anwaltsserien und „Wir-kämpfen-für-Ihr-Recht-Doku-Soaps“ eben nicht.


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