„Fasching in Neukölln“ beklagt Horst Krause ist „gegen dieses Multi-Kulti“

Von David Sarkar

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Horst Krause bei der Aufzeichnung der „NDR Talk Show“ am 3. April in Hamburg. Foto: ImagoHorst Krause bei der Aufzeichnung der „NDR Talk Show“ am 3. April in Hamburg. Foto: Imago

Osnabrück. Schauspieler Horst Krause hat sich vor der Ausstrahlung seines Films „Krüger aus Almanya“ (ARD, Samstag) mit einem Plädoyer für die deutsche Kultur zu Wort gemeldet.

Hier der Wortlaut des Gesprächs mit unserer Redaktion:

Herr Krause, Ihr neuer TV-Film „Krüger aus Almanya“ hat durch die Pegida-Proteste an Aktualität gewonnen. In den letzten Monaten wurde sehr viel über eine vermeintlich drohende Islamisierung, Überfremdung und Vorurteile gesprochen. Wie gehen Sie damit um?

Es geht dabei um Ursache und Wirkung. Es muss ja eine Ursache haben, dass sich das so entwickelt hat. Damit muss man sich beschäftigen, aber da sind unsere politischen Verantwortlichen lammfromm. Man muss sich respektieren. Ich muss die Pegida-Leute respektieren und sie müssen mich respektieren. Und sie müssen zum Vortrag bringen dürfen, worum es ihnen geht, damit da keine Irrtümer passieren. Und dann muss man darüber reden und nicht einfach alles von vornherein abtun.

Das Hauptproblem war ja, dass die Protestler eine lange Zeit weder mit den Medien, noch mit den Politikern reden wollten…

Das Misstrauen gegen die Medien kommt sicher daher, dass diese auch oft als voreingenommen und politisch korrekt wahrgenommen werden.Der SPD-Chef Sigmar Gabriel hat dann auf einer Veranstaltung mit Vertretern von Pegida diskutiert und wurde dafür von Vertretern seiner Partei scharf kritisiert. Dabei war das der richtige Weg. Wir müssen unsere Kultur verteidigen – nicht mit Waffen, sondern mit Worten. Hier ist das Wort die Waffe. Damit müssen wir umgehen und da muss man sich natürlich auch ein bisschen bemühen. Wir haben eine wunderbare Kultur und ich finde es sehr wichtig, dass wir mit der gut umgehen.

Droht denn Ihrer Ansicht nach eine Art Kulturverlust?

Wenn wir unsere Kultur schlecht behandeln, müssen wir uns früher oder später anhören: „Die haben ja überhaupt keine Kultur!“ Wenn ich heute einen Jugendlichen frage: „Kannst du mir ein deutsches Volkslied vorsingen?“, dann lacht der sich doch schief. Da fällt dem doch nichts zu ein – ein Volkslied singen? Niemals! Oder ein Liebesgedicht von Heinrich Heine aufsagen. Das müsste einen Jugendlichen doch interessieren, Liebesgedichte sind doch was Wunderschönes und man verliebt sich in dem Alter doch auch sehr stark. Aber wenn das bei uns nicht mehr gelehrt wird, wird man es uns auch nicht glauben, dass wir eine wunderbare Kultur haben. Was mir gar nicht gefällt ist, dass bestimmte Völker, die hier bei uns leben, sehr aufdringlich mit ihrer Kultur umgehen. Wenn ich in einem Land lebe, in dem ich nicht geboren bin, muss ich doch ein bisschen neugierig auf die Kultur sein und mich mit ihr beschäftigen. Ich denke zum Beispiel an Berlin-Neukölln. Wenn der Thilo Sarrazin da schreibt: „Deutschland schafft sich ab!“, da ist schon was dran, auch wenn ich nicht unbedingt in allen Punkten seiner Meinung bin. Wenn wir nicht auf uns selber aufpassen, sehr aufpassen, dann schaffen wir uns tatsächlich ab.

Steckt dahinter möglicherweise auch, dass es den Deutschen aufgrund Ihrer Geschichte, schwer fällt, die Bedeutung der eigenen Kultur zu betonen und zu ihr zu stehen?

Man muss es ja gar nicht laut sagen. Ich muss nicht trommeln. Es genügt, wenn man es fühlt. Das überträgt sich. Zum Beispiel, diese ganze Amerikanisierung, das ist doch furchtbar. Da laufen die Jugendlichen auf einmal mit Hosen rum, die ihnen bis in die Kniekehlen hängen. Wo kommt das her? Das kommt aus Amerika, weil den Gefangenen dort im Gefängnis die Gürtel abgenommen werden und dann rutschen die Hosen. Und das wird auf einmal Mode. Es wird nicht nachgedacht.

Aber man könnte die Einflüsse aus anderen Kulturen ja auch positiv sehen, als Bereicherung…

Nee, nee, ich bin gegen dieses Multi-Kulti. Ich finde es schon schön, dass sich die verschiedenen Kulturen annähern, aufeinander zugehen, mit Toleranz, aber ich bin gegen Vergewaltigung. Wenn ich in Neukölln rumlaufe, denke ich, es wäre Fasching, weil alles vermummt und verkleidet ist. Das ist nicht in Ordnung. Wir haben für den Film vor einer Kneipe in Neukölln gedreht. Wir saßen draußen vor der Tür, als drei 14-jährige Türken kamen und fragten: „Hast du mal Zigarette?“. Da meinte ein Kollege von mir: „Ihr dürft doch noch gar nicht rauchen!“ (macht eine kleine Pause) „Scheiß Deutsche!“. Also ich hätte die am liebsten festgehalten und die Eltern gerufen, und die hätten dann erklären sollen, warum der Junge „Scheiß Deutsche!“ sagt. Der Apfel fällt doch nicht weit vom Stamm. Und so wie zuhause geredet wird, so verhalten die sich auch.

