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Staffel 5: Kritik von Folge 16 „Conquer“ Morgan kehrt im Staffelfinale von The Walking Dead zurück

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Osnabrück. Das Finale der fünften Staffel von „The Walking Dead“ war dramatisch, emotional und endete wie gewöhnlich mit einem spannenden Cliffhanger. Zum Glück für die Fans, vor allem für die Fans von Daryl Dixon, ist niemand in Episode 16 „Conquer“ („Herrsche“) gestorben. Na ja, fast niemand.

Achtung, im Text folgen Spoiler!

Die gute Nachricht vorweg: Allen Spekulationen zum Trotz  ist niemand gestorben. Zumindest von der Gruppe um Rick Grimes (Andrew Lincoln). Was die Fans erfreuen dürfte, haben sie doch vor allem um Daryl Dixon (Norman Reedus) gebangt. Und noch eine erfreuliche Nachricht: Der mysteriöse Morgan ist zurück. Cooler denn je. ( Worum geht‘s in Robert Kirkmans neuem Horror-Comic „Outcast“? Und wann kommt die Serie? )

Morgan taucht wieder auf

Das Erscheinen von Morgan rahmt die Handlung von „Conquer“ („Herrsche“) ein. Die finale Folge, die mit etwa 65 Minuten länger ist als alle anderen Folgen zuvor, zeigt bereits zu Beginn den mysteriösen Mann, der im Wald übernachtet. Er scheint mit sich selbst im Reinen zu sein, kann sich verteidigen und schlägt gleich mal zwei Männer k.o. Aber das sind nicht irgendwelche Männer, sie gehören zu den geheimnisvollen „Wölfen“, deren Kommen in mehreren Folgen in Staffel 5 angekündigt wurde.  Geschickt bauen die Autoren von „The Walking Dead“ den Gegner von Staffel 6 auf, in „Conquer“ zeigen sie, wie gefährlich die Gruppe Wölfe ist.

Daryl und Aaron tappen in eine Falle der „Wölfe“

 

Denn sie stellen geschickt Fallen, in eine tappen Aaron (Ross Marquand) und Daryl auf ihrer Suche nach anderen Überlebenden hinein. Zombies, eingesperrt in Lieferwagen, die sich auf Aaron und Daryl stürzen, in letzter Minute finden sie Zuflucht in einem Auto. Dort beschließt Daryl  zwar, dass er rausgehen und die Beißer ablenken will, damit Aaron fliehen kann, aber Aaron besteht darauf, ihm zu helfen. „Wir machen es zusammen.“ Soweit kommt es dann aber nicht, denn Morgan rettet die beiden, sie nehmen ihn mit nach Alexandria.  

Pfarrer Gabriel verfällt dem Wahnsinn

Folge 16 hält so viel, wie die anderen zuvor versprochen hatten. Endlich gibt es eine Aussprache zwischen Abraham und Eugene, Tara erwacht, Maggie zeigt ihr diplomatisches Geschick, als sie Sasha davon abhält, Pfarrer Gabriel umzubringen, der sie beschimpft. Endlich gesteht sich Gabriel in dieser Szene ein, dass er Schuld hat am Tod seiner Gemeinde. Und endlich sieht der Zuschauer das komplette Ausmaß von Gabriels Irrsinn, er hat die Grenze zum Wahnsinn endlich überschritten, als er ohne Waffe nach draußen geht und sich einem Zombie ausliefert. Und dennoch überlebt, denn er tötet seinen ersten Beißer aus Überlebensinstinkt. Warum er jedoch die Tore von Alexandria offen lässt, aus Dummheit oder aus Absicht, lässt sich nicht so einfach deuten. Vielleicht eine Mischung aus Beidem.  (Weiterlesen: Sechs Gründe, warum „The Walking Dead“ Mist ist)

Glenn lässt Nicholas am Leben

Im Mittelpunkt stehen aber zwei Handlungsstränge: Natürlich die Entscheidung um Rick, ob er Alexandria verlassen muss. Und Glenns (Steven Yeun) Entscheidung, Nicholas nicht zu töten. Denn obwohl Nicholas schuldig an Noahs Tod ist, obwohl Nicholas Glenn umbringen will, kann Glenn ihn nicht erschießen. Wieder einmal wird deutlich, dass Glenn nicht in der Lage ist, einen gefährlichen Menschen umzubringen, er hat Mitleid mit Nicholas, der stammelt, dass er einfach Angst hatte. Rick hätte an seiner Stelle sicherlich nicht gezögert, bringt Glenns Verhalten die anderen also in Gefahr? Nicholas ist ein Feigling wie Gabriel, der mit dem offenen Tor ein paar Zombies in die Sicherheitszone einlädt.

Kommt Rick Grimes zur Vernunft?

Doch lassen wir das Tor an dieser Stelle noch offen und wenden uns Rick zu. Sein Verhalten in der letzten Folge, in der er sich mit Jessies gewalttätigen Mann Pete prügelte und die anderen anschließend mit einer Waffe bedrohte, birgt im Staffelfinale von „The Walking Dead“ Stoff für viele Diskussionen. Allen voran die Frage, warum Rick eine Waffe hatte. Wer sich an Folge 13 erinnert: Das war der Pakt von Carol, Daryl und Rick, Waffen für den Notfall aus der Waffenkammer zu stehen.

