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Böhmermann-Fake dementiert ZDF: Varoufakis‘ Stinkefinger-Video nicht manipuliert

Von Jörg Sanders


Osnabrück. Große Aufregung um Gianis Varoufakis’ Stinkefinger: Das ZDF musste am Donnerstag klarstellen, dass es sich beim Video von Jan Böhmermann nur um eine Satire gehandelt hat. Und nicht, wie von manchen Beobachtern vermutet, um ein tatsächliches Bekenntnis des Moderators des „Neo Magazin Royale“.

Das teilte der Sender via Twitter mit. ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler bestätigte das „Spiegel Online“.

Am Sonntag hatte Günther Jauch in seiner Sendung ein Youtube-Video aus dem Jahr 2013 gezeigt. Darin zeigte der aktuelle griechische Finanzminister den Deutschen den Mittelfinger und bezieht sich auf das Jahr 2010, als Griechenland in Not geriet. Varoufakis hatte bei Jauch behauptet, das Video sei eine Fälschung.

Böhmermann behauptete in einem Online-Video, das Video gefälscht zu haben. er und seine Redaktion hätten den Stinkefinger in das Video eingebaut. In einem Youtube-Clip zeigen er und seine Redaktion, wie sie das angestellt haben wollen. In ihrem Ergebnis fehlt der Mittelfinger.

Das revidierte das ZDF nun. Und offenbar hat Programmdirektor Himmler Humor: „Für die Moderation des ‚Heute Journals‘ werde Jan Böhmermann ‚sicherheitshalber vorerst ausgeschlossen‘“, zitiert „Spiegel Online“ ihn.

Auf den Bildschirmen der Produktionsfirma der ZDF-Sendung war bei der angeblichen Fälschung des Videos mit dem griechischen Finanzminister die Software Nuke X zu sehen. Das Programm ist eine sogenannte Compositing-Software, mit der Videos manipuliert werden können.

Zuvor hatte die Produktionsfirma der Sendung „Günther Jauch“ Böhmermann und das ZDF am Donnerstag aufgefordert, Beweise für eine Manipulation vorzulegen. Die Produktionsfirma hielt daran fest, keinen Beleg für eine Manipulation entdecken zu können. Mehrere Experten hätten das Video als authentisch eingestuft.

Ebenfalls am Donnerstag hatte sich Böhmermann zu Wort gemeldet. „Unser Video ist zu einhundert Prozent echt – wer das Gegenteil behauptet, ist ein Lügner“, sagt er in dem einminütigen Youtube-Video. Ernst zu nehmen war die Stellungnahme nie: Im nächsten Satz fordert er Jauch und die „Bild“-Zeitung auf, die Eurozone umgehend zu verlassen.

Mit der Klarstellung des ZDF dürfte die Authentizität des Videos nun als gesichert gelten. Mehrere Experten hatten das zuvor versichert. „Eine Veränderung am Videobild hinterlässt häufig Spuren. Indizien sind unter anderem Unterschiede bei Helligkeit und Farbe, abrupte Bildsprünge oder widersprüchliche Schattenwürfe“, sagte Michael Ludwig, Ressortleiter Video bei chip.de, unserer Redaktion. Aber es sei möglich, Videoaufnahmen digital mit Computerprogrammen und verändern. „Der Experte muss dabei sorgfältig vorgehen und jedes einzelne Bild im Video verändern. Pro Sekunde Video sind das in der Regel 25 einzelne Bilder“, sagte Ludwig. Daher sei eine Manipulation eine sehr zeitaufwendige Aufgabe. (mit dpa)