Wo liegen die Ursachen für dieses Verhalten Ihrer Meinung nach?

Viele Vergehen werden viel zu lapidar bestraft. Knallhart muss gesagt werden: „Pass auf, du fühlst dich hier nicht wohl. Wir möchten uns von dir verabschieden!“. Ganz einfach. Wir müssen bereit sein, aufeinander zuzugehen, aber die auch. Egal wo sie herkommen. Ich rede jetzt nicht nur von Türken. Ich rede auch von Leuten, die Einbrüche begehen. Nicht alle Menschen, die hier zu uns kommen, wollen auch das Beste für unser Land, sondern manche allein das Beste für sich. Und da muss man wirklich Grenzen setzen. Vor vielen Jahren gab es diesen Fall, wo ein junger Mann diese junge Engländerin vergewaltigt haben soll. Der hat dann in der Türkei im Knast gesessen und später darüber in einem Interview berichtet. Der hat Geschichten erzählt, wie man dort mit Leuten umgeht. Nicht von wegen: „Hier ist ein Fernseher und du kriegst eine Zeitung!“. Sondern dort wird Klartext gesprochen. Und das ist wichtig. Das hilft uns weiter.

Ihr Film plädiert dafür, Vorurteile gegenüber Ausländern zu hinterfragen. Paul Krüger fährt nach Antalya, um seiner Enkelin Anni die Verlobung mit dem jungen Türken Deniz auszureden. Auf seiner Reise lernt er die Einheimischen jedoch näher kennen und schätzen. War das Ihre erste Reise in die Türkei?

Ja, ich war zuvor überhaupt noch nicht in der Türkei, so wie die Filmfigur Paul Krüger, der in die Türkei kommt und völlig überrascht ist, was er dort vorfindet: Freundlichkeit, Offenheit, Sauberkeit. Die sind nett zueinander und respektieren sich. Krüger muss seine Vorurteile auf den Prüfstand stellen. Die Wandlung erfährt er schließlich dadurch, dass er den Deniz näher kennenlernt und merkt, dass seine Enkelin ihn wirklich liebt. Der türkische Großonkel ist jedoch gegen die Hochzeit und Krüger setzt sich für das junge Paar ein.

Inwiefern haben auch Sie durch die Dreharbeiten ein anderes Bild von der Türkei bekommen?

Ich war absolut begeistert. Die verteidigen Ihre Kultur! Wir hatten ein Abschlussfest, die haben getanzt und gelacht, von überall sind sie gekommen. Wir haben uns wohlgefühlt. Ich musste feststellen: Die können doch hier nicht alle aus dieser Türkei kommen, da muss es irgendwo noch eine Türkei geben. Weil die dort völlig anders sind als bei uns: Offen, gutherzig, hilfsbereit.

Und woran liegt es, dass das Verhalten der Türken in Deutschland Ihrer Meinung nach anders ist?

Sie machen sich selber orientierungslos, weil sie nicht unbedingt Kontakt zu den anderen Menschen suchen. Es ist ein Unterschied, ob man sich annähert und auch etwas geben will, oder sich immer nur fragt: „Wo kann ich nehmen?“

Aber das hat ja auch etwas mit Chancengleichheit zu tun, also mit der Frage: Inwiefern bekomme ich überhaupt die Gelegenheit mich hier zu beweisen?

Das liegt zum Großteil auch an uns Deutschen, natürlich. Ich kenne auch viele Türken, die hier in Deutschland sehr viel aus sich gemacht haben. Wer hierher kommt, muss wirklich das Bedürfnis haben, sich mit uns anzufreunden. Die Deutschen dürfen nicht verschlossen sein, aber die Bereitschaft zum Miteinander muss auch von der anderen Seite kommen.

Welche Gespräche haben Sie in der Türkei mit den Einheimischen geführt?

Wenn man als Filmteam da ist, ist man automatisch so ein bisschen isoliert. Außerdem mussten wir ja auch arbeiten. In diesem Luxushotel, in dem wir gedreht haben, waren vor allem Russen. Aber in den türkischen Dörfern haben wir auch sehr freundliche Einheimische getroffen. Aber diese Chance nimmt man sich natürlich, wenn man als Tourist nur im Pauschalhotel bleibt.

Reisen Sie privat auch schon mal pauschal?

Ich verreise privat gar nicht, wenn es irgendwie geht.

Warum das?

Weil ich nicht gerne reise. Ich brauche das nicht.

Ist Reisen Stress für Sie?

Ich verreise ja nicht. Und die vier Wochen in der Türkei waren für mich vor allem Arbeit. Wichtig ist aber immer, dass man sein Kopfkissen mitnimmt. (lacht)

Abschließend: Glauben Sie, dass ein Film wie „Krüger aus Almanya“ dabei helfen kann, Vorurteile gegenüber anderen Völkern abzubauen?

Ich denke schon, wenn man bereit ist, ihn so zu sehen, wie er geschrieben und gespielt ist. Dann kann man ein Teil für sich mitnehmen. Das ist kein Tralalala-Film, um sich auf die Schenkel zu klopfen, sondern eine sehr stille Komödie. Wir erheben nicht den Zeigefinger und wollen nicht belehren, aber uns haben Leute in der Türkei gesagt, dass so ein Film zur Völkerverständigung beitragen kann. Das hoffe ich auch.

Das Gespräch mit Horst Krause wurde vor Ostern geführt.


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