Die Urzeitkrebse waren rot Arte-Doku zeigt die kommunistischen Hintergründe von „Yps“

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Die kommerziell überaus erfolgreiche Zeitschrift „Yps“ wurde von der Kommunistischen Partei Frankreichs verlegt. Foto: ArteDie kommerziell überaus erfolgreiche Zeitschrift „Yps“ wurde von der Kommunistischen Partei Frankreichs verlegt. Foto: Arte

Osnabrück. Ein Känguru auf dem Titelblatt, dazu Comics und ein meist aus Plastikteilen zusammensetzbares Spielzeug, ein sogenanntes „Gimmick“ – all das machte „Yps“ zu einem der beliebtesten Kindermagazine der 70er-Jahre in der Bundesrepublik. Was jedoch kaum jemand weiß: Dieses kommerziell überaus erfolgreiche Produkt wurde von der Kommunistischen Partei Frankreichs verlegt. Eine spannende Arte-Doku zeigt die Hintergründe.

Ausgerechnet eine Handgranate! Mag in Deutschland ein Cartoon-Känguru das Maskottchen von der Kinderzeitschrift „Yps“ gewesen sein, in der Redaktion der französischen Mutterzeitschrift, „Pif Gadget“ war es Kriegsgerät. Wobei sich die allerdings längst entschärfte Granate stets auf dem Schreibtisch des Chefredakteurs befand – als Hinweis auf die bewegten Ursprünge des Blattes, die in das Jahr 1942 zurückführen.

Damals war ganz Paris von Nazis besetzt. Ganz Paris? Nein, nicht ganz. Es gab einige Freiräume. Einer davon war die Redaktion von „Le jeune patriote“, eine von kommunistischen Resistance-Kämpfern heimlich herausgebrachte Kinderzeitschrift. Eines Tages jedoch unterbrach einer der Journalisten die Befreiungskämpfe um Paris, um in der Redaktion eine Bildgeschichte zu verfassen. Dabei vergaß er eine Handgranate. Worauf sie zum Symbol um den Freiheitsgedanken des Blattes wurde, das nach dem Krieg dann unter dem Titel „Vaillant“ fortgeführt wurde, um schließlich, ab 1969, als „Pif Gadget“ einzuschlagen wie eine Bombe. Jedoch nur, was die teils millionenfache Auflage anging. Und die wurde mit einem cleveren Verkaufstrick erreicht.

Denn jedem Heft wurde ein Gimmick (französisch: „Gadget“) beigelegt. Das konnten Plastikbumerangs, aufblasbare Flugzeppeline, mexikanische Springbohnen oder die heute noch legendären „Urzeitkrebse“ sein, die aus ins Wasser hinzugefügten Larveneiern entstanden. Noch heute sind die „Sea Monkeys“ Kult. Heute sind Gimmicks zwar gang und gäbe, doch damals war die Marketing-Idee völlig neu.

Und inhaltlich? Da verfolgte „Pif Gadget“ einen humanistischen Anspruch: So waren in Westerncomics nicht Cowboys, sondern Indianer die Hauptfiguren. Und in der Comicreihe „Dr. Justice“ gab es wie selbstverständlich afrikanischstämmige Respektspersonen, etwa Ärzte, als Helden.

Das Heft wurde auch zum Exportschlager. Ausgaben erschienen unter anderem in Kanada, Argentinien, Skandinavien oder im Ostblock. Um jedoch Lizenznehmer im Westen nicht zu verschrecken und zu verschleiern, dass hinter „Pif Gadget“ die KP Frankreichs stand, wurde eine Tochterfirma gegründet. Mit Erfolg. Ab 1975 brachte der Hamburger Verlag Gruner+Jahr unter dem Namen „Yps“ einen westdeutschen Ableger heraus. Für „Pif Gadget“ sollte sich diese Zusammenarbeit übrigens als die erfolgreichste erweisen.

Dabei schrieb „Yps“ auch Comic-Geschichte. Denn neben Eigenkreationen wie „Captain York“ oder „Bens Bande“ bot das Heft auch eine Bühne für Comicklassiker wie „Lucky Luke“ , das „Marsupilami“ oder ab 1979 „Asterix und Obelix“ . 1980 veröffentlichte „Yps“ gar den Asterix-Band „Der große Graben“ als Vorabdruck.

Und heute? Obwohl „Pif Gadget“ längst eingestellt wurde, hieß es für „Yps“ nach seiner Einstellung 2000 in Deutschland „Fortsetzung folgt“.

Seit 2012 gibt der Berliner Egmont-Ehapa-Verlag eine Neuausgabe heraus, wieder mit Gimmicks, aber diesmal mit über 30-Jährigen als Zielgruppe. Lesern also, die mit dem alten „Yps“ aufgewachsen sind. Zugleich entstand auf RTL Nitro das Wissensmagazin „Yps – Die Sendung“, die 2014 sogar für den Grimme-Preis nominiert wurde.

Junge Völker, leert die Zeitschriftenregale! Kein Zweifel: „Pif Gadget“ war gewiss die kommerziellste, ertragreichste Erfindung der Kommunistischen Partei Frankreichs. Und hat kulturelle Spuren im Kapitalismus hinterlassen. Und das bis heute.

Zusätzlich Infos und die komplette Arte-Dokumentation finden sich übrigens auch online unter: http://creative.arte.tv/de/war-das-yeps-heft-eine-kommunistische-erfindung

Yps – Eine kommunistische Erfindung, Samstag, 31. Januar, 21.50 Uhr, Arte


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