Neues Studio, derbe Witze: „Neo Magazin Royale“: So ist Böhmermanns erster Auftritt im ZDF

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Osnabrück. Jan Böhmermann kommt im Hauptprogramm des ZDF an: Am Donnerstagabend startete seine neue Sendung „Neo Magazin Royale“ auf ZDFneo, in der Nacht zu Samstag ist sie erstmals auf dem Muttersender zu sehen. Die erste Folge beinhaltet einige Neuigkeiten, der 34-jährige Moderator beweist viel Selbsthumor. Doch gewisse Kinderkrankheiten sind nicht zu übersehen. Das Fazit der ersten Folge.

In den vergangenen Wochen war viel gerätselt worden, ob sich Böhmermann an seinen neuen Sendeplatz und dem neuen Publikum anpassen würde. Bleibt er sich treu und verprellt mit seiner Art möglicherweise viele ZDF-Zuschauer oder besitzt er genügend Wandlungsfähigkeit, um den Sprung zu einem seriösen Late-Night-Talker vollziehen zu können. Die Antwort fällt nach der ersten Folge nicht eindeutig aus. Sicher, er hat seiner Sendung einen neuen Anstrich verpasst. Und einen neuen Namen.

Neuer Titel, bekanntes Format

Seit Ende 2013 moderierte er das „Neo Magazin“, durch den Wechsel ins Hauptprogramm des ZDF heißt die Show leicht abgeändert „Neo Magazin Royale“. An anderen Stellen fällt schon deutlicher auf, dass es sich um ein Format handelt, das für ihn neu ist und sich gleichzeitig an andere Late-Night-Shows orientiert. Und dazu gehört eine Studioband: Rapper Dendemann und die „freien Radikalen“ übernehmen diesen Part und begleiten die Gags des 34-Jährigen mit einem Tusch.

Vorbei ist auch der Retro-Look der alten Sendung. Stattdessen sitzt der Moderator an einem modernen Schreibtisch nebst Laptop, die ehemalige Teppichverkaufshalle, in der die Sendung aufgezeichnet wird, ist größer als der alte Sendungsort und bietet deutlich mehr Platz für die Zuschauer. Die Aufmachung der Sendung erinnert stark an Harald Schmidt, Stefan Raab und weiteren Late-Night-Show-Protagonisten. Böhmermann selbst ist stolz auf den neuen „shiny floor“, der hier geboten wird. (Weiterlesen: Böhmermann übt harte Kritik an Youtube-Stars Dner und Unge)

Böhmermann lässt sich nicht zähmen

Doch nimmt er Rücksicht auf das neue Publikum, das wohl etwas älter ist als die Zuschauer auf ZDFneo? Lässt er sich durch mögliche Vorgaben des Senders zähmen? Die Frage kann ganz klar verneint werden. Wie in seiner alten Sendung fordert er über einen besonderen Hashtag seine Zuschauer zum Feedback auf Facebook und Twitter – dieser lautet zunächst #ungefickt. Scheinbar erschrocken nimmt er diesen aber sofort zurück und ersetzt ihn durch #ZDFiscool. Beide Hashtags sind am Donnerstagabend in die deutschen Twitter-Trends gelangt.

Es zeichnet Böhmermann aus, dass er genügend Humor hat, um sich selbst und seine Sendung aufs Korn zu nehmen. So ist auf seinem Schreibtisch eine Lampe angebracht, die leuchten soll, wenn ein Intendant des Senders zusehen sollte. „Wie bescheuert muss man als Sender sein, um alles auf eine Karte zu setzen“, kommentiert er die Entscheidung des ZDF, ihn ins Hauptprogramm zu holen. Übrigens: Die Lampe leuchtet nicht einmal auf. Auch die späte Sendezeit der Show auf ZDF - jeden Freitag zur Geisterstunde - wird durch den Kakao gezogen: „Inhaltlich ist die Sendung wie der FC Bayern, vom Sendeplatz aber eher BVB.“ Selbstironie siegt - so wird auch sein derzeitiger Streit mit den Rappern Haftbefehl und Fler thematisiert. Und das nicht nur mit der Brechstange, sondern durchaus feinfühlig und pointiert. (Weiterlesen: Revolverheld machen sich bei Böhmermann absichtlich zum Horst)

Kinderkrankheiten der Show

Der Moderator nimmt sich trotzdem nicht zurück. Derbe Schimpfwörter fliegen ebenso durch das Studio wie Witze über Drogenkonsum und Pädophilie – sein Stammpublikum wird er dadurch wohl erhalten können. Ob er damit aber neue Zuschauer gewinnen kann, wird die Zukunft zeigen. Jedenfalls zeigt er, dass sein Humor wandlungsfähig sein kann. (Weiterlesen: Böhmermann und Schulz im Radio: Unschlagbar witzig)

An anderen Stellen krankt die Sendung jedoch noch unübersehbar: Vor allem die relativ kurze Sendezeit von 30 Minuten könnte sich als Problem herausstellen. Das Gespräch mit seinen Studigästen, Philipp und „Porky“ von Deichkind, bleibt deshalb sehr oberflächlich. Es verkommt eher zu einer Kanonade eines zwar mit Augenzwinkern präsentierten, aber wohl doch ernst gemeinten Hinweises, dass die Musiker eh nur in der Sendung sind, um ihre neue Platte zu promoten. Einziges Highlight ist dabei der Auftritt Deichkinds im 80er-Jahre-Look – mit Böhmermann am Umhängekeyboard. (Weiterlesen: „Förderschulklassenfahrt 2“ von Böhmermann und Heufer-Umlauf)

Das Fazit der ersten Sendung: Die Zuschauer bekommen von dem Moderator das, was sie erwartet haben: Mal pontierter, mal eher derber Humor – aber stets gemischt mit einer erfrischenden Portion an Selbstironie. Doch ob das reicht, um sich trotz der undankbaren Sendezeit dauerhaft im Konzert der großen Late-Night-Talker einreihen zu können, darf nach der Premiere durchaus bezweifelt werden.


Freitags um 0 Uhr läuft „Neo Magazin Royale“ im ZDF. Bei ZDFneo läuft die Show weiterhin immer donnerstags um 22.15 Uhr. Bereits ab 20.15 Uhr ist die Show in der Mediathek abrufbar.

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