Niemand wusste davon, selbst Michonne nicht, doch beichtet Rick ihr nun sein Verhalten. Michonne versucht ihm zu verdeutlichen, dass sie in Alexandria zu Hause sind und keine Waffen brauchen. „Ich bin auf Deiner Seite.“ „Du hast mir eine verpasst.“ „Das war für Dich, nicht für sie.“ Der Dialog zwischen Michonne und Rick verdeutlicht einmal mehr, wie sehr die Überlebenden von draußen immer noch eine Familie sind, auch wenn sie nicht alle Geheimnisse miteinander teilen. Und deshalb wissen alle, dass Rick das tun wird, was er für nötig hält, und alle halten zu ihm.

Erinnerung an Bob

„Das hier ist die wirkliche Welt, Bob.“ „Nein, das ist ein Albtraum und alle Albträume enden.“ An diesen Dialog mit Bob erinnert sich Rick, eine schöne Erinnerung an den Mann, der Sasha zum Lachen brachte. Auch Bob war in Staffel 4 eine Gefahr für die Gruppe, aber er veränderte sich. Eine Wandlung, die die Bewohner von Alexandria ebenfalls durchleben müssen.

Das macht Rick deutlich, als er am Ende von „Conquer“ zur Versammlung stößt, bei der über sein Schicksal entschieden werden soll. Nachdem der Sheriff die Zombies auf recht blutspritzende Weise um die Ecke gebracht hatte, wirft er der Versammlung einen Beißer vor die Füße.

Erinnerung an Staffel 2

Diese Szene erinnert stark an die finale Folge von Staffel 2.  Dort steht Rick in der Dunkelheit in einer Ruine und erklärt seinen Mitstreitern, dass nun die Zeit für demokratische Entscheidungen vorbei sei. Auch in „Conquer“ haben sich alle um ein Feuer am Abend versammelt und Rick hält einen ähnlichen Vortrag. Mit einem Satz, der so viel Schlagkraft hat wie in Folge 12:  „Ich werde es nicht tun (andere töten), Ihr werdet Euch ändern.“ Die Eroberung von Alexandria ist vollzogen. Deanna ist die erste, die das begreift, als Pete mit Michonnes Schwert auftaucht und in völliger Raserei Deannas Mann tötet. Nach einem kurzen Moment der Trauer sieht das Oberhaupt von Alexandria Rick an und gibt dem Sheriff den Befehl, Pete zu erschießen. Was Rick Grimes auch ohne zu zögern ausführt. (Weiterlesen: Andrew Lincoln verteidigt Ricks Verhalten im Interview mit „Hollywood Reporter“)

Morgan trifft auf Rick 

Auch wenn es im ersten Moment so wirkt, dass Deanna die Entscheidung über Petes Tod getroffen hat, hat Rick sie ihr mit seinem Satz vorher schon abgenommen. Denn Deanna hat sich geändert und kann die Befehle geben, die nötig sind zum Überleben.

Wäre diese Szene nicht schon dramatisch genug, kommen Aaron und Daryl mit Morgan um die Ecke. Morgan, der vorher auf Daryls Frage, warum er sie gerettet habe, antwortete: „Weil jedes Leben zählt.“ Morgan, der in Staffel 3 wie ein verrückter Einsiedler lebte und sich seitdem alleine durchschlug. Morgan, der Rick nun entsetzt anstarrt, nachdem er gesehen hatte, wie sein alter Freund einen Menschen erschießt. Und Rick, wie er aufzuwachen scheint aus einem Traum und mit Entsetzen begreift, wie er sich verändert hat in den Augen seines alten Weggefährten.

Fazit von Folge 16 „Conquer“

Am Ende gibt es zwar noch eine weitere Szene mit den Wölfen und Michonne, wie sie ihr Schwert wieder auf dem Rücken trägt, aber der wahre Cliffhanger steckt im Aufeinandertreffen von Rick und Morgan. Wie geht es in Alexandria mit den beiden weiter? Mit einem Mann, für den jedes Leben zählt, und einem Mann, der jeden tötet, der eine Bedrohung darstellt? Mit dieser Szene findet die fünfte Staffel einen exzellenten Abschluss, denn sie lebte vor allem nach dem Midseason-Finale von den zwischenmenschlichen Tönen in der Sicherheitszone und von der Frage, welche Regeln gelten in einer Welt voller Zombies.

Auch wenn so mancher Fan die mangelnde Action in dem Staffelfinale beklagen wird: Die fünfte Staffel war immer dann gut, wenn es um die Frage ging, wie viel Menschlichkeit noch in einer albtraumhaften Welt möglich ist. Umso besser, dass sich Folge 16 nicht über brutale Actionszenen definiert, sondern von der Entwicklung der einzelnen Figuren. Da ist es zu verschmerzen, dass Pfarrer Gabriel ein Fremdkörper und unverständlich bleibt, auch Sashas Motive sind nur bedingt nachvollziehbar und eher nervtötend.

Umso stärker ist Glenns Entwicklung, die Beziehung zwischen Rick und Michonne, von der man sich vielleicht noch mehr erhofft hatte, und Aaron, der als neuer Charakter zu überzeugen weiß. Schade, dass die Reise vorerst zu Ende ist, aber im Herbst geht es ja zum Glück weiter mit „The Walking Dead“.  (Weiterlesen: Mit diesem Spin-off überbrücken Sie die Zeit bis zu Staffel 6)


Wer mit Gleichgesinnten über die US-Serie „The Walking Dead“ diskutieren möchte, ist in der Facebook-Gruppe „The Walking Dead German Webfanside“ und auf der Fan-Seite The Walking Dead German Webfanside gut aufgehoben. Auf der gleichnamigen Fan-Seite gibt es auch immer aktuelle Infos.

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