Tolle Entertainer Fettes Brot machen starkes Radio – im Gegensatz zu Kraftklub

Von Hendrik Steinkuhl


Osnabrück. Seit Anfang März haben die norddeutschen Hip-Hop-Könige Fettes Brot eine wöchentliche Show bei N-Joy – und Himmel, ist das unterhaltsam! Im Hörfunk ist es momentan in, Musiker moderieren zu lassen. Eine angesagte deutsche Band zeigt allerdings auch, wie schlimm das enden kann.

Reden wir also zuerst über Kraftklub , dann haben wir es hinter uns. Um alle mitzunehmen, die in der gegenwärtigen Jugendkultur nicht heimisch sind: Kraftklub sind seit ihrem Debüt 2012 die wohl angesagteste deutschen Band. Die Musik ist laut und schnell, die Lieder klingen alle gleich, die Texte scheinen vielen jungen Leuten aus der Seele zu sprechen, und die fünf Herren kommen aus dem Osten.

Seit einem knappen Jahr nun hat die Band auf dem MDR-Jugendradiosender Sputnik einmal im Monat eine eigene Show. „Radio mit K“ heißt sie, dauerte zunächst eine Stunde, jetzt wurde die Sendezeit sogar verdoppelt. Doch warum nur? Wer kein vernebelter Fan ist, wird das ziellose Gefasel von Sänger Felix Brummer und Gitarrist Steffen Israel keine fünf Minuten ertragen können.

Ohne Ritalin

Dabei sind die beiden nicht mal unsympathisch. Aber vor allem Felix Brummer ist nicht auszuhalten, denn er lässt seine Gedanken ungefiltert zu Worten werden. Als er einmal darüber spricht, wie es wäre, in einer Multikulti-Studenten-WG zu wohnen, fällt der Satz: „Nee aber weißte, und dann, und dann, und dann, dann geht’s aber los ne, dann lernste aber ruck, zuck nämlich die äh, die äh, schön die Sprachen weg, du.“ Brummer hat für Kraftklub das Lied „Ritalin“ geschrieben und, darauf angesprochen, gesagt, er habe das Mittel zur Behandlung von AD(H)S als Kind genommen, nehme es jetzt aber nicht mehr. Und so hört sich seine Radiosendung auch an. „Ach Mensch, wir streifen ab“, sagt er an anderer Stelle. Eigentlich das passende Motto für „Radio mit K“, gerade weil es „schweifen“ heißen müsste.

„Tolle Entertainer“

Dass das Problem der Kraftklubber nicht die fehlende Moderationsschulung ist, beweisen Fettes Brot in ihrer Sendung „Was wollen wissen?“ . Und weil N-Joy-Chef Norbert Grundei mit jedem seiner Worte recht hat, zitieren wir hier zwei volle Sätze aus der Pressemitteilung: „Dokter Renz, König Boris und Björn Beton von Fettes Brot sind nicht nur großartige Musiker, sondern auch tolle Entertainer. Ich freue mich sehr, dass sie das künftig in ihrer neuen Talk-Sendung bei N-Joy unter Beweis stellen werden.“

Ein Kater namens Strauß

Schon in der ersten Sendung lieferten die Hamburger Hip-Hop-Künstler ausreichend Beispiele, um die Aussagen des Senderchefs zu belegen. Als Hörerin Ina anruft und fragt, ob die Herren einen Namensvorschlag für ihre Katze hätten, erzählt Björn Beton, ein früherer Mitschüler habe ein Kaninchen besessen, das „Khomeini“ hieß. „Ich würde rückwirkend empfehlen, ein Tier nicht nach einem Politiker zu benennen. Wenn man dann mit dessen Politik nicht einverstanden ist, sieht man doof aus.“ Daraufhin schaltet sich Dokter Renz ein, der meint, er könne sich schon einen schöner Kater vorstellen, der Franz Josef Strauß heiße. „Oder Otto Graf Lambsdorff ist doch auch nicht schlecht“, sagt König Boris. „Also tote Politiker gehen, finde ich.“

Alberne Hörer-Fragen

Herrlicher Blödsinn ist das, fußend auf einer Allgemeinbildung, die die Herren von Kraftklub dem Eindruck nach nicht haben. Mit „Was wollen wissen?“ parodieren Fettes Brot übrigens die legendäre Call-in-Sendung „Was wollen Sie wissen“, die von 1952 bis 2000 im NDR lief. Weil die Parodie aber auch gleichzeitig eine Verneigung ist, verwenden sie die Original-Titelmusik.

Zur Persiflage wird die Sendung natürlich vor allem deshalb, weil die Hörer alberne bis unsinnige Fragen stellen. Aber darauf muss man ja auch erst mal eine Antwort finden, die unterhält. „Sekundenkleber soll doch alles kleben, aber warum bleibt er dann nicht in der Tube kleben?“, fragt Hörerin Sarah. „Siehst du, Sarah, und trotzdem gibt es Menschen, die nicht an Gott glauben“, antwortet Dokter Renz. König Boris fragt Sarah schließlich in schmalzigem Ton zurück, warum Sekundenkleber keine gebrochenen Herzen kleben kann. „Wir spielen dann jetzt etwas von Roland Kaiser “, sagt daraufhin Dokter Renz. Wer da noch nicht lacht, hält Humor vermutlich für überbewertet.

Übrigens ist auch die Musik, die Fettes Brot in ihrer Show spielen, ganz hervorragend – auch wenn in der ersten Sendung ein Song von Kraftklub dabei ist. Aber solange man den Herren nur beim Musizieren zuhören muss, ist ja alles in Ordnung.

Die Fettes-Brot-Show „Was wollen wissen?“ kommt jeden Dienstag von 22 Uhr bis 23 Uhr auf N-Joy, die Wiederholung läuft samstags von 18 Uhr bis 19 Uhr. MDR-Sputnik sendet die Kraftklub-Sendung „Radio mit K“ jeden letzten Donnerstag im Monat von 20 Uhr bis 22 Uhr. Beide Sendungen sind auch im Internet abrufbar.